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Der komischste Amerikaner

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 15.04.2010

Als Hollywoods Tollpatsch vom Dienst brilliert Steve Carell quer durchs Komik-Spektrum. Ab heute ist er mit «Date Night» wieder in Schweizer Kinos zu sehen.

1/4 Carell Highlights
Steve Carell in «The Office», «Jungfrau, 40, sucht»... und anderen Filmen.

   

Sie gibt die Sarah Palin wie keine andere, er einen komischen Kauz nach dem nächsten, und wenn sie sich zusammentun, stimmt die Komik-Chemie wie selten seit Stan und Ollie: Tina Fey («30 Rock») und Steve Carell («The Office») haben mit ihrem ersten gemeinsamen Kinofilm «Date Night» den Spitzenplatz in den US-Kinocharts für sich entschieden.

Morgen startet der Film auch in hiesigen Kinos. Zumindest Steve Carell dürfte dem Schweizer Publikum bereits ein Begriff sein. Seine erste Hauptrolle spielte der Amerikaner im Komödienhit («Jungfrau (40), männlich, sucht…») zu dem er, gemeinsam mit Regisseur Judd Apatow, auch das Drehbuch schrieb. Carell, der bislang immer die zweite Gag-Geige spielte – etwa in «Bruce Allmächtig» oder als Korrespondent in «The Daily Show» – schaffte damals unter Einsatz seiner eigenen Brustbehaarung den Wandel zu Hollywoods Chef-Tollpatsch.

Wie Belushi und Murray

Carell wurde zu Beginn seiner Karriere vorgeworfen, er spiele zu wenig. Eine krasse Fehleinschätzung. Grosse Komiker, man denke an einen Jack Lemmon oder Cary Grant, wussten schon immer, dass nicht Klamauk ihre Aufgabe ist, sondern eine möglichst realistische Darstellung. Auf dass die unmöglichen Situationen, in die sie stürzen, umso absurder erscheinen.

Carell, der schon sehr früh mit dem Komödienfach begann, weiss das natürlich. Nach dem Studium an der Denison University schloss er sich dem berühmten Theaterensemble «The Second City Troupe» an, das auch schon für John Belushi und Bill Murray das Sprungbrett zu ihren Kinokarrieren bedeutete. Beim Theater verdiente sich Carell nicht nur sein erstes Geld, sondern traf auch Ehefrau Nancy Walls, eine Komikerin, mit der er seit 1995 verheiratet ist.

So gut wie Ricky Gervais

Am besten ist der 48-Jährige immer, wenns tragisch-komisch wird, zum Beispiel in «Little Miss Sunshine». In der schwarzen Komödie spielt er einen depressiven, homosexuellen Uni-Dozenten, der nach einem Selbstmordversuch mit seiner chaotischen Familie quer durch die USA reist, damit seine kleine pummelige Nichte an einem Schönheitswettbewerb in Kalifornien teilnehmen kann. Wobei der Sundance-Gewinner-Film aus dem Jahr 2006 niemals in die infantilen Spässe eines Judd Apatow verfällt. Dasselbe gilt für «Dan mitten im Leben». Der Film mit Carell und Juliette Binoche ist ebenso unkonventionell wie brillant besetzt und zeichnete Beziehungen liebevoll und komplex als Fettnäpfchen-Parcours voller Hindernisse.

Die beste Rolle von Steve Carrell aber ist für viele Fans nach wie vor jene der Büro-Null Michael Scott aus der US-Version von «The Office». Tatsächlich gelingt es Carell, dem grandiosen Ricky Gervais aus der englischen Vorlage das Wasser zu reichen. Nicht zuletzt, weil er die Figur ein klein wenig abändert. Aus dem peinlichen Proll macht er einen nicht minder peinlichen Versager, der im Grunde aber ein anständiger Kerl ist. Ein grosser Komiker kann halt nicht anders. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.04.2010, 10:47 Uhr


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