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Der Mann, der alles kann

Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 20.01.2010

In den Neunzigern machte er Gucci zu einem führenden Player im Modebusiness. Jetzt hat Tom Ford seinen ersten Film geschrieben, gedreht und produziert. Und ist damit auf Oscar-Kurs.

1/4 Tom Ford und Julianne Moore am Sonntag bei den Golden Globes.
Bild: Keystone

   

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In den Neunzigerjahren war Tom Ford der Kopf von Gucci und der Hohepriester des Glamours. Er hatte die vom Bankrott bedrohte Firma zu einem der profitabelsten Modelabels gemacht, Gucci verkörperte den Zeitgeist der Neunzigerjahre: schamlos gutaussehend, sexy und unbekümmert - genau so, wie Tom Ford selbst.

2004 aber war die Party aus. Ford und sein Manager Domenico De Sole verliessen die Firma im Streit. Doch Ford, damals 44 Jahre alt, hatte alles erreicht, was man sich wünschen kann. Er würde, sagte er, sich jetzt vornehmlich seinem Golf- und Tennis-Spiel widmen und das schöne Leben geniessen.

Doch das hat er nicht getan. Das schöne Leben langweilte den Schönen dann doch sehr. «Es fehlte mir, eine Stimme der zeitgenössischen Kultur zu sein, ich wusste zuvor nicht, wie wichtig mir das war», verriet er dem «Daily Telegraph». Aber Ford wusste Abhilfe. Er wandte sich jenem Traum zu, den er hegte, seit er sich als Student die Nächte in Andy Warhols Studio 54 um die Ohren geschlagen hatte. Tom Ford wollte einen Film machen. Nicht eine Fingerübung, oder einen Dok über das Modebusiness, sondern einen richtigen Spielfilm.

Eineinhalb Jahre auf der Suche

Ford gründete seine eigene Filmgesellschaft namens «Fade to Black» und suchte mehr als eineinhalb Jahre nach einem geeigneten Script. Erfolglos. Eines Tages sei er alleine im Auto herumgefahren, erzählt er im Interview, als er plötzlich an jenen Roman denken musste, das ihn vor 25 Jahren so sehr berührt hatte: Christopher Isherwoods «A Single Man». Die Geschichte spielt in Jahr 1962 in Los Angeles und erzählt einen Tag im Leben eines Literatur-Professors. Er hat gerade seinen Liebhaber bei einem Autounfall verloren und versucht, damit klar zu kommen.

Als Ford das Buch als Zwanzigjähriger zum ersten Mal gelesen hatte, war er selber gerade von seinem Partner verlassen worden. Und als es der 48-Jährige Ford wieder las, habe ihn das Buch sogar noch mehr berührt. Also erwarb die Rechte und holte sich mit David Scearce einen Co-Script-Writer. Dann engagierte er Colin Firth und Julianne Moore für die Hauptrollen und drehte und produzierte den Film in Eigenregie. In nur 21 Tagen sei das Projekt abgedreht gewesen und habe nur schlanke sieben Millionen gekostet, berichtet Ford.

Kommende Woche wird der Film in England Premiere feiern, aber er hat bereits begeisterte Kritiken geerntet und Tom Ford wird als Naturtalent gefeiert - zumal die Romanvorlage hauptsächlich aus innerem Monolog besteht, Ford also auch dramaturgisch arbeiten musste. Das scheint gelungen und auch alles andere. Am Filmfestival Venedig wurde sein Hauptdarsteller Colin Firth als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet und vergangene Woche war «A Single Man» für drei Golden Globes nominiert, von denen er zwar keinen gewann. Dennoch gilt der Film als Anwärter auf einen Oscar. Und niemanden würde es erstaunen, wenn Ford eine gloriose Zukunft als Regisseur weiter verfolgen würde. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.01.2010, 16:38 Uhr


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