Wir sind dann mal weg

Innert zehn Minuten haben die Gstaader Urs Batzli und Miriam Thomann entschieden, auszuwandern. Weg von Gstaad, ins warme Andalusien. Die TV-Sendung «Auf und davon» hat sie begleitet.

Suchen ihr Glück in Spanien: Miriam Thomann und Urs Batzli aus Gstaad führen in Andalusien eine Pferderanch.

Suchen ihr Glück in Spanien: Miriam Thomann und Urs Batzli aus Gstaad führen in Andalusien eine Pferderanch. Bild: SRF

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es gibt Menschen, die überlegen monatelang, in welchem Gelbton sie ihre Küche streichen. Und dann gibt es solche, die brauchen nur wenige Minuten für Entscheide, die ihr ganzes Leben verändern. Urs Batzli und Miriam Thomann brauchten etwa zehn. Um zu beschliessen, dass sie ihre Jobs und ihr Zuhause in Gstaad aufgeben wollen, um in den Süden Spaniens zu ziehen.

Auf eine Farm mit siebzig Pferden, mit elf Zimmern für Feriengäste.Ein weisses Hemd. Urs Batzli knöpft seine Krawatte, zieht den Knoten enger. Die Handgriffe sitzen, der Blick in den Spiegel ist kritisch. «Urs steht im Dienst einer schwerreichen Unternehmerfamilie», sagt die Kommentatorin, während Batzli Handy, Sackmesser und Schlüssel vom Küchentisch nimmt.

So werden die Zuschauer Urs Batzli kennen lernen, wenn sie die erste Sendung der neuen Staffel der erfolgreichen SRF-Auswandererdoku «Auf und davon» einschalten. Als Bauerngiel, der Bentleys durch Gstaad fährt. Wenig später taucht auch seine Partnerin auf, Miriam Thomann, die in einem «Glamour Outlet» eine Kundin berät. Der Zuschauer sieht Batzli und Thomann in ihrem alten Leben. Und ihre Vorfreude auf das neue.

«Arbeit hält jung»

Es ist nicht so, dass die beiden mit ihrem Alltag unzufrieden waren – ganz und gar nicht, sagt Urs Batzli. Gerade das habe ihm am meisten zu denken gegeben: sein Job. Batzli war die Vertrauensperson einer Familie von ehemaligen Industriellen, die im Oberland einige Häuser besitzt. Er hat die Gebäude unterhalten, für die Technik gesorgt und auch mal VIP-Gäste abgeholt. «Ich bin einer, der gerne arbeitet», sagt der 48-Jährige. «Arbeit hält jung.»

Trotzdem haben die beiden vor zwei Jahren einen Pachtvertrag für eine Ranch in Andalusien unterschrieben und obendrauf noch vierzig Pferde gekauft, obwohl sie nicht einmal Zeit hatten, sich die Tiere einzeln anzusehen. «Das war ein Bauchentscheid», sagt Batzli. «Es hat sich damals ein Türchen zu etwas geöffnet, das schon lange mein Wunsch war.» Seit zwanzig Jahren habe er davon geträumt, «bis 50 volle Kanne zu arbeiten und dann nur noch zu machen, was ich will». Nämlich: mit Tieren arbeiten.

2008 machte Urs Batzli zum ersten Mal Ferien auf einer Pferdefarm in Spanien. «In meiner Jugend hatten wir auf der Alp zwei Haflinger – mit denen bin ich oft geritten», sagt er. In Spanien habe er das Reiten wiederentdeckt, «es hat mir sofort den Ärmel reingenommen».

Wieder und wieder habe er die Farm besucht, zumal Freundin Miriam Thomann eine leidenschaftliche Reiterin ist. Zu Farmbesitzer Robert Halter bauten die beiden eine tiefe Freundschaft auf. Und eigentlich wäre Urs Batzli ganz gerne auf der Farm mit eingestiegen, wäre sie nur gross genug gewesen für zwei Besitzer.

«Es war ein Paradies»

Die Chance sollte sich Batzli und Halter im Oktober 2013 bieten. Sie waren auf gut Glück zu einer Ranch gefahren, von der ein Teil zur Pacht angeboten wurde. Das Anwesen im spanischen Stil lag im hügligen Nirgendwo, sechzig Autominuten von Málaga entfernt. «Es war ein Paradies», sagt Batzli. Also fragte er einfach, ob nicht die ganze Ranch zu pachten wäre.

Und bekam prompt die Antwort: Ja, das wäre möglich, aber nur, wenn er auch die vierzig Pferde kaufen würde. «Der Besitzer rechnete kurz und nannte mir einen Preis. Dann rechnete ich und merkte, dass mein Erspartes reichen würde», sagt Batzli. «Ich nahm Mimi zur Seite und fragte, was sie denkt. Sie war begeistert.» Nach zehn Minuten hätten sie eingeschlagen – und in der Nacht darauf kaum geschlafen.

In «Auf und davon» erzählt das Paar nun Hunderttausenden Zuschauern die Geschichte ihres Abschieds. Welche Szenen SRF zeigt, weiss es – anders als diese Zeitung – vorab nicht. So viel sei verraten: In der zweiten Sendung schreitet Urs Batzli über eine der Weiden der Ranch, die er mittlerweile mit Robert Halter führt. Mit einer Getränkedose setzt er sich auf einen Felsblock und klopft sich auf die Schulter – nicht im übertragenen Sinn, sondern tatsächlich. Und sagt: «Urs, guete Entscheid.»

«Auf und davon»: ab 8. Januar, jeweils Freitag, 21 Uhr, SRF1. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 06.01.2016, 08:48 Uhr)

Artikel zum Thema

Der publikumswirksame Traum vom Auswandern

«Auf und davon» erreicht gleich viele Zuschauer wie ein Fussball-WM-Halbfinal, «Goodbye Deutschland» ist ein Dauerbrenner. Und gerade startet eine neue SRF-Reihe über Schweizer in New York. Auswanderer-Dokusoaps spielen mit unser aller Träume. Mehr...

Die Hälfte der User träumt vom Auswandern

Umfrage vom Dienstag, 4. August «Auf und davon» oder «Goodbye Deutschland» sind Dauerbrenner. Und gerade startet eine neue SRF-Reihe über Schweizer in New York. Fast die Hälfte der 1002 User kann sich vorstellen auszuwandern. Mehr...

Der «Roboy»-Erfinder muss nach Japan auswandern

Er gilt als «Guru der Robotik» und möchte eigentlich auf seinem Forschungsgebiet weitermachen. Doch dazu muss Professor Rolf Pfeifer nach Japan und China auswandern. Die Uni Zürich sieht für sein Institut keine Zukunft. Mehr...

Service

Mitdiskutieren, teilen, gewinnen.

News für Ihre Timeline.

Werbung

Kommentare

Blogs

Gartenblog Grösser ist nicht immer besser

Foodblog Super Glace

Service

Schnelle Info für zwischendurch

Lesen Sie die Nachrichten aus der Region in Echtzeit.

Die Welt in Bildern

Schulterstand: Artisten der China National Acrobatic Troupe bewerben in Scheveningen ihre Show, die für zehn Tage in der niederländischen Hafenstadt gastiert (28. Juni 2016).
(Bild: Robin van Lonkhuijsen) Mehr...