Der grosse Kater vor der Hochzeit

Von Stefan Volk. Aktualisiert am 22.07.2009

Es war die Junggesellenparty ihres Leben. Blöd nur, dass die drei Trauzeugen aus Todd Phillips’ launiger Vegas-Komödie «The Hangover» sich nicht mehr daran erinnern können. Noch blöder, dass der Bräutigam weg ist.

Erinnerung ade: die Trauzeugen Stu (Ed Helms), Alan (Zach Galifianakis) und Phil (Bradley Cooper) als verkaterte Las-Vegas-Touristen.

zvg

Was für ein Tag! Weisse Kleider, helles Licht, strahlende Gesichter: Alles ist gerichtet für die schönsten Stunden im Leben von Tracy und Doug (Justin Bartha). Todd Phillips’ überdrehte Buddy-Komödie «The Hangover» beginnt so, wie andere Filme aufhören. Die Kamera schwebt zu romantischen Klängen über die vornehme Hochzeitsgesellschaft, bis das pastellene Idyll durch einen Anruf jäh gestört wird. Am anderen Ende der Leitung brennt die Wüstensonne vom Himmel, die Kamera steht schräg und zeigt vier ziemlich mitgenommene Typen am Strassenrand. Einer davon ist Dougs Trauzeuge Phil. Er teilt der entsetzten Braut mit, dass aus der Hochzeit wohl nichts werden wird. Der Junggesellenabend ist ein wenig aus dem Ruder gelaufen und Doug, der Bräutigam, verschwunden.

Grandioser Paukenschlag

Nach diesem grandios getimten Paukenschlag blendet der Film zwei Tage zurück. Doug, seine beiden Freunde Phil (Bradley Cooper) und Stu (Ed Helms) sowie sein zukünftiger Schwager Alan (herrlich gespielt von Zach Galifianakis) brechen von Los Angeles zum Junggesellenabend nach Las Vegas auf, wo sie noch einmal so richtig die Sau rauslassen wollen. Phil, der smarte Lebemann, ist zwar ein verheirateter Familienvater, geriert sich aber noch immer als Playboy. Stu, der überkorrekte Zahnarzt, hat seiner verbiesterten Verlobten erzählt, sie würden zur Weinprobe in die Berge fahren. Und der dickbäuchige, vollbärtige Alan ist sowieso ein komischer Vogel.

Postpubertäre Eskapaden

In «Sin City» angekommen, stürzen sich die vier sogleich ins Nachtleben. Ihre postpubertären Eskapaden bleiben einem dann aber glücklicherweise erspart. Denn in der nächsten Einstellung ist es schon wieder hell. Und die Vegas-Touristen wachen mit einem üblen Kater (englisch: «hangover») in ihrer Luxussuite auf. Offensichtlich nach einer wilden Party. Im edlen Sessel verglühen noch die Zigarettenkippen, Flaschen liegen über den Boden verstreut, ein Huhn gackert durchs Zimmer, eine langbeinige Frau schleicht sich aus demselben. Aber vor allem: Im Bad knurrt ein ausgewachsener Tiger, und im Kleiderschrank weint ein Baby! Das muss wirklich eine Wahnsinnsnacht gewesen sein. Blöd nur, dass sich Dougs Trauzeugen an überhaupt gar nichts mehr erinnern können. Und noch blöder, dass Doug verschwunden ist.

So bleibt dem reichlich derangierten Trio nichts anderes übrig, als die Ereignisse der Nacht mit Hilfe von Eintrittskarten und Parktickets zu rekonstruieren, um so herauszufinden, zu wem Baby und Tiger gehören und wo zum Teufel ihnen der Bräutigam abhanden kam.

Plumpe Spurensuche

Es beginnt eine absurde, alberne, aber manchmal auch recht plumpe Spurensuche, auf der die drei einer attraktiven Stripperin (niedlich: Heather Graham), einem schwulen Gangsterboss (köstlich: Ken Jeong) und zwei durchgeknallten Polizisten wieder begegnen, freilich ohne sich an sie zu erinnern.

Die episodenartig angelegte Odyssee durch die im Tageslicht gar nicht mehr so glamouröse Glitzerwelt ist eine stets sauber und streckenweise mitreissend fotografierte Hassliebeserklärung an Las Vegas, die mit vielen konventionellen, aber zündenden Gags, soliden schauspielerischen Darbietungen und überraschenden Einfällen aufwartet.

Auch wenn der Humor gelegentlich unter die Gürtellinie rutscht oder von der Machostange kommt, bietet «The Hangover» insgesamt rundum gelungene Unterhaltung. Der braven Sorte. So schräg und schrill, wie sich diese Männerkomödie anfangs gibt, ist sie am Ende dann nämlich doch nicht. Terry Gilliams «Fear and Loathing in Las Vegas» spielt da in einer anderen Liga. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.07.2009, 10:25 Uhr

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