TV-Kritik: Toiletten und Torten statt Tränen
Von Franziska Kohler. Aktualisiert am 04.12.2011 30 Kommentare
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«‹Wetten, dass...?›, ich gebs ja zu, das bin ich.» Schon zu Beginn des Abends nahm Thomas Gottschalk es selbst vorweg: Spätestens mit seinem Abgang sind die Glanzzeiten der grossen ZDF-Unterhaltungsshow vorbei. Ein fröhlicher Abend müsse es aber trotzdem werden, Tränen wolle er keine sehen.
Sekunden zuvor hatte das Publikum den Countdown zur Sendung laut mitgezählt, als ob es etwas zu feiern gäbe. Wirklich feierlich war die grosse Abschiedssendung allerdings nicht, sogar die Gäste wirkten gelangweilt. Das einzig Spannende war und ist die nach wie vor ungeklärte Nachfolge des grossen Gottschalk.
Michelle ins Décolleté gebissen
Til Schweiger beispielsweise präsentierte seinen neuen Film «Happy New Year» und tippte nach getaner Arbeit auf seinem Handy herum. Schauspielkollegin Jessica Biel unterhielt sich lieber mit Designer Karl Lagerfeld. Der wiederum schien etwas verwirrt zu sein: An die geplante Werbeaktion mit einem deutschen Modehaus konnte er sich gerade nicht erinnern. Altstar Meat Loaf nutzte seinen Auftritt derweil vor allem für Werbung in eigener Sache, gerade eben ist seine neue CD erschienen.
Viel motivierter war Günther Jauch, der als erster auf dem Sofa Platz genommen hatte. Ob er in die grossen Fussstapfen seines alten Freundes und Weggefährten Gottschalk treten will, liess er sich aber nicht entlocken. Konkreter wurde da Schauspielerin Iris Berben. Sie wollte Gottschalk gleich mit Handschellen am Sofa festketten, um ihn vom Aufhören abzuhalten.
Umsorgt wurden die Gäste wie immer von Co-Moderatorin Michelle Hunziker, die vor Nervosität die Champagnergläser vom Tisch und den Abschiedskuchen vom Teller fegte. Vor allem den Männern in der Runde schien das aber nichts auszumachen: Gottschalk freute sich, ihr endlich einmal ins Décolleté beissen zu dürfen, Günther Jauch lutschte an ihrer Nase, Sänger Lenny Kravitz verspeiste das Bein – gemeint ist natürlich Michelles essbare Marzipan-Ausgabe.
Der an den Toiletten lauscht
Ein Blubbern im Abgang, im Nachzug ein Blumenduft: Bei der Wetteinlage des Mannes, der drei von vier Toiletten am Geräusch des Spülens erkennen kann, wähnte man sich in einer Weindegustation. Der Schweizer, der 120 Kerzen in zwei Minuten mit dem Mund auslöschte, nahm dafür eine taube Zunge in Kauf. Und die Kandidatin, die sich alle 150 Sende-Outfits von Thomas Gottschalk eingeprägt hatte, bekam dafür einen dicken Kuss aufgedrückt.
Bei der Aussenwette hatte die Schweiz ihren grossen Auftritt: Snowboard-Olympiasieger Gian Simmen lieferte sich ein Wettrennen mit Mountainbiker Andreas Brewi auf der Skipiste. Das Mountainbike gewann. Wettkönige wurden die 48 Turner, die sich per Saltos auf einen zwei Quadratmeter grossen Tisch katapultiert und zu einer Menschenpyramide aufgetürmt hatten.
Tiere kommen immer gut
Ansonsten bekam man vor allem einen Abriss über die letzten 23 Jahre «Wetten, dass...?» zu sehen, in denen Thomas Gottschalk der Sendung seinen Stempel aufgedrückt hatte. Bei einem Rückblick auf die skurrilsten Wetten zeigte sich: Tiere kommen immer gut - man erinnerte sich an den Bauern, der seine Kühe am Kauen erkannte, an das Wettschlabbern eines Herrchens mit seinem Hund oder an den Mann, der mit dem Mund lebende Fliegen einfing.
Und dann war der Augenblick gekommen: Mit zittriger Stimme bedankte sich Michelle Hunziker, die die Sendung zwei Jahre lang als Co-Moderatorin begleitet hatte, bei Gottschalk: «Du hast ‹Wetten, dass...?› zu dem gemacht, was es ist.» Beziehungsweise war, müsste man hinzufügen. Denn dass das Sendeformat in dieser Form nicht mehr lange überleben kann, ist auch gestern Abend wieder klar geworden.
«Gute Nacht, es war eine tolle Zeit, auf Wiedersehen»
Wie die Post-Gottschalk-Ära nun aussehen soll, weiss man allerdings immer noch nicht. Günther Jauch hat sich gestern zumindest noch nicht ganz aus dem Nachfolge-Rennen genommen, indem er ankündigte, heute Abend in seinem RTL-Jahresrückblick dazu Stellung zu nehmen. Andere Hoffnungsträger wie Hape Kerkeling oder Anke Engelke haben bereits dankend abgelehnt. Letztere wollte es sich aber nicht nehmen lassen, Gottschalk gebührend zu verabschieden: «Wenn du's nicht machst...dann machts ein anderer!» So einfach ist das.
Tränen gab es dann tatsächlich keine, auch nicht, als sich Sender und Zuschauer mit Feuerwerk und Standing Ovation bei Thomas Gottschalk bedankten. Er sei nur eine Spur im Sand, die vom Wasser überspült werde, so seine philosophischen Abschiedsworte. «Gute Nacht, es war eine tolle Zeit, auf Wiedersehen.» Sagte es, verbeugte sich ein letztes Mal - und ging. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.12.2011, 09:13 Uhr
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30 Kommentare
Immer nur kritisieren, ist auch nicht fein, ich war lange eine Gottschalk - Fan (2 Supernasen mit Mike Krüger), zu Beginn bei W-D auch und zwischen durch nicht mehr, in den letzten 2 Jahren hat sich Gottschalk wieder extrem verbessert und ich schaute wieder W-D! Macht es doch erst einmal nach ... soviele Sendungen zu machen und trotzt ständiger Kritik immer weiter zu machen ... Hut ab vor Thomas ! Antworten
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