«Wir werden sie als starke Frau darstellen»
Interview: Philippe Zweifel. Aktualisiert am 03.11.2011 60 Kommentare
Jörg Rindlisbacher ist Initiant und Leiter von scriptproducer.com, einer Drehbuch–Produktion für Film und TV Produktionen. Zuvor war der Schweizer 20 Jahre lang Mitinhaber und Leiter mehrerer Kommunikationsagenturen.
Film
Das Schicksal von Jörg Kachelmanns Ex-Geliebter, die dem Wettermoderator Vergewaltigung vorgeworfen hatte, soll fürs Fernsehen verfilmt werden. Die deutsch-amerikanische TV-Produktionsfirma Story House Productions und die Schweizer Drehbuchentwickler Scriptproducer haben von der Ex-Geliebten die Rechte für ein Filmprojekt erworben. Welcher Sender in die Produktion einsteigt, steht noch nicht fest. Auch die Besetzung der Hauptrolle ist noch offen. Die Dreharbeiten sollen in einem Jahr beginnen.
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Kachelmanns Klägerin, Claudia D., hat Ihnen die Persönlichkeitsrechte für ihre Story verkauft – kann man da einen objektiven Film erwarten?
Was hat Objektivität mit Persönlichkeitsrechten zu tun? Unser Vorgang ist rechtlich und sichert uns die Exklusivität der Geschichte und die Mitarbeit von Claudia D. Kommt dazu, dass es in den Prozessakten enorm viele Fakten gibt, die spannend, interessant, traurig und unglaublich sind. Schon aus diesem Material kann man zwei objektive Filme machen.
Haben Sie zwecks Drehbuchentwicklung mit Frau Claudia D. gesprochen?
Claudia D. wird als Informationsquelle für das Autorenteam zur Verfügung stehen. Nach einigen Interviews mit ihr und nachdem das erste Treatment steht, wird sie dieses lesen und ihre Inputs dazu geben. Dasselbe gilt für das Drehbuch.
Wie stellen Sie Claudia D. im Film dar? Als Justizopfer?
Nein – wir werden Sie als starke Frau darstellen. Die Geschichte der Claudia D. ist eine hochaktuelle Parabel über Recht und Gerechtigkeit, Liebe und Hass, Vertrauen und Verrat, Macht und Ohnmacht und das Geschlechterverhältnis.
Claudia D.s Bereitschaft zum Selbstbetrug war ja beträchtlich. Sie glaubte daran, dass Kachelmann sie heirate. Kommt diese Naivität im Film vor?
Das ist eine sehr gute Frage. Wer hat elf Jahre lang was vorgetäuscht, wer ist das Opfer? Selbstverständlich werden wir dies thematisieren. Ihr Verhalten war jedoch nicht naiv. Wer war nicht schon einmal in einer Beziehung, die nicht mehr funktionierte, und hatte nicht den Mut, die Situation zu ändern? Und stattdessen die Probleme verdrängt? Hand aufs Herz – die Hoffnung stirbt doch zuletzt, vor allem wenn man einen Menschen liebt.
Ihr Produzent sagt: «Es geht darum, wie die Gesellschaft im 21. Jahrhundert mit Vergewaltigungsvorwürfen umgeht.» Wie denn?
In einer von Männern geprägten Gesellschaft mit von Männern dominierten und kontrollierten Strukturen, in der praktisch nur von Männern Vergewaltigungen verübt werden, ist der Umgang mit Vergewaltigungsopfern per se äusserst schwierig. Da werden Frauen, die es wagen, sich aufzulehnen, schon mal als Jahrmarktsattraktion durch mehrere Arenen geschleift. Männer haben meistens die finanziellen Möglichkeiten und die nötigen Netzwerke, um die Frauen anzuprangern und auszuspielen. Bedenken Sie, drei Flugstunden von Zürich aus dürfen Frauen nicht mal Auto fahren. Das zu ändern, ist ein langer Prozess und kann nur durch starke Frauen herbeigeführt werden. Und vielleicht auch durch gute Filme zu diesem Thema.
Kachelmann sagte nach dem Urteil: «Wenn ich mich nicht wehre, wird das, was mir passiert ist, zum Muster für alle durchgeknallten Frauen dieser Welt, die Männern etwas anhängen wollen.» Wie sehen Sie das?
Herr Kachelmann, der gleichzeitig mehreren Lausemädchen dieselben Dinge versprochen hat, kann ja Frauen nur als durchgeknallt betiteln. Sind denn Frauen, die seelisch missbraucht werden, durchgeknallte Weiber?
Müsste man jetzt nicht eher einen Kachelmann-Film drehen? Er sass ja 132 Tage unschuldig im Gefängnis?
Mir würde dazu nicht viel einfallen. Ich mag sowieso keine Knastfilme.
Kachelmann kann das fertige Drehbuch lesen. Kann er es auch abändern?
Nein. Wir gehen davon aus, dass alles rechtens sein wird.
Mit welchem anderen Film kann man Ihr Drehbuch vergleichen? Gibt es Vorbilder?
Ja – ein sehr gutes Vorbild: «Die verlorene Ehre der Katharina Blum». Ein hervorragender Film von Volker Schlöndorff und Margarethe von Trotta, nach einem Buch von Heinrich Böll.
Wäre eine Doku nicht das passendere Format als ein Spielfilm?
Wir setzen uns mit beiden Ansätzen auseinander. Story House Productions Berlin plant auch eine Doku zum Spielfilm.
Was kann der Film zeigen, was die unzähligen Medienberichte nicht gezeigt haben?
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Nehmen Sie als Beispiel semifiktionale Filme wie «The Social Network» oder «Frost/Nixon». Unsere Drehbuchautoren, der vorgesehene Regisseur und die angefragten Hauptdarsteller sind begeistert von der Idee und der Möglichkeit, die harten Fakten mit Fiktion anzureichern. Es wird ein bedeutendes Filmwerk angestrebt mit einem grossen Marktpotenzial, indem die Geschichte einer Frau erzählt wird, die von den Hauptbeteiligten stigmatisiert und wie im Mittelalter an den Pranger gestellt wird.
Haben Sie eigentlich eine persönliche Meinung zum Urteil: richtig oder falsch?
Nein, hab ich nicht. Ich halte mich an den Appell der Urteilsverkündung des Vorsitzenden Richters Seidling:«Bedenken Sie, wenn Sie künftig über den Fall reden oder berichten, dass Herr Kachelmann möglicherweise die Tat nicht begangen hat und deshalb zu Unrecht als Rechtsbrecher vor Gericht stand. Bedenken Sie aber auch umgekehrt, dass Frau D. möglicherweise Opfer einer schweren Straftat war.»
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.11.2011, 15:21 Uhr
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60 Kommentare
Unglaublich - während Männer nur aufgrund der Unterstellungten einer Frau monatelang im Gefängnis sitzen, ohne jegliche Beweise, faselt dieser Herr von "männerdominierten Strukturen", und nachdem die betreffende Frau mit Interviews über ihre unbewiesene Geschichte enorme Summen verdient hat, spricht er von Frauen, die "durch Arenen geschleift" werden. Es wird wirklich immer unerträglicher. Antworten
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