«MusicStar»: Jetzt wird die Jury benotet
Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 02.02.2009 40 Kommentare
Die Jury: Roman Kilchsperger, Fabienne Heyne, Gölä.
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Online lästern über MusicStar
Bei Sendungen wie MusicStar bietet es sich an, im Kollektiv zuzuschauen und über das TV-Geschehen zu diskutieren. Das geht nicht nur im Freundeskreis im Wohnzimmer, sondern auch virtuell: Der Klatschblog klatschheftli.ch richtete eigens für die erste Musicstar-Sendung einen Gruppenchat auf Skype ein, an dem gegen 30 Personen teilnahmen.
Über Kurznachrichten gaben die TV-Zuschauer ihren Senf zur laufenden Sendung und holten sich so das Gruppengefühl vie Internet. Daraus entstand ein Protokoll der Sendung mit bissigen Kommentaren und mehr oder weniger intelligenten Bemerkungen. rue
So blass die «MusicStar»-Kandidaten gestern wirkten, so sehr hoffte man auf kernige Worte der Jury. Immerhin hat sie die Aufgabe, die Spreu vom Weizen zu trennen – oder vielmehr soll sie dem letztlich per Voting entscheidenden Publikum die Meinung der Experten zeigen. Das ist eine Vorlage: In Deutschland hat Dieter Bohlen bewiesen, dass man als besonders fieser Juror eine Medienkarriere à gogo aufbauen kann.
Die Frage lautet also: Wie schlug sich die Jury? Wer wird sich für weitere Jöbchen beim Schweizer Fernsehen profilieren? Wer sorgt für Peinlichkeiten und wer nur für ein müdes Gähnen? Bernerzeitung.ch/Newsnet hat die Jury bewertet.
Roman Kilchsperger
Der Zürcher Moderator ist laut «SonntagsZeitung» der «stilloseste Promi der Schweiz» – was ihn nicht daran hinderte, in der gestrigen Sendung den Chef zu markieren und einen kleinen Hahnenkampf mit Gölä zu provozieren, dem anderen schlecht angezogenen Macker in der Jury.
Was für ihn spricht: Sein ungebrochenes Selbstbewusstsein hindert ihn daran nachzudenken, bevor er spricht. Kilchsperger versucht weder, mit nicht vorhandener Kompetenz zu prahlen, noch will er dem Ganzen einen seriösen Anstrich geben – insofern erledigt er die Aufgabe eines Jurors, nämlich die Kandidaten mit der brutalen Idiotie des Mediengeschäfts zu konfrontieren, perfekt. Im besten Fall führt das für den Zuschauer zu amüsanten Einsichten in das Weltbild eines Prolls. So fragt er Kandidatin Michelle mit den Rastalocken: «Bist du eigentlich ein echter Hippie? Heisst das, du rasierst dich nicht?»
Was gegen ihn spricht: In den meisten Fällen sind die Kommentare so geistfrei, dass es nur noch peinlich ist. Zum Beispiel macht er sich erst über den Namen der dunkelhäutigen Noella Kabengele lustig. Dann sagt er: «Wenn man dir einen Stevie-Wonder-Groove unter den Arsch haut, gehst du ab wie eine Rakete», worauf sie peinlich berührt grinst. Und schliesslich schiebt er entschuldigend nach: «So sagt man doch in Ghana, oder?» Einfach nur peinlich. Note: 4 von 10.
Fabienne Heyne
Nach dem Mia Ägerter- , Arabella Kiesbauer- und Naomi Nadelmann-Desastern in den letzten Staffeln kann Jurorin Fabienne Heyne nicht mehr allzu viel falsch machen. Allerdings gilt für weibliche Jurorinnen solcher Sendungen auch, dass sie schon extrem viel richtig machen müssen, um mehr zu sein, als blosses Dekor. Vor allem, wenn wie im Fall von Fabienne Heyne, schon im Vorfeld mehr über ihre schrumpfenden Körpermasse geschrieben wurde, als über ihren bisherigen Werdegang. In der ersten Sendung steuerte die 25-Jährige – in Leder-Leggins und mit Topfhut auf dem Kopf - dem nur bedingt entgegen.
Was für sie spricht: Heyne ist intelligent und selbstsicher und hat sich ihre Sporen in ganz unterschiedlichen Disziplinen abverdient. In der ersten Sendung widerstand sie der Versuchung, immer ganz lieb und positiv zu sein, wozu Jurorinnen allzu oft neigen. Ausserdem macht sie keinen Hehl daraus, dass ihr Herz für die männlichen Kandidaten schlägt, was dem Sex-Appeal der Sendung nur gut tun kann.
Was gegen sie spricht: In der ersten Sendung wirkte Heyne verkrampft, distanziert und leicht gleichgültig gegenüber dem Schicksal ihrer Kandidaten. Obschon man ihr zutraut, dass fehlender Respekt ihre grösste Stärke sein könnte, gab sie in der ersten Sendung etwas zu sehr die Prinzessin und schien zu bequem, um richtig frech zu sein. Schade. Note: 5 von 10.
Gölä
Der Berner Büezer ist das Street-Cred-Feigenblatt der Sendung – und vielleicht gar keine schlechte Wahl, wenn man sich vor Augen führt, dass auf seinem Stuhl genau so gut Richie von Plüsch hätte thronen und uns mit Feel-Good hätte terrorisieren können. Ganz klar hat der urchige Berner mit der voluminösen Bouletten-Figur einen Proleten-Charme, der im Gegensatz zu Kilchspergers Proll-Attacken ehrlich und direkt wirkt.
Was für ihn spricht: Gölä sieht zwar aus, wie ein aufgepumpter Versicherungsvertreter, aber er ist schlagfertig, witzig und bleibt unaufgeregt.
Was gegen ihn spricht: Gölä will nach eigenem Bekunden keine «grosse Schnurre» schwingen, sondern den Leuten bloss ehrliche Feedbacks mit auf den Weg geben, was üblicherweise eine ziemlich langweilige Angelegenheit ist. Schliesslich wünschen wir uns nicht liebevolle Lehrer und Führer als Juroren, sondern gnadenlose Metzler. Dennoch dürfte Göläs Sprachwitz das ganze immer wieder amüsant machen. Note: 6 von 10. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.02.2009, 12:49 Uhr
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40 Kommentare
All diese bösen Kommentare... schön, dass Ihr alles immer soviel besser könnt! Komisch nur, jeder sagt "Ich guck das nicht". Dabei würde die Sendung gar nicht mehr zustande kommen, wenn wirklich keiner einschalten würde! So schlecht fand ich die Sendung nicht. Ich wünsche den Kandidaten viel Glück, gute Erfahrungen! Antworten
Wenigstens wird jetzt nicht mehr so getan, als ob sich durch diese Sendung grossartige Musiker finden lassen. Wie so schön geschrieben wurde: "Natürlich wissen alle, dass diese Sendung nur so tut, als gehe es um Musik". Unterhaltung: Ja. Echte Musiker: Nein. Niemals. Musik liegt im Blut und Erfolg wird erabeitet, Castings bringen einen kurzweiligen Bekanntschaftsgrad. Mehr nicht, zum Glück. Antworten
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