TV-Kritik: Ein Auftakt nach Mass
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 18.01.2012 14 Kommentare
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Der «Club» hat bekanntlich zwei neue Moderatorinnen. Nachdem Karin Frei schon seit November moderiert, gab gestern Mona Vetsch ihr Debüt. Und wie das bei neuen Moderatoren so ist, wurde auch bei Vetsch im Vorfeld geraunt: Kann die das? Ist die nicht zu quirlig? Lässt die die Leute überhaupt ausreden? Wobei bei der DRS-3-Moderatorin erschwerend dazu kommt, dass sie erst 36 ist und mal rot gefärbte Haare hatte.
Eine spannende Ausgangslage also. Das liess sich vom Thema «Aufwachsen mit psychisch kranken Eltern» nicht unbedingt sagen. Zumindest war kein aktueller Aufhänger zu erkennen. Doch das Thema ist interessanter, als es die Affiche vermuten lässt. Es geht um Menschen, die gesellschaftlich im Abseits stehen, um Menschen auch, die alleine gelassen werden. Über psychische Krankheiten schweigt man als Betroffener – aber auch als Aussenstehender – nach wie vor oft. Ein Tabuthema.
Lustvolle Tonalität
Das ist journalistisch lobenswert, trotzdem sei hier vermutet: Das Thema wurde auch gewählt, weil es eine optimale Vorbereitung ermöglicht. Beim Debüt erträgt es keine allzu brenzlige Materie oder Gäste, die kreuz und quer durcheinander reden. Anders gesagt: Zum Glück für Vetsch trat Philipp Hildebrand nicht letzte Woche zurück.
Der Gesprächsverlauf war denn auch mehr oder weniger programmiert. Hier die Opfer, die über ihre Erfahrungen berichteten, dort die Experten, die das Gesagte wissenschaftlich einordneten. Und natürlich durfte auch eine gschpürige Sozialarbeiterin nicht fehlen, die den Opfern mit eindringlicher Stimme das Recht auf Wut zusprach. Als Zuschauer sehnte man sich so bald mal Vetschs Ankündigung im Vorfeld herbei: «Ich wünsche mir, dass auch sogenannte ernste Themen in einer lustvollen Tonalität stattfinden können.»
Schlimme Anekdoten
Tatsächlich löste Vetsch dieses Versprechen ein, was angesichts der tragischen Einzelschicksale der anwesenden Gäste keine Selbstverständlichkeit war. Da gab es einen Familienvater, dessen Frau an Wahnvorstellungen litt und in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen wurde. Auch von alleinerziehenden Elternteilen war die Rede, die «ausfallen» und für deren Kinder man einen «Platz» finden muss, wie es der anwesende Psychiater formulierte. Sprich: Sie kommen als gesunde Kinder in die Kinderklinik. Trotzdem machte Vetsch hier keine betretene Miene oder setzte ein ernstes Psychiatergesicht auf (wie es ihre Vorgängerin Christine Maier wohl getan hätte). Im Gegenteil: Oft schaffte sie es, den schlimmen Anekdoten komische Seiten abzugewinnen und so ein Lächeln auf die Gesichter der anwesenden Gäste zu zaubern – was dem traurigen Thema nur gut tun konnte. Angenehm war auch, wie Vetsch ihre Gäste aussprechen und, wenn nötig, schweigen liess.
Kurz, es war ein Auftakt nach Mass, ja nach Lehrbuch, sie fiel nicht zu sehr auf, wirkte aber auch nicht passiv. Natürlich kam das Thema ihrer herzlichen und offenen Art entgegen. Man darf deshalb gespannt sein, wie Mona Vetsch mit einer Pöbelrunde umgeht, wo etwa ein Mörgeli auf einen Wermuth trifft. Wenn es darum geht, Talk-Bullys zu zügeln, gleichzeitig keine Emotionen zu zeigen oder Augenbrauen hochzuziehen. Oder überlässt sie das Karin Frei? Wir werden es sehen, haben nach diesem Debüt aber das Gefühl, dass der «Club» bei Mona Vetsch in sehr guten Händen ist. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.01.2012, 10:04 Uhr
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14 Kommentare
Ein Club welcher keine thematischen Hänger hatte, also sehr kurzweilig war. Frau Vetsch hat den Sprung von der übereifrigen Reisereporterin zur Diskussionsleiterin sehr gut gemeistert. Angenehme Gesprächskultur, die Gedanken wurden zu Ende gebracht. Das schwierige Thema wurde von sorgfältig ausgewählten Gästen dem interessierten Zuschauer näher gebracht. Bin sehr positiv überrascht. Antworten
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