TV-Kritik: Perfide Bananen

Von Lukas Meyer-Marsilius. Aktualisiert am 14.03.2013 21 Kommentare

Ein grosser Obstkonzern versucht mit allen Mitteln, einen kritischen Dokumentarfilm zu verhindern. Der Film über den Film, der gestern auf SRF lief, ist ein überzeugendes Plädoyer für Rede- und Pressefreiheit.

1/7 Die Wahrheit immer wieder erzählen: Regisseur Fredrik Gertten.
Bild: Anna Sivertsson/WG Film

   

Trailer: «Big Boys Gone Bananas!*»

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«Der Film zeigt die Wahrheit. Die Wahrheit kann man nicht zum Schweigen bringen», meint eine Plantagenarbeiterin in Nicaragua, nachdem sie den Film «Bananas!* At any Cost» von Fredrik Gertten gesehen hat. Es ist auch das Fazit von «Big Boys Gone Bananas!*», des Films über den Film, der zeigt, wie die darin kritisierte Dole Food Company mit allen Mitteln versucht, die Ausstrahlung des Films zu verhindern.

Der Ruf von Dole und anderen Obstkonzernen ist wegen ihren Tätigkeiten in Mittelamerika schon lange angeschlagen – und noch immer sind diese Konzerne ein Hauptziel der Globalisierungsgegner. Der Film «Bananas!*» greift einen Hauptkritikpunkt, nämlich den Einsatz von Pestiziden und Umweltgiften, auf und erzählt von Plantagenarbeitern, die Dole wegen der erlittenen gesundheitlichen Schäden verklagten.

Doch als Gertten sein Werk am Filmfestival in Los Angeles zeigen will, geht es los. Dole startet eine Riesenmaschinerie aus Anwälten und PR-Agenturen, droht Gertten und dem Filmfestival mit Klagen und versucht, den kritischen Film aus dem Verkehr zu ziehen. Als Gertten und sein Team nicht nachgeben, reicht Dole eine Klage wegen Verleumdung ein.

Gegen die Unterdrückung der freien Rede

«Big Boys Gone Bananas!*» erzählt, was danach passiert: Wie die amerikanischen Medien stets nur aus der Perspektive von Dole über den «naiven» schwedischen Filmemacher berichten, der sich von betrügerischen Einwanderern benutzen liesse, um einen beliebten und erfolgreichen amerikanischen Konzern in den Dreck zu ziehen; wie Fredrik Gertten und sein Team auf allen Ebenen persönlich angegriffen und eingeschüchtert werden; wie bei Google-Suchen nach dem Namen des Regisseurs Werbung für Dole kommt; wie Verschwörungstheorien über den verlorenen Prozess und den Film verbreitet werden – alles Machenschaften von Dole, ihren Anwälten und PR-Beratern, wie im Film dargelegt wird.

Doch was sie damit auch erreicht haben: Gertten sieht den Fall längst nicht mehr nur als Einsatz für ein persönliches Werk, sondern als Einsatz für die Meinungs- und Pressefreiheit. So reicht er in Los Angeles eine Gegenklage gegen Dole ein, Vorwurf: Unterdrückung der freien Rede. Auch in Schweden lobbyiert er kräftig für seinen Film.

Wundersames Ende

Schliesslich wendet sich das Blatt: Durch einen kritischen Blogger angestossen, werden schwedische Supermärkte auf den Fall aufmerksam und boykottieren Dole-Produkte, nachdem der Konzern ihnen keine befriedigenden Antworten geliefert hat. Ein linker und ein konservativer Abgeordneter erreichen, dass der Film im schwedischen Parlament und in der Folge in ganz Europa gezeigt wird. Schliesslich zieht Dole die Klage zurück, ein Gericht heisst die Gegenklage gut, der Film darf in den USA gezeigt werden.

Wundersam endet die Geschichte von Fredrik Gertten, die so hässlich begonnen hatte. SRF zeigte den Dokumentarfilm in einer gekürzten Version, in der alles ein bisschen schnell geht – die Geschichte bleibt eindrücklich. Es wird deutlich, wie wichtig ein guter Ruf für Konzerne heute ist und was sie unternehmen, um ihn zu retten, ganz nach dem Motto: «Lieber ein schlechtes Gewissen als einen schlechten Ruf.» Der Film zeigt, was man dagegen tun kann, wenn man mutig genug ist und sich nur der Wahrheit verpflichtet fühlt, die man, so Gertten, immer wieder erzählen muss. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.03.2013, 10:32 Uhr

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21 Kommentare

Rudolf Graf

14.03.2013, 11:48 Uhr
Melden 96 Empfehlung 8

Ein riesengrosses Bravo allen Beteiligten! Antworten


Erich Kaufmann

14.03.2013, 12:28 Uhr
Melden 78 Empfehlung 8

Dieser Film bestätigt mich im Handeln/Denken, entschädigt mich wegen meiner Haltung, ausgelacht, als Verschwörer und Träumer abgestempelt werde. Es zeigt auch dem Mainstream das eine Mehrheit oder Macht nicht Recht haben muss oder dieses für sich in Anspruch nehmen kann. Hinzu, dass David, Goliath schlagen kann. Die Frau am Schluss, ist genial, "Die Wahrheit kann man nicht zum schweigen bringen". Antworten



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