Kultur
«Brüno» besser als «Borat»?
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 06.04.2009 7 Kommentare
In seinem neuesten Coup ist Borat-Darsteller Sacha Baron Cohen als homosexueller, österreichischer Modejournalist unterwegs. Der erste Trailer verspricht ein wahres Feuerwerk an peinlichen Auftritten. So hängt «Brüno» unter anderem mit Soldaten vor einem Lagerfeuer ab und schockiert seine Gesprächspartner mit Geplapper über «Sex and The City» («This is such a Samantha things to say»).
Schon bekannt und im Netz zu sehen war Brünos Chaos-Auftritt auf der Mailänder Modewoche, wo es ihm gar gelang, eine Laufsteg-Präsentation zu stürmen. Ansonsten lässt er sich von einer Prostituierten auspeitschen oder greift Selbstverteidigungsinstruktoren mit einem Dildo an.
Ungeheuerlicher Interviewer
Das Konzept der Figur Brüno funktioniert nach demselben Strickmuster wie jenes von Borat: Beide benehmen sich pausenlos daneben. Cohen bringt die Menschen so dazu, ihre Tarnung aufzugeben. In Gegenwart eines so ungeheuerlichen Interviewers fühlen sie sich plötzlich frei und entspannt und lassen dann ihren geheimen Überzeugungen freien Lauf.
Die Frage ist allerdings, ob ihm dies mit der Brüno-Figur erneut gelingt. Denn Vorurteile gegenüber Schwulen sind nun Mal nicht derart brisant wie Ausländerfeindlichkeit. Und die Scheinwelt der Modebranche bietet weniger absurdes Potenzial wie Borats «Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan».
Baby in Nazi-Uniform
Auch lassen die Impressionen aus dem Trailer vermuten, dass sich Cohen diesmal eher harmlose Opfer ausgesucht hat: Die Absonderlichen und Unterbelichteten. Zum Beispiel jene Eltern, denen er vorschlägt, einer Dreijährigen Fett abzusaugen oder ein Baby in eine Nazi-Uniform zu stecken. Beides findet Zustimmung.
Das ist natürlich zum Brüllen, keine Frage. Trotzdem wünscht man sich bisweilen den Cohen aus den «Ali G.»-Sketchen zurück. Als Hip-Hop-Proll nahm er damals Autoritätsfiguren wie Politiker, Professoren oder Greenpeace-Leute ins Visier und entlockte ihnen haarsträubende Statements. Doch vielleicht will sich Cohen im Trailer noch nicht allzu fest in die Karten schauen lassen. Und wie der republikanische Ex-Präsidentschaftskandidat Ron Paul wutentbrannt von einem Brüno-Interview wegstürmt, lässt durchaus auch Grosses erahnen.
Was halten Sie von «Brüno»? Ihre Meinung gehört ins Forum. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.04.2009, 15:13 Uhr
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7 Kommentare
Nicht nur seine Sprüche sind super, sondern auch seine Gestik und Mimik stimmen PERFEKT überein! Dieser typ ist für mich der beste Imitator den ich gesehen habe. Bei ihm muss wirklich Herzblut drin stecken. Meine Empfehlung für einen der besten Ausschnitte: youtube - Brüno interview - schaut das Video mit dem Pastor; er nennt sich selber gay converter! Antworten
So,So.. Highlight des Kinsosommers.. Je doofer der Film desto mehr Spass haben die Leute. Wahrscheinlich sind das dann auch jene die sich die Deutsche Fassung anschauen müssen weil mit Englisch in der 4. Klasse Ende war und Lesen nun mal auch nicht gerade DIE Stärke darstellt. Antworten





Martin Häfliger
Schade, musste sich Cohen gerade Ron Paul vorknüpfen, einer der letzten wenigen Politiker in Amerika, welche für echte Freiheit einstehen und dabei nicht den Staat aufblasen und aussaugen wollen. Er war beispielsweise einer der ganz wenigen Republikaner, der gegen die Kriegseinsätze gestimmt hat. Im übrigen war auch er einer, der schon vor dem Eintreffen der Krise vor dieser gewarnt hatte. Antworten