Kultur

TV-Tod mit Dignitas wühlt England auf

Vor sieben Wochen strahlte das Schweizer Fernsehen den DOK-Film «Selbstmord-Touristen» aus. Jetzt wird derselbe Film in England gezeigt. Und sorgt im Vorfeld für heftige Reaktionen.

Craig Ewans, 59, trinkt die todbringenden Medikamente.

Immer mehr Ausländer reisen in die Schweiz, um sich mithilfe von Dignitas umzubringen. Der Oscar-prämierte Filmemacher John Zaritsky porträtiert in seinem Film zwei dieser Selbstmord-Touristen, die in ihrem Leben in der Schweiz ein Ende machen wollen. Das Schweizer Fernsehen zeigte den für einen Leo-Award nominierten Film im Oktober - ohne grosse Reaktionen. Ganz anders in England. Heute Abend strahlt der UK-Sender Sky Real Lives die Dokumentation aus. Und schon im Vorfeld sorgt er für Empörung.

Tod am Fernsehen

Einer der beiden Selbstmörder ist der Engländer Craig Ewert, ein ehemaliger College-Professor, der an einer unheilbaren Nervenkrankheit leidet. Im Film ist zu sehen, wie ein Sterbehelfer Ewert die tödlichen Medikamente übergibt, welche dieser per Strohalm einnimmt. Seine Frau Mary, mit der er 37 Jahre verheiratet war, beugt sich über ihn und fragt: «Kann ich dir einen grossen Kuss geben?» Dann wünscht sie ihm eine sichere Reise.

Noch nie zuvor war Sterbehilfe, also ein assistierter Suzid, auf einem englischen TV-Sender zu sehen. Vergangene Nacht verurteilten denn auch verschiedene christliche und Pro Life Organisationen den Film als «gefährlich».

Pro Life, gegen Sterbehilfe

Phyllis Bowman von der organisation «Recht auf Leben» sagte: Dieser Film macht Werbung für assistierten Selbstmord. Was denken die sich eigentlich, welchen Effekt das auf Depressive haben wird? Das unterminiert das Recht auf Leben.

Dr. Trevor Stammers von der christlichen Ärzte-Vereinigung sagte, einen Tod am TV auszustrahlen sei grotesk. Dominica Roberts von der Pro-Life Alliance erläuterte: «Es ist traurig und gefährlich, solche Sachen im Fernsehen zu zeigen. Es könnte Leute geben, die das kopieren. Die Gesetz wurden schliesslich dazu geschaffen, verletzliche Leute zu schützen.»

In England ist Sterbehilfe durch den Suicide Act aus dem Jahr 1961 verboten. Das Gesetz machte Selbstmord legal, verbietet jedoch die Beihilfe dazu.

Ewerts Witwe Mary sagte gegenüber der Zeitung Dailymail: «Es ist wichtig, dass das Fernsehen eine Debatte über das Thema lanciert. Dieser Film soll Menschen dazu bringen, über den Tod nachzudenken und zu diskutieren. Das ist, was Craig gewollt hätte.

Die Reportage wird Mittwochabend um 21 Uhr Ortszeit ausgestrahlt. Kurze Clips hat der TV-Sender hochgeladen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.12.2008, 16:39 Uhr

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20 Kommentare

Hans Vögtlin

19.11.2010, 15:53 Uhr
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Aber, aber, Heinz Ackermann! Was ist denn das für ein Gott, der seine geliebten Geschöpfe dahinsiechen und abserbeln lässt? Oder hat er etwa Mitleid mit den Millionen von Verhungernden und an Seuchen Dahingerafften? Einen solchen Gott noch als "lieben Vater" zu feiern widerspricht jeglicher logischen Ehrlichkeit. Meine Wege sind nicht eure Wege, meine Gedanken nicht die Euren. Danke schön. Antworten


Heinz I. Ackermann

04.01.2009, 19:51 Uhr
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Die Kommentare zeigen, dass die "Verluderung" unserer Gesellschaft sehr weit fortgeschritten ist. Es zeugt auch davon, dass für viele Menschen Gott abwesend ist. Die Schweiz ist ein Platz, wo u.a. solch abartige Dinge wie Beihilfe zu Selbstmord angeboten werden. Wieder eine Tätigkeit, die unser System zulässt, und die Schweiz über die Grenzen hinaus "berühmt" macht. Antworten


