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Auf der Suche nach dem Selbst

Von Hans Jürg Zinsli. Aktualisiert am 24.01.2011

Zwischen Einsamkeit, Selbstfindung und Tod: Mit «Silberwald», «Moi c’est moi» und «Bouton» befassten sich am Wochenende gleich drei Berner Filme mit schweren Themen. Die Filmtage-Ernte kann sich sehen lassen.

Szene aus dem Film «Silberwald» von Christine Repond.

Szene aus dem Film «Silberwald» von Christine Repond.
Bild: zvg

Sie sind jung, sie sind rastlos, und sie brauchen eine Herausforderung. Der 15-jährige Sascha (Saladin Dellers) und seine Freunde Patrick (Naftali Wyler) und Moni (Basli Medici) sind das, was man eine Töfflijugend nennt. Das Leben der drei Emmentaler Teenager spielt sich zwischen Jugendhaus, Videogames und Bubenstreichen ab.

Ländliche Idylle? Von wegen! «Silberwald», das Spielfilmdebüt der 29-jährigen Bernerin Christine Repond, erzählt in schonungsloser Härte und Präzision von Sascha, der wegen seiner Antriebslosigkeit von Freunden als «Sozialfall» verspottet wird. Erst als er bei einem Bauern zum Holzen anheuert und im Wald einen Neonazitreff entdeckt, sieht er so etwas wie Perspektiven.

Repond lässt Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit anklingen, ohne dogmatisch zu wirken, und findet in der winterlichen Natur passende Bilder zur inneren Verzweiflung der Hauptfigur. Besonders beeindruckend ist, wie die Regisseurin mithilfe von Schauspielcoach Michael Neuenschwander drei Laiendarsteller mühelos durch ihr Drama dirigiert.

Kunst und Krebs

Mit jugendlichen Aussenseitern und deren Träumen befasst sich auch die Berner Dokumentarfilmerin Gabriele Schärer. In «Moi c’est moi» begleitet sie den 15-jährigen Rapper Rushit und seine Freunde von der Band Blockjunge sowie die 17-jährige Natalia bei Vorbereitungen zum Hip-Hop-Musical «Antigone», das in Gäbelbach aufgeführt werden soll. «Moi c’est moi» ist bereits der dritte Dokumentarfilm, der sich innert weniger Monate mit Berns Wildem Westen befasst. Nach den Schrebergärten in «Unser Garten Eden» und dem Fussball in «Pizza Bethlehem» ist es diesmal die Kunst, die ein (Über-)Leben in schwierigem Umfeld ermöglichen soll. Allein, «Moi c’est moi» mutet trotz träfer Bonmots (Rushit: «S Läbe isch kes Güetzi») manchmal etwas didaktisch an, der Erkenntniswert ist bescheiden, eine klarere Fokussierung auf die Figuren hätte dem Film gut getan.

Halt und Hoffnung bietet die Kunst auch der 33-jährigen Bauchrednerin Johana Bory im Dokufilm «Bouton». Der frühere Produzent Res Balzli porträtiert in seinem Regiedebüt die letzten Tage der an Krebs erkrankten Artistin, die Auftritte unter Schmerzen absagen muss und nur im Zwiegespräch mit ihrer Puppe Trost findet: «Solange es Bouton gibt, gibt es Hoffnung. Mit ihm ist alles magisch», sagt Bory. Regisseur Balzli kommt mit erfrischender stilistischer Vielfalt nahe an seine Protagonistin heran. Indem er jedoch plakativ-esoterische Szenen verwendet und etwa Borys Vater auf einem «Stammbaum» sitzen lässt, schrammt der Film manchmal nur knapp an unfreiwilliger Komik vorbei.

An den Solothurner Filmtagen: «Silberwald»: 25.1., 17.15 Uhr, Canva; 26.1., 9 Uhr, Reithalle. «Moi c’est moi»: 26.1., 14.15 Uhr, Canva Club. «Bouton»: 25.1., 17.30 Uhr, Landhaus. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.01.2011, 07:34 Uhr

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