TV-Kritik: «Es ist ein Fehler, dass wir mit den Deutschen hochdeutsch reden»
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 27.01.2010 238 Kommentare
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Medienunternehmer Roger Schawinski forderte im Club», dass man mit den Deutschen in der Schweiz nicht hochdeutsch spricht. Sind Sie auch dieser Meinung?
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Kaum haben wir die Minarett-Initiative hinter uns, kehrt die Schweiz zu ihrem eigentlichen Lieblingsthema zurück: den Deutschen. Ausgehend von den SVP-Inseraten über den «deutschen Filz» an den hiesigen Universitäten, nahm sich am Dienstag auch der «Club» der «Deutschen in der Schweiz» an. Und es zeigte sich: Die Hemmschwelle, seinen Unmut über die Deutschen laut zu äussern, ist gesunken.
Selbst Medienunternehmer Roger Schawinski, der sich immer wieder gegen Fremdenfeindlichkeit äussert, sieht Handlungsbedarf: Man solle mit den Deutschen in der Schweiz nicht hochdeutsch sprechen. «Bei den Jugoslawen sagen wir auch, die Integration geschieht vor allem über die Sprache.» Und der ehemalige Preisüberwacher Rudolf Strahm bezeichnet den Umstand, dass die gutqualifizierten deutschen Einwanderer zum Teil schwächere Schweizer oder auch Ausländer vom Arbeitsmarkt verdrängen, als Problem. Worte, die man von einem Sozialdemokraten so kaum je gehört hat. Sein Rezept: Die bereits hier Lebenden besser ausbilden und fördern.
«Kriechhaltung gegenüber Deutschen»
Urs Würgler, Rektor der Universität Bern, und die einzige Deutsche in der Runde, die Buchautorin Sandra Willmeroth, sollten die Gegenposition einnehmen, kommen aber kaum zu Wort. Bei seinen wenigen Wortmeldungen ist Würgler vor allem damit beschäftigt, sich selbst zu verteidigen. Die Wahl einer 33-jährigen Deutschen zur Professorin für politische Kommunikation in Bern (Nachfolge von Roger Blum) stösst in der Runde auf heftige Kritik.
Nicht nur, dass die neue Professorin Deutsche sei und das Schweizer System nicht kenne, wird moniert, sondern auch, dass sie keine Praxiserfahrung aufweise, zu jung sei – und die Kommunikations- beziehungsweise Medienwissenschaft überhaupt ein überflüssiges Fach sei. Da sich die Kritik immer weiter vom eigentlichen Thema entfernt, sieht sich SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli bemüssigt, einen neuen Anker zu setzen: Dass die Universität Bern Bundeskanzlerin Angela Merkel die Ehrendoktorwürde verliehen habe, sei Ausdruck der «Kriechhaltung» den Deutschen gegenüber.
«Es die Deutschen spüren lassen»
Die Diskussion verläuft – ganz unschweizerisch – rasant und ist über weite Teile äusserst kurzweilig. Mörgeli hatte sich kürzlich an der Universität Zürich selbst für eine Professur beworben, er kam nicht in die engere Auswahl. «Es geht nicht um mich, aber wenn man hier immer Steuern bezahlt und Militärdienst geleistet hat, dann staunt man schon ein bisschen, wenn der Chef plötzlich Schulze heisst», sagt er. Deutsche Chefs hätten ohnehin eine ganz andere Mentalität: «Da wird autoritärer geführt, die Mitarbeiter in Deutschland sind obrigkleitsgläubiger». Dies bestätigt auch Schawinski. Mit gewohnter Selbstüberzeugung meint er, sein teamorientierter Schweizer Führungsstil bei Sat 1 hätte dafür gesorgt, dass der deutsche TV-Sender unter ihm «die drei besten Jahre seiner Geschichte erlebt hat».
Ab und zu kriegt man auch Argumente zu hören, über die nachzudenken sich durchaus lohnt. «Schweizer sein heisst, nicht Deutsch zu sein», sagt «Weltwoche»-Journalist Markus Somm. Die Schweizer definierten sich seit 500 Jahren durch Abgrenzung, vor allem gegenüber dem Norden. Damit hat Somm nicht unrecht. Ob wir das allerdings «die Deutschen spüren lassen» müssen, wie Somm meint, darf angezweifelt werden. Zum Deutschen-Mobbing ist es von da nicht mehr weit. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.01.2010, 13:29 Uhr
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238 Kommentare
Kam 1964 von Deutschland in die Schweiz. Damals mit grenzsanitarischer Untersuchung. Meine Frau und Sohn durften erst nach 3 Monaten einreisen. In der Firma wurde ich freundlich aufgenommen . In der Bevölkerung erfuhr ich, verständlicherweise nach Hitler, eine Ablehnung. Selbst Deutscher,habe ich Mühe mit meinen Landsleuten, neben Allen Gästen, die dem Gastgeber zeigen wo der Bartli den Most holt. Antworten
Wieso sollte man den Deutschen zumuten unseren Dialekt zu sprechen wenn wir uns untereinander ja gar nicht verstehen. Als ein in Zürich wohnhafter Basler bekomme ich auch immer wieder böse Blicke wenn ich aus Versehen einen "Klöpfer mit Schlumbi" bestellen möchte. Antworten
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