«Borat» verulkt amerikanische Nationalgarde
Von Philippe Amrein. Aktualisiert am 19.03.2009 1 Kommentar
Borat ganz privat: Sacha Baron Cohen mit seiner Frau Isla Fisher an der Oscar-Verleihung 2007. (Bild: Keystone)
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Baron Cohen als Bruno auf dem Prada-Laufsteg
Der Mann hat zweifellos Mediengeschichte geschrieben. Unter dem Namen Ali G moderierte Sacha Baron Cohen erst im englischen, später dann auch im amerikanischen Fernsehen eine eigene Talkshow. In deren Rahmen führte er, verkleidet als goldbehangener Hiphop-Macho, Interviews mit Grössen wie dem Astronauten Buzz Aldrin, Konsumentenschützer Ralph Nader, Basketballer Shaquille O’Neal oder Linguistik-Professor Noam Chomsky, denen er mit eigenwillig-saloppen Fragen verblüffende Antworten entlockte.
«Kulturelle Lernung von Amerika»
Im Jahr 2006 lancierte Cohen seinen Film «Borat - Kulturelle Lernung von Amerika um Benefiz für glorreiche Nation Kasachstan zu machen», in dem er den kasachischen Journalisten Borat spielt, der als tollpatschiger Chauvinist durch die USA zieht. Auch in dieser Rolle nutzt der Komiker den unschätzbaren Vorteil, dass ihn sein Gegenüber unterschätzt und ihm deshalb arglos in die Falle tappt. Dagegen sind nicht einmal Reservesoldaten gefeit.
Wie nun nämlich bekannt wurde, hat sich Cohen am 13. Februar, diesmal getarnt als deutscher Journalist, Zutritt zum Trainingscenter der amerikanischen Nationalgarde in Anniston, Alabama, verschafft. Mit einem Kamerateam im Schlepptau gab er vor, einen Dokumentarfilm zu drehen, wobei ihm die Nationalgardisten offensichtlich gerne behilflich waren. So durfte sich Cohen sogar eine Uniform anziehen und an militärischen Sportübungen teilnehmen. Der Schwindel flog allerdings vorzeitig auf, als einer der Kadetten den vermeintlichen Journalisten erkannte und als Schauspieler entlarvte.
Bald kommt der schwule Bruno
Teile des so gewonnenen Materials werden möglicherweise in Cohens nächstem Film zu sehen sein, dessen Titel - frei übersetzt - lautet: «Bruno: Köstliche Reisen durch Amerika mit dem Ziel, dass sich heterosexuelle Männer in Gegenwart eines schwulen Ausländers in einem Netzhemd sichtlich unwohl fühlen». Darin spielt er einen tuntigen österreichischen Mode-Journalisten namens Bruno, der überall, wo er auftaucht, für Verwirrung sorgt. In diese Rolle schlüpfte Cohen bereits vor Jahren, als er die «Ali G Show» moderierte. Dort führte Bruno Kurzinterviews mit Grössen aus dem Fashion-Business, die er mit wirren Zwischenkommentaren wie «Ach, das ist etwa so langweilig wie die‹Frankfurter Allgemeine Zeitung›» überrumpelte. In einem anderen Einspieler wiederum brachte er die Mitglieder einer partyfröhlichen College-Ringertruppe dazu, brüllend von einem Kleinbus zu springen und dann ihre Hinterteile zu entblössen - angeblich für einen Beitrag «des österreichischen Gay-TV», wie er den verblüfften Studenten anschliessend erklärte.
Sein Gesellenstück lieferte Cohen freilich bereits letzten Herbst ab: Ende September schaffte er es, sich bei der Prada-Modeschau in Mailand reinzuschmuggeln und dort als Bruno über den Laufsteg zu stolzieren. Mit kühler Model-Miene schritt er durchs Blitzlichtgewitter, eingehüllt in einen unansehnlichen Überwurf. Die Veranstalter mussten schnell handeln, kurzerhand die Lichter ausgehen und den Eindringling vom Sicherheitspersonal abführen lassen. Ein grösseres Kompliment hätten sie dem Verkleidungskünstler gar nicht machen können. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 19.03.2009, 11:12 Uhr
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