Kultur
TV-Kritik: Aufforderung zum Fremdrasen
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 01.09.2010 14 Kommentare
Die Sendung
Kassensturz, jeden Dienstag, 21.05 Uhr, SF1. Die Rubrik «Konsumenzler» wird jeweils um ca. 21.45 Uhr ausgestrahlt.
Die erste Folge von «Konsumenzler» zum Nachsehen: hier klicken.
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Enzler auf der Bühne, das ist eine Saftwurzel von einem Appenzeller, ein gutmütiger Stänkerer, einer, von dem man sich gut vorstellen kann, dass er mit der Faust auch mal kräftig auf den Tisch haut und schnaubt: «Das mäld ich am Kassästurz!»
Dieser Enzler ist nun selbst Teil des «Kassensturz», als «Konsumenzler» erhält er am Ende jeder Sendung eine Plattform. Anders als seine Vorgänger Andrej Togni (Dipl. Ing. Paul Ochsner) und Anet Corti (Lisa Sterchi) verkleidet sich Enzler nicht, schreibt die Texte von A bis Z selbst und bleibt die ganze Zeit über hinter seinem Tisch in der Appenzellerstube sitzen. Dabei erklärt er, was ihn als Konsument gerade beschäftigt und kommt, wenn die Enzler'sche Logik ihre brühmten Kapriolen geschlagen hat, zu einer seiner verschrobenen Erkenntnissen.
Nach den ersten zwei Sendungen steht schon fest: Enzler ist ein Gewinn für den «Kassensturz». Im Vergleich zum brachialen Humor seiner Vorgänger ist Enzler subtil, pflegt intelligenten Sprachwitz – ein schöner Gegensatz in einer Sendung, die sich sonst einfachster Gleichungen (Firma = böse, Konsument = gut) und der Emotionalität scheinbar gehörnter Zuschauer bedient.
Katzenfleisch im Hundefutter
In der ersten Sendung vor einer Woche war Tierfutter Enzlers Thema. «In jedem Katzenfutter ist heute Rindfleisch drin», stellte Enzler fest. Dabei würden Katzen lieber Mäuse essen. «Wieso gibt es eigentlich kein Katzenfutter mit Mausefleisch? Und wieso gibt es eigentlich kein Hundefutter mit Katzenfleisch?», so die Frage Enzlers. Ja weshalb nur?
Gestern erklärte Enzler die Vorteile des tiefen Euro. Nicht nur Einkaufen sei nun auf der anderen Seite der Landesgrenze billiger geworden, sondern auch rasen. «Für umgerechnet 50 Franken kann man derzeit in Österreich so schnell fahren, da würde man in der Schweiz gleich den Check verlieren», so Enzlers Erkenntnis.
Nur rund eine Minute dauert jeweils die Rubrik. Kaum hat sie begonnen, ist sie schon wieder zu Ende. Das ist auch gut so. «Konsumenzler» ist wie ein Gläschen Appenzeller Alpenbitter nach einem schweren Essen: kurz, intensiv und hilft, das zuvor zu sich Genommene zu verdauen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.09.2010, 13:05 Uhr
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14 Kommentare
@ Patrick Keller: Ihre Kritik zielt daneben. Gewiss gibt es Firmen, deren Geschäftsgebahren mehr als nur "kritikwürdig" ist - aber vielfach muss ich mich halt auch fragen, wo denn die Eigenverantwortung und der gesunde Menschenverstand einiger Konsumenten bleiben, deren Naivität und Gutgläubigkeit auf keine Kuhhaut passt. Antworten
@urs berger: unabhängig ob ihre Verkehrstoten-Zahlen nun stimmen oder nicht - wer sagt, dass immer überhöhtes Tempo schuld ist? In diesem Sinne gebe ich Marcus Ratz Recht. Die Schweizer haben offenbar ein sehr verkrampftes Verhältnis zu Geschwindigkeit. Anders lässt sich nicht erklären, dass in absurdem, fanatischem Tempoverteufelungswahn DAS Allheilmittel gesehen wird. Engstirniger geht's nicht. Antworten
@Werner Müller: das ist doch auch in den Nachrichten und in so ziemlich jeder Sendung so. Wird über ein Thema berichtet, bei dem sich auskennt, stellen sich einem fast die Zehnägel auf. Was das für die "korrekte" Abhandlung der Themen bedeutet, bei denen man sich nicht so auskennt, darf sich jeder selber ausrechnen. Antworten
@Werner Müller: Überzeugt mich gar nicht. Eine Firma, die sich nichts vorzuwerfen hat, braucht auch die "Kassensturz-Drohung" nicht zu fürchten. Wenn aber gemauschelt, unseriös oder gar unlauter gearbeitet wird, da soll ruhig der Finger bzw. die Kamera drauf gehalten werden, da ist Mitleid fehl am Platz. In der allermeisten Fällen prangert der KS ja auch äusserst windige bis illegale Praktiken an. Antworten
Marcus Ratz, zum Thema Pseudosicherheit: Ein 1 Tonnen schweres Auto mit 120 km/h hat eine kinetische Energie von 555 kJ, mit 150 km/h sind es bereits 868 kJ, also fast 60% mehr! Der Bremsweg steigt also von beispielsweise 100 Meter auf 160 Meter an, die Gewalt bei einem Unfall steigt ebenfalls um 60%! Bereits bei 170 übrigens verdoppelt (!!) sich Bremsweg und Energie gegenüber 120! Antworten
@ Patrick Keller: Dieser Vorwurf ist absolut gerechtfertigt. Jeder, der schon mal eine Kassensturz Sendung über ein Thema gesehen hat, von dem er inhaltlich selbst eine Ahnung hat, wo er die betroffene Firma etc. kennt, kann davon ein Lied singen. Nicht per Zufall werden heute Firmen regelmässig von unzufriedenen Kunden mit der "Kassensturz-Drohung" geradezu erpresst. Antworten
Rico Bandle schrieb: "die sich sonst einfachster Gleichungen (Firma = böse, Konsument = gut) und der Emotionalität scheinbar gehörnter Zuschauer bedient." Unnötiger, unfundierter Seitenhieb auf eine Sendung, die, wie viele andere im SF, kritisierbar ist, der aber solcherlei Schwarzweissdenken bestimmt nicht vorgeworfen werden kann. Da müssten Sie überzeugendere Argumente liefern, Herr Bandle. Antworten
Was schnell Fahren in Österreich EUR 50.- kostet (30 km/h zu schnell auf der Autobahn) wird bei uns von den Autohassern unter dem Deckmantel Pseudosicherheit demnächst nebst Ausweis abgeben auch gleich noch mit ein paar Jahre Gefängnis bestraft. Der Enzler spricht wenigstens an was viele schon lange denken. Antworten




Hans Ineichen
Für alle hier die es in ihrem Autowahn noch immer nicht verstanden haben: Tempobeschränkung auf Autobahnen wegen der Umweltbelastung, überall anderswo wegen der Sicherheit für die anderen Strassenteilnehmer. Denn wenn ich solchen Bubikram von Marcus Ratz und Peter Bürger wie 'Autohasser' und 'verkrampftes Verhältnis zu Geschwindigkeit' lesen muss, wünsche ich mir alle 50m einen Radarkasten. Antworten