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TV-Kritik: Die Trouvaille unter den WM-Sendungen

Von Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 07.07.2010 15 Kommentare

Wer genug von den Sprüchen über die Frisur von Gilbert Gress hat, sollte auf «Club Africa» zappen. Türkyilmaz und seine fachkundigen Mitstreiter werden auch heute bei der Analyse von Deutschland gegen Spanien treffen.

Analytiker mit klaren Meinungen: Kubilay Türkylmaz.

Analytiker mit klaren Meinungen: Kubilay Türkylmaz.

Zu einem richtigen WM-Fussball-Abend gehört auch eine Expertenrunde, die die Spiele vertieft, klare Meinungen liefert und bestenfalls auch Erkenntnisse vermittelt. Jeder Fernsehsender, der etwas auf sich hält, hat inzwischen seine Expertenrunde. Eine Trouvaille der laufenden WM in Südafrika ist die Sendung «Club Africa», die auf dem zweiten Kanal des Tessiner Fernsehens (RSI2) ausgestrahlt wird. Das Besondere daran: Es verzichtet auf billige Anbiederungen an die krawallistischen Fussball-Talksendungen im südlichen Nachbarland Italien, und es grenzt sich von der Expertenrunde des Deutschschweizer Fernsehens ab, in der die Kultfigur Gilbert Gress seine Frisur feiern lässt. «Club Africa» zelebriert unaufgeregte Diskussionen mit sachkundigen Gesprächspartnern. Hier steht ganz klar der Fussball im Zentrum.

Stammgäste des «Clubs Africa», der von Enrico Carpani moderiert wird, sind der Tessiner Ex-Fussballer Kubilay Türkyilmaz und der Journalist Walter De Gregorio. Die anderen Diskussionsteilnehmer werden je nach aktuellem Match ausgewählt. Nach dem Halbfinalspiel zwischen Holland und Uruguay nahm Willy Gorter an der Debatte teil. Der Holländer spielte in den achtziger Jahren für den FC Lugano. Thema des gestrigen «Clubs Africa» war natürlich die holländische Mannschaft, die zwar den Final erreichte, aber nicht gefällt. Eine interessante Frage, die leider nicht zu Ende diskutiert wurde, thematisierte de Gregorio. Er stellte fest, dass in der heutigen holländischen Mannschaft Spieler aus Surinam keine Bedeutung mehr haben. Während andere Teams - sogar die Deutschen - multikultureller werden.

Fragen selber beantwortet

Der Sendung lebt aber vor allem von den Kommentaren von Türkyilmaz. Der einstige Bomber der Schweizer Nationalmannschaft und heutige «Blick»-Kolumnist bezeichnete die Holländer als Mannschaft von Wasserträgern, die nur über ein paar Spieler verfüge, die für Spektakel sorgen können. Damit meinte er Robben, van Persie und Sneijder. Ins interessante Fachsimpeln geriet Türkyilmaz, als über die Rolle von Sneijder und taktische Anordnungen referierte. Dem vierten Gesprächspartner, Pier Tami, Mitglied des Trainerstabs der Schweizer Nati, stellte Türkyilmaz technisch-taktische Fragen, um sie gleich selber korrekt zu beantworten. Als einer der wenigen Ex-Fussballer, die als Experten tätig sind, ist Türkyilmaz in der Lage, jede Diskussion auf den Punkt zu bringen. Und er scheut sich nicht, Klartext zu sprechen. In den letzten Wochen machte er klar, dass er den Beton-Fussball der Nati in Südafrika nicht mochte.

«Club Africa» kam natürlich auch auf das zweite Halbfinalspiel zwischen Spanien und Deutschland zu sprechen. Türkyilmaz meinte, dass der Machtkampf um das Captain-Amt zwischen Philipp Lahm und Michael Ballack die deutsche Mannschaft stärken werde. Dennoch favorisiert er die Spanier – wegen ihrer Klasse punkto Ballbesitz und Spielgestaltung. In einer humoristischen Kehrtwendung sagte er, dass er doch auf einen Sieg der Deutschen hoffe, «weil ich der europäische Botschafter der Tintenfische bin». De Gregorio konnte sich vor Lachen kaum noch halten. Mit seinem Spruch spielte Türkyilmaz auf die Prognose des Tintenfisches Paul an, der einen Erfolg Spaniens voraussagt. Wenn Paul recht bekommt, wird er wohl in einem Kochtopf landen.

Unaufgeregt, seriös und sachkundig

Mit dem Ende der WM am Sonntag wird der «Club Africa» aus dem Programm verschwinden. Moderator Carpani und Türkyilmaz bleiben aber den Fussballs-Fans erhalten, die Tessiner Fernsehen schauen. Wie schon in den letzten Saison werden sie die Champions-League-Abende begleiten – unaufgeregt, seriös und sachkundig.

Die WM-Sendung «Club Africa» läuft jeweils ab 22.30 Uhr auf RSI2. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.07.2010, 14:19 Uhr

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15 Kommentare

Helena Rupp Grau

07.07.2010, 14:32 Uhr
Melden

Super! Gibts deutsche Untertitel? ;-) Antworten


Peter Stähli

07.07.2010, 14:42 Uhr
Melden

Schade, dass wir so etwas nicht auf dem Deutschschweizer Sender haben. Aber hier wimmelt es ja nur so von Selbstdarstellern und Dummschwätzern (vorallem die Moderatoren). Einmal mehr machen uns Tessiner und auch Westschweizer TV vor, wie man es machen sollte. Antworten




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