Ali Reza

03.01.2009, 12:54 Uhr
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Ich kann es nicht anders sagen, aber es einfach schrecklich das anzusehen. Das sich jemand sein leben nimmt sowie in Anwesenheit anderer menschen. Das ist moralisch nicht vertretbar und einfach falsch. Dieser mann sollte noch leben sein. Das einzige was Craig hinterlässt is sehr viel trauer. Antworten


Sarka Neradilova

15.12.2008, 17:50 Uhr
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also ich finde es durchaus verständlich, dass jemand seine Qual beenden will es ist Nichts für Feiglinge oder was ist dartan so Mutig und Würdiges, sich körperlich bis ans das chlimmste Ende durchzuquälen? in vegetativer Form? Ohne jegliche Spur an Lebensfreude? es ist doch unvorstellbar für die mensten, welcher Qual Herr Ewert ausgesetzt wurde und der Medikamentenmix--warum nicht in solchen Fäll Antworten


Sabine Kulray

12.12.2008, 21:04 Uhr
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Meine geliebte "Mutti" habe ich zur Dignitas vor Jahren begleitet, sie hatte 27 lange Jahre Kampf gegen den Krebs geführt: Amputationen, Chemotherapien, Bestrahlungen und war austherapiert. Man geht dort nicht einfach eben so hin, man muß nachweisen, dass man totkrank ist, vom Mut ganz zu schweigen! Mutti war Dignitas unendlich dankbar und ich konnte zum Schluß ihre Hand halten und bei ihr sein .. Antworten


Vivien Frey

12.12.2008, 15:10 Uhr
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Der Tod gehört genauso zum Leben wie eine Geburt und es ist völlig ok, wenn man da offen drüber spricht. klar, es ist für alle ungewohnt gewesen, sowas im Fernsehen zu sehen, aber eigentlich ist es doch etwas was ganz normal ist. Es ist doch ein Teil des Lebens. Mich persönlich stört es nicht, weil ich auch an ein Leben nach dem Tod glaube und es für mich somit weitergeht Antworten


Achim Turanowt

11.12.2008, 22:15 Uhr
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Jeder hat das Recht auf einen würdigen Tod ohne unnötige lebensverlängernde Maßnahmen aber mit schmerzlindernder Unterstützung jegwelcher Art. Aber Selbsmord?! Nicht umsonst heißt es Selbstmord - Mord. Und wenn es dennoch erlaubt wäre, wo die Grenzen ziehen? Was, wenn nicht die ungeliebte Erboma, die nicht mehr selbst richtig entscheiden kann, in den Selbstmord getrieben wird... Antworten


Hans Bertl

11.12.2008, 15:37 Uhr
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Nur wer selber monate oder jahrelang an das Bett gefesselt ist und nicht mehr alleine atmen und auf das klo gehen kann, darf sich ein Urteil erlauben. Diese Geselschaft ist wirklich verlogen. Im Altenheim vegetieren viele alte Menschen nur noch dahin. Aber man kann ja gut daran verdienen. Ich möchte auch in Würde gehen können !! Antworten


Brigitte Goldschmidt

11.12.2008, 14:03 Uhr
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Ich muss den Film und die vielen Meinungen dazu erst mal verdauen. Brachte meine Mutti gerade ins Pflegeheim, sehe viel Schlimmes die letzten Tage und sehe vieles anders als noch vorher. Es geht nicht nur ums Überleben, es geht auch um Würde. Pflege, Hilfe, alles schön und gut bis zum gewissen Grad. Antworten


Klaus Naumann

11.12.2008, 11:12 Uhr
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Zitat aus obigem Text:"Es ist traurig und gefährlich, solche Sachen im Fernsehen zu zeigen. Es könnte Leute geben, die das kopieren". Ja !Wenn diese Leute das kopieren wollen, werden sie ihre Gründe dafür haben; warum das nicht repektieren?Kein Anderer kann (m)eine Entscheidung für mich treffen ! Wenn man sich Sterbe-Hilfe holt und das publiziert ist das ein mutiger Schritt gegen die Verdrängung Antworten


Birgit Kehrer

10.12.2008, 20:19 Uhr
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es ist immer wieder die Rede vom "Recht auf Leben" .. uneingeschräbkt ja .. aber wieso mutiert dieses Recht nun zur "Pflicht zu Leben" Ist dies nun MEIN Leben oder gehört es dem Staat? Wenn es MEIN Leben ist .. warum darf ich es dann nicht unter bestimmten Bedingungen (und diese Entscheidung trifft niemand leichtfertig) zurückgeben ? Darf ich leben..oder MUSS ich ....das ist wohl hier die Frage Antworten


verena schoenrock

10.12.2008, 18:37 Uhr
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ich find es schrecklich so etwas auf band festzuhalten.ich finde er sieht so hilflos aus.ich weiß nicht ob das die lösung ist.was ist,wenn ihm doch noch zweifel blieben,er diese aber erst wirklich deuten konnte,als er die tödlichen medikamente bereits eingenommen hatte.klar sollte es jedem selbst überlassen sein zu leben,aber ist das die lösung?Sterbehilfe?ich denke,so einfach soll es nicht sein.. Antworten


