Alle Augen auf George Clooney
Von Hans Jürg Zinsli. Aktualisiert am 09.09.2009
Seit Montagabend besteht Venedig hauptsächlich aus Sperberaugen. An der Bootsanlegestelle beim Hotel Excelsior und am roten Teppich vor dem Palazzo del Cinema schichten sich die gespannten Leiber fast übereinander. Ja, es ist wieder so weit: George Clooney kommt, und die Lagunenstadt steht Kopf.
Nach dem Pharmathriller «Michael Clayton» (2007) und der Coen-Brothers-Komödie «Burn after Reading» (2008) ist der amerikanische Superstar bereits das dritte Jahr in Folge Gast am Filmfestival Venedig. Und jedes Mal, scheint es, fühlt er sich dort noch ein bisschen mehr zu Hause. «Venedig ist der einzige Ort, wo man im Boot zur Filmpremiere fährt», sagt der Amerikaner mit Zweitwohnsitz am Comersee denn auch. «Deshalb fühle ich mich hier besonders wohl.»
Skurrile Kampfmethoden
In Grant Heslovs Filmdebüt «The Men Who Stare at Goats», basierend auf dem gleichnamigen Sachbuch von Jon Ronson, spielt Clooney den Anführer einer «New Age»-Armee-Einheit, die im Irak auf übernatürliche Kriegsführung baut. Zu den mehr oder minder ausgereiften Techniken dieser Sondertruppe gehören Gedankenlesen, Durch-die-Wand-Gehen und das Vernichten von Ziegen mittels Killerblick.
«Das ist natürlich kein Kriegsfilm», lacht Clooney, «sondern eher eine skurrile Art von ‹Batman & Robin›» – wobei der Part des Robin in «The Men Who Stare at Goats» dem Schotten Ewan McGregor («Angels & Demons») zufällt, der als Journalist in besagte Kriegstechniken eingeweiht wird. In Venedig wird der Film jedoch zur klaren One-Man-Show von Clooney, der trotz immer noch eingebundener rechter Hand – er verletzte sich angeblich beim Zuschlagen einer Autotür – in prächtiger Laune ist und eine perfekte Spielwiese vorfindet.
Verrückteste Verehrer
«Gerade die dümmsten Filmszenen beinhalten die meiste Wahrheit», versichert der auch als Co-Produzent fungierende Hollywoodstar – und macht sich gleichzeitig über seine verrücktesten Verehrer lustig. Tatsächlich kreischen in Venedig nicht länger nur Frauen «I love you» (worauf Clooney scherzhaft mahnt, er könne ihre schmutzigen Gedanken lesen). Nein, seit den jüngsten Gerüchten über seine angebliche Homosexualität fliegen ihm auch Männerherzen zu.
Ein besonders exhibitionistischer Journalist zieht sich in Clooneys Anwesenheit gar bis auf die Unterhose aus, auf der die Aufschrift «George, choose me!» zum Vorschein kommt. Der Schauspieler, der in Venedig auch schon Journalistinnen im Brautkleid abwimmeln musste, entgegnet jedoch cool: «Bleiben Sie einen Augenblick, wo Sie sind. Ein Krankenwagen wird in Kürze bei Ihnen sein.» Und bevor die nächste Journalistin zu Wort kommt, fordert der Amerikaner lächelnd: «Bitte erst ausziehen, dann fragen.» So bringt man die Lacher auf seine Seite. Wer noch Anschauungsunterricht in Entertainment braucht, kommt auf seine Kosten. Clooney hat die Lagunenstadt im Griff. Und «The Men Who Stare at Goats», das Sahnehäubchen zum Gute-Laune-Menü, wird in Venedig bereits mit Genre-Meilensteinen wie Robert Altmans «M.A.S.H.» verglichen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 09.09.2009, 08:10 Uhr
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