TV-Kritik: Eine Bergbauernfamilie am Abgrund

Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 12.03.2010 17 Kommentare

Der Dok «Schatten über dem Acherli» begleitet die Bergbauernfamilie Epp durchs Jahr und zeigt, wie nicht nur Natur-, sondern auch menschliche Katastrophen den Bergbauern das Leben schwer machen.

Familie Epp:
Marcel Epp (hinten l.), Marianne Epp (hinten M.), Tamara Epp (hinten r.), Josef Epp (vorne l.), Julia Epp (vorne 2.v.l.), Silvia Epp ( vorne 3.v.l.), Maria Epp (vorne 2.v.r.), Grossmutter Katharina Epp (vorne r.)

Familie Epp: Marcel Epp (hinten l.), Marianne Epp (hinten M.), Tamara Epp (hinten r.), Josef Epp (vorne l.), Julia Epp (vorne 2.v.l.), Silvia Epp ( vorne 3.v.l.), Maria Epp (vorne 2.v.r.), Grossmutter Katharina Epp (vorne r.)

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Dokumentation

Der zweite Teil der Dok Schatten über dem Acherli wird am Donnerstag 18.3. um 20.05 auf SF 1 ausgestrahlt.

Familie Epp ist eine ganz normale Bergbauernfamilie, die in der hintersten Ecke des Urner Maderanertals lebt. Nun, nicht ganz normal. Erstens sind Sepp und Maria nicht verheiratet. Nachdem Sepp Epps erste Frau den Hof verlassen hatte, kam Maria erst als Haushälterin und blieb schliesslich. Und da beide Kinder mit in die Partnerschaft brachten und auch noch eine gemeinsame Tochter geboren wurde, haben sie nun eine richtige Patchworkfamilie. Entsprechend bedrohen neben den allgegenwärtigen Naturgefahren, Steinschlag, Schnee- und Schlammlawinen, auch die Probleme der heutigen Gesellschaft den Familienfrieden.

Für den Dokfilm «Schatten über dem Acherli» hat Dokumentarfilmer Hanspeter Bäni die Epps durchs Jahr begleitet. Er zeichnet ein nüchternes und undramatisches Porträt einer Familie, die sich unter härtesten Bedingungen durchkämpft und trotzdem nicht mit ihrem Schicksal hadert. Das Leben unserer Bergbauern, so wird eindrücklich klar gemacht, ist hart. Aber sie sind ein Menschenschlag, der sich nicht so schnell beklagt.

Lawinen auf dem Schulweg

In der vierten Generation bewirtschaftet Sepp Epp den Hof, der in einem schattigen Weiler liegt. Letztes Jahr hat eine Lawine beinahe das Nachbarhaus zerstört und schnitt den Weiler von der Umwelt ab. «Da hesch kei Schangse», erklärt Sepp. Er hat grosse Hände und spricht einen bezaubernden Innerschweizer Dialekt. Vor Jahren traf eine Lawine gar das Haus selbst und drang bis ins Schlafzimmer ein. Aber auch andere Fährnisse bedrohen die Familie. Im Sommer kommen immer wieder Schlammlawinen, auch Felsstürze bedrohen das Haus. Der Schulweg der Kinder führt mitten durch das Lawinengebiet. Er ist lang, eine halbe Stunde dauert es. Haben sie Angst? Ja, wenn es viel Schnee hat. Aber man muss halt aufpassen. Die Epps akzeptieren die Gefahren als Teil ihrer Existenz.

Vielleicht aber haben sie auch gar keine Zeit, sich allzu intensiv zu sorgen. Zunächst ist aufräumen angesagt, damit im Sommer gemäht werden kann. Der Schaden geht ins Geld, die Versicherung zahlt nur einen kleinen Teil. Epps haben nur ein Nettoeinkommen von 20'000 Franken pro Jahr.

Trotz der widrigen Bedingungen hier im letzten Winkel des Tals, findet es Sepp schade, wenn die Leute abwandern. Eine Landschaft, die nicht bewirtschaftet wird, hat wenig Reiz, meint Sepp, auch für den Tourismus. «Eine gepflegte Landschaft ist halt schon etwas wert.» Und warum nimmt er all diese Gefahren in Kauf? «Von jung auf lernt man hier mit den Gefahren umgehen. Ich weiss nicht, ob ich in der Stadt mit dem Verkehr und so glücklich wäre.»

Alpaufzug im Auto

Dennoch ist es ein hartes Leben. Sepp hat gesundheitliche Probleme, er hat ein neues Kniegelenk und Schmerzen, welche vor allem bei der Arbeit in steilen Hanglagen zwicken. Er versucht nur zu hinken, wenn es wirklich schmerzt. Das tut es ziemlich oft. Zum Beispiel beim Alpaufzug. Da schmerzt es so sehr, dass Sepp seinen Platz vorne bei den Kühen aufgeben und im Auto hinterherfahren muss. Er ist sichtlich enttäuscht. Dafür übernimmt Sohn Marcel nun die Spitze des Zugs.

Doch auch bei Marcel herrscht nicht eitel Sonnenschein. Er hat Probleme in der Schule, seit er in einem Aufsatz Gewaltphantasien beschrieb. Die Behörden beraten, was zu tun ist. Der Generalvikar Kopp setzt sich für Marcel ein. Dennoch soll Marcel bevormundet werden, auch wegen den komplizierten Familienverhältnissen. Schliesslich verzichtet man darauf, wenn er sich dafür psychologisch abklären lässt.

Man schliesst die Familie Epp und ihren rauen Charme ins Herz und bedauert jetzt schon die Schicksalsschläge, welche sie im zweiten Teil der Doku nächste Woche ereilen werden. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.03.2010, 14:05 Uhr

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17 Kommentare

Karl Sonnbichler

12.03.2010, 10:29 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Guter Dokometarfilm,entspricht total der wirklichkeit,kenne viele Bergbauern die so leben wie in diesem Film.Was bescheidenheit,lebenskraft,harte arbeit für wenig Lohn,arbeitswille und freude an der Natur,könnte sich manch Städtler und Unterländer eine Scheibe abschneiden.Dank unseren Bergbauern haben wir noch gut erhaltene Alpen. Antworten


Kurt Hauser

12.03.2010, 12:28 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Fürs Ausland hat man Milliarden und diese Menschen die sich für die Umwelt einsetzen, müssen mit jedem Rappen rechnen! Der Film hat mich sehr angesprochen und Heimatgefühle geweckt! Antworten



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