«Ich würde mich schämen mit zwei Papis»
Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 27.01.2011 186 Kommentare
Tim Kurt Wiesendanger ist Psychotherapeut und Buchautor aus Zürich mit Spezialgebiet Homosexualität.
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«Als Kind, in der Schule oder sonst wo... ich würde mich schämen mit zwei Papis, wenn doch alle anderen ein Mami und ein Papi haben», schreibt in Leser auf Bernerzeitung.ch/Newsnet. «Ich bin auch komplett dagegen, dass Schwule Kinder adoptieren können, die Leidtragenden einer solchen Familie können nur die Kinder sein», meint ein anderer, ein bekennender Schwuler. Wenn die Väter sich selbstbewusst bekennen würden, heisse das noch lange nicht, dass die Gesellschaft dies auch akzeptieren müssen. Ein Dok-Film über schwule Väter, der am Montag auf SF ausgestrahlt worden ist, hat über hundert Kommentare im Forum von Bernerzeitung.ch/Newsnet ausgelöst.
Die «armen Kinder» als Argument
Die Kinder werden als Hauptgrund dafür angegeben, weshalb sich viele dagegen sträuben, dass schwule Väter oder lesbische Mütter Kinder grossziehen. Sind Kinder von gleichgeschlechtlichen Paaren tatsächlich gefährdet? «Nein», findet Tim Kurt Wiesendanger, Psychotherapeut mit Spezialgebiet Homosexualität. «Das Wohlbefinden eines Kindes hängt nicht davon ab, ob es eine vollständige Familie im Sinne der klassischen Kleinfamilie hat, also mit Mutter und Vater.» Wichtig für ein Kind sei, dass es mindestens eine liebende und verlässliche Bezugsperson hat. Ob diese heterosexuell sei oder homosexuell, spiele absolut keine Rolle.
Bleibt immer noch die Hänselei. Oder wie ein Leser schreibt: «Die Kinder werden nur so lange gehänselt, wie den anderen vermittelt wird, dass homosexuelle Eltern ‹abartig› sind.» Tatsächlich sind wir in der Schweiz noch nicht so weit, dass Schwule und Lesben vorbehaltlos akzeptiert werden und deren Kinder nicht zum Spott ihrer Mitschüler werden könnten. Für Wiesendanger ist dies tatsächlich die wohl grösste Herausforderung: «Das Kind muss dazu stehen und quasi selber einen Coming-out-Prozess durchmachen.» Für Regenbogeneltern bedeutet dies, dass sie ihren Kindern eine Extraportion Selbstvertrauen vermitteln müssen, was schwierig sein dürfte, haben viele doch selber nicht nur positive Erfahrungen mit dem eigenen Coming-out gemacht. Wiesendanger ist jedoch überzeugt, dass ein Zu-Sich-Stehen ein Kind sogar stärken und seine sozialen Kompetenzen fördern kann.
Kontakt zu beiden Geschlechtern wichtig
Zum Thema Kinder von homosexuellen Eltern gibt es verschiedene Studien. Eine davon wurde im vergangenen Jahr zusammen mit einer Petition beim Bundesrat eingereicht, die fordert, dass homosexuelle Paare Kinder adoptieren dürfen. Sie trägt den Titel «Die Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften» und kommt zum Schluss, dass das Kindeswohl in Regenbogenfamilien, wie Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern genannt werden, genauso gewahrt sei, wie in anderen Familienformen.
Das lassen die Verfechter des Adoptionsverbotes jedoch nicht gelten. Bei der aktuellen Studie habe ein Grossteil der Kinder Kontakt zu beiden Elternteilen, weil sie aus heterosexuellen Beziehungen stammten. Seit der Trennung wegen des Coming-out leben sie entweder bei der lesbischen Mama und ihrer Partnerin oder zwei schwulen Papas. Ein Aspekt, der nicht zu vernachlässigen ist, findet Wiesendanger: «Es ist für das Rollenbild eines Kindes sicher wichtig, dass es Kontakt zu beiden Geschlechtern hat.» Ob dies nun ein Nachbar, ein guter Freund oder der Onkel ist, spielt keine Rolle. Wichtig sei, dass der Kontakt konstant, liebend und möglichst regelmässig sei. Genau diese Thematik wird auch im Hollywood-Film «The Kids Are Alright» behandelt, der in der Kategorie «Bester Film» für den Oscar nominiert ist. Zwei Teenager, die bei lesbischen Müttern aufwachsen, machen sich darin auf die Suche nach ihrem leiblichen Vater, einem anonymen Samenspender.
Bei der ganzen Aufregung um das Adoptionsverbot geht eines hie und da vergessen. Es gibt weit mehr gleichgeschlechtliche Eltern, als manch einer vermuten würde, auch in der Schweiz. Sie ziehen ihre Kinder aus früheren, heterosexuellen Beziehungen mit ihrer neuen Liebe auf. «Mit einem Adoptionsverbot lässt sich jedenfalls nicht verhindern, dass Gleichgeschlechtliche Kinder aufziehen», findet Tim Kurt Wiesendanger. In der Schweiz und in Westeuropa sind es vermehrt lesbische Frauen, die sich Kinder wünschen. In Nordamerika, wo die Adoption erlaubt ist, zeigt sich jedoch, dass auch immer mehr schwule Paare gerne Kinder hätten.
Fakt ist: Langzeitstudien zu Kindern von gleichgeschlechtlichen Paaren gibt es bislang keine. Ob ihnen eine solche Familiensituation schadet oder ob es allenfalls die Haltung der ablehnenden Gesellschaft ist, kann heute nicht zweifelsfrei beantwortet werden. Auf die Frage, ob Homosexuelle sollen Kinder adoptieren dürfen, antworteten 62,6 Prozent der Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnet mit einem Ja. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.01.2011, 14:58 Uhr
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186 Kommentare
es ist völlig pietätlos, wenn sich schwule Paare mit Kindern zeigen, denken denn einmal ans Wohl des Kindes? Erstens ist dies völlig gegen die Natur, zweitens wird auch nicht ans Wohl des Kindes gedacht. Wie fühlt sich ein Kind in der Schule, wenn es nach der Mutter fragt? Antworten
@Meili Schon erstaunlich das einige Homosexuelle sich gleich so heftig enervieren.Es hat noch keiner Minderheit geholfen sich stehts in die Opferrolle zu begeben, auszurufen und die Mehrheit der Bevökerung zu beleidigen.Ich habe absolut kein Problem mit Homosexuellen und deren Bedürfnissen,der Bogen sollte jedoch nicht überspannt werden - Aus meiner Hetero Beziehung mache ich auch kein "Theather". Antworten
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