Giorgio Girardet

10.12.2008, 17:25 Uhr
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Man muss die Briten verstehen. Mein Religionslehrer erklärte mir einst, Selbstmord sei in Grossbritannien ein Kapitalverbrechen. Wer also einen Selbstmordversuch überlebte, wurde anschliessend zu Tode verurteilt. Wer mit solch klaren Werten aufwuchs, den muss die schweizerische Version der assistierten Selbstötung befremden. Heuchler sind aber die, die wegen Suiziden die Dienstwaffe abgeben wollen Antworten


Walter Knaus

10.12.2008, 17:18 Uhr
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Schliesse mich anderen Kommentaren an - jeder hat das Recht, aus dem Leben zu scheiden. Und wir haben nicht das Recht, über diese Leute noch abschätzig zu urteilen. Während andernorts Millionen sterben vor Hunger, Krankheit und Krieg, gibt es dabei auch keine solche Aufregung. Dieses Thema darf aber auch nicht zu einem Big Brother-Voyeurismus ausarbeiten. Antworten


Hans Müller

10.12.2008, 15:42 Uhr
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Das Recht zu sterben wann und wie ich will ist eine der letzten Freiheiten die wir in unserem Leben noch haben! Ich sehe in der Ausübung dieses Rechts (auch unter Mithilfe einer anderen Person sofern man selber nicht mehr dazu in der Lage ist) beim besten Willen nichts schlechtes Antworten


Roland Chandler

10.12.2008, 15:27 Uhr
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Jede person had that recht zu leben und zu sterben. Da ich nicht in der Schweiz lebe, kann ich mir diese Docu nicht anschauen and konnte nur den kurzen clip hier sehen. Ich geben Maria M recht dass Craig sich von seiner Frau verabschieden konnte. Viele (und vermutlich 99%) koennen dies nicht. Es tut weh dies anzuschauen jedoch haette ich die chance wuerde ich mich gleich entscheiden. God bless Antworten


Ursula Jungo

10.12.2008, 13:35 Uhr
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Wir sind freie Menschen,aber uns wird alles vorgeschrieben,sogar ob wir sterben dürfen oder nicht! Wie viele Menschen sehen wir pro Tag am Tv sterben? Da hat niemand etwas dagegen! Wer nicht sterben will, soll schauen,dass er das beste für sich macht,aber lasst die anderen Menschen in Ruhe! Jeder ist vorallem für sich verantwortlich, aber kein Staat hat das Recht uns den Sterbewillen zu verbieten! Antworten


Roli Keller

10.12.2008, 12:58 Uhr
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Solche intimsten Entscheide und Tätigkeiten sollen immer den Betroffenen überlassen werden. Wenn sie dabei Hilfe benötigen und dies für die beistehenden Personen akzeptabel ist, sollte die Sterbehilfe absolut legal sein. Es gibt genügend ander skandalöse Ereignisse und Zustände (Hungerkrisen, Krieg, Finanzkrise etc. ) wo viele Unschuldige betroffen sind. Das nimmt man ohne Moralisieren hin. Antworten


Vera Keller

10.12.2008, 12:19 Uhr
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Welche Verlogenheit! Soviele Kranke und Alte werden von Politik, Gesellschaft und Angehörigen buchstäblich links liegen gelassen, werden ausgegrenzt und bleiben jämmerlich auf der Strecke. Aber wer aktiv sein Recht auf Sterben einfordert, ist ein "Verbrecher"? Ich habe grösste Mühe mit dieser allgemein verbreiteten, moralinsauren, verlogenen Haltung von vielen Menschen. Antworten


Maria Meier

10.12.2008, 12:10 Uhr
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Es existiert aber auch das Recht zum Sterben. So konnte Craig Evert sich von seiner Frau verabschieden und in Würde sterben. Wäre es besser wenn er sich von einer Brücke gestürzt hätte und sich die Angehörigen den Rest ihres Lebens Vorwürfe gemacht hätten? Antworten



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