Kultur
Der ewige Jedi-Ritter
Von Hans Jürg Zinsli. Aktualisiert am 10.03.2010
Ewan McGregor: Der schottische Filmstar verliess die Schule als 16-jähriger, da er Mathematik nicht verstand und unbedingt Schauspieler werden wollte. (Bild: Dukas)
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Der Topstar aus Schottland
Ewan McGregor (38) schaffte den Durchbruch in Danny Boyles kulthaft verehrter Gossenoper «Trainspotting» (1996). Seit dem Musical «Moulin Rouge» (2001) und der «Star Wars»-Trilogie von George Lucas (1999/2002/2005) ist der inzwischen in Los Angeles wohnhafte Schotte immer öfter in Grossproduktionen anzutreffen. Zuletzt war er in der Dan-Brown-Verfilmung «Illuminati – Angels&Demons» (2009) und in Roman Polanskis «The Ghost Writer» (2010) zu sehen. McGregor ist seit 1995 mit der Produktionsdesignerin Eve Mavrakis verheiratet; das Paar hat zwei eigene und eine adoptierte Tochter. zas
In George Lucas’ «Star Wars» spielten Sie einen Jedi-Ritter. Jetzt, in «The Men Who Stare at Goats», begegnen Sie menschlichen «Jedi-Rittern», die hellseherische Kriegsführung betreiben. Wie fühlt sich das an?
Ewan McGregor: Oh, sehr gut, auch wenn das eine ganz andere Erfahrung war als bei George Lucas.
Wussten Sie, dass viele der im Drehbuch beschriebenen Figuren tatsächlich existieren?
Nein, ich dachte, es sei alles erfunden – bis mir Regisseur Grant Heslov sagte, dass das Drehbuch auf Jon Ronsons gleichnamigem Sachbuch basiere. Da war ich echt überrascht.
Können Sie sich eine paranormale Armeeeinheit, wie sie im Film gezeigt wird, vorstellen?
Nicht so richtig. Aber diesen Hippietypen, der von Jeff Bridges gespielt wird, gab es wirklich. Er schrieb dieses bizarre «New Army Batallion»-Handbuch. Das, was man im Film sieht, ist übrigens das originale Buch. Manches, was da drin steht, kann ich mir durchaus vorstellen. Anderes ist komplett durchgeknallt.
Sie glauben nicht an übernatürliche Kräfte?
Nein. Es gibt uns Menschen schon so lange. Da hätten wir diese Kräfte, wenn es sie gäbe, längst in uns entdeckt und genutzt. Sorry, aber da bin ich skeptisch.
Trotzdem: Wenn Sie Superkräfte hätten, was würden Sie tun?
Naja, bestimmt keine Ziegen totstarren (lacht). Aber ich würde gerne fliegen. Oder unter Wasser atmen können, denn ich tauche sehr gerne. Da wäre es toll, wenn man nicht immer diese schwere Ausrüstung montieren müsste.
Vor einem Jahr sind Sie mit Ihrer fünfköpfigen Familie von London nach Los Angeles gezogen. Haben Sie sich gut eingelebt?
Ja, ich schätze es sehr, wenn ich bei der Arbeit an einem Film nicht reisen muss, sondern zu Hause bei meiner Familie bleiben kann.
Welche Art von Filmen machen Sie am liebsten?
Ich mag Independentfilme. Aber ich liebe es auch, für grosse Kisten auf den Studiogeländen in Hollywood zu arbeiten. Als ich beispielsweise «Down with Love» mit Renée Zellweger drehte, verkörperte ich so einen schrillen Machojournalisten aus den Sechzigerjahren. Da gönnte ich mir den Spass, jeden Tag mit einem Porsche Spyder, wie ihn James Dean besass, zur Arbeit zu fahren – ohne Dach und mit der Sonnenbrille auf der Nase. Mann, das fühlte sich grossartig an! So als wäre ich Rock Hudson.
Neben Autos und Motorrädern ist auch die Musik eine Ihrer grossen Leidenschaften. Spielen Sie noch Gitarre?
Ja, allerdings nicht sehr gut. Lieber höre ich Musik. Meine momentane Lieblingsband ist Muse. Die errichten so verdammt grossartige, total verrückte Soundgebäude. Ausserdem mag ich ältere Sachen wie Underworld und Leftfield
Sie hören immer noch den Soundtrack von «Trainspotting»?
Ja. Es gibt nichts Besseres für eine flotte Joggingrunde durch den Park.
Und welche Musik favorisiert Ihr Nachwuchs?
Oh, meine älteste Tochter ist eben 14 geworden und rappt schon wie verrückt. In ihren Augen bin ich zur peinlichen Vaterfigur geschrumpft. Jedenfalls rollt sie zu meiner Musik bloss mit den Augen. Und wenn ich zu tanzen beginne, fleht sie: Bitte, Dad, tus nicht! (lacht)
Hat sie den Film «Velvet Goldmine» schon gesehen, in dem Sie tanzen?
Nein, zum Glück nicht. Aber den zeige ich ihr, wenn sie 18 wird, und sage dann: Du dachtest, ich sei peinlich? Nimm das! (lacht schallend)
Sie selbst hatten mit 16 Jahren die Schule verlassen, um sich als Theaterschauspieler ausbilden zu lassen. Wie hatten Ihre Eltern darauf reagiert?
Ich war damals so unglücklich in der Schule. Ich verstand einfach nicht, worum es ging. Mathematik war das Allerschlimmste. Ich begriff es einfach nicht. Aber meine Eltern wussten, dass ich unbedingt Schauspieler werden wollte und durch nichts davon abzubringen wäre. Deshalb erlaubten sie mir, von der Schule zu gehen.
Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle als Journalist in «The Men Who Stare at Goats» vorbereitet?
Ich habe da keine spezielle Technik, und ich analysiere meine Rollen auch nicht. Das läuft bei mir alles im Unterbewussten ab. Die Schauspielerei bleibt ja im Grunde genommen immer gleich: Man versucht, «wahre Momente» zu kreieren. Das ist alles. Bei Komödien gibt es allerdings eine Grundregel: Versuche nie, lustig zu wirken. Du musst immer todernst bleiben. Wenn du anfängst, den Hampelmann zu markieren, setzt du die Glaubwürdigkeit des Films aufs Spiel.
Nach welchen Kriterien suchen Sie sich Ihre Filmrollen aus?
Da vertraue ich ganz auf meinen Instinkt. Die Geschichte eines Films ist mir dabei nicht so wichtig. Mir gehts vielmehr um die Perspektive, wie etwas erzählt wird. Manche Filmemacher gehen mir dabei furchtbar auf die Nerven, wenn sie zum Beispiel von «unserem Helden» faseln, der sich da oder dort wiederfinde. Da denke ich: Mann, halt die Klappe und schreib mir nicht vor, was ich denken soll! (Berner Zeitung)
Erstellt: 10.03.2010, 09:12 Uhr





