Kultur
Die Leichtigkeit des Hippie-Daseins
Von Hans Jürg Zinsli. Aktualisiert am 18.05.2009
Schwere Kost, markige Dramen – an grossen Filmfestivals ist daran kein Vorbeikommen. Umso erstaunlicher, dass Cannes dieses Jahr gleich mehrere schaumig-leichte Sahnehäubchen auffährt. Wer möchte in Krisenzeiten schliesslich nicht gerne auch mal unbeschwerten Zeiten nachhängen?
Genau das macht Ang Lee in seinem Wettbewerbsfilm «Taking Woodstock», einem herrlich flauschigen Feel-Good-Movie über das legendäre Hippie-Musikfestival im August 1969. Lee, der zuletzt viel Schwermütiges auf die Leinwand hievte («Brokeback Mountain», «Lust, Caution»), wird damit einmal mehr seinem Ruf als Regie-Tausendsassa gerecht.
«Taking Woodstock» ist kein Musikfilm, der die bereits vorhandenen Dokumentationen konkurrenziert, sondern die Initiationsgeschichte eines properen jungen Mannes namens Elliot Tiber (Demetri Martin), der nur zufällig zum Zustandekommen des Festivals beiträgt. Aus Verzweiflung über seine Eltern, die ihr Motel vergammeln lassen, bietet er dem Woodstock-Konzertveranstalter Michael Lang (Jonathan Groff) seine Dienste an – und staunt am Ende selbst, was er losgetreten hat.
«Taking Woodstock» ist vif erzählt, launig gespielt und selbst im grössten Drogenrausch sprühend vor Opti-mismus. Die Katerstimmung kam früh genug. Doch Ang Lee muss sich damit nicht mehr beschäftigen; den Film dazu («The Ice Storm») hat er bereits gemacht.
«Taking Woodstock» läuft in der Schweiz ab 3.September im Kino, kurz nach dem 40.Geburtstag des Festivals. (Berner Zeitung)
Erstellt: 18.05.2009, 07:49 Uhr





