Freaks, Fundis und Super-Viagra
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 25.08.2010 14 Kommentare
Serie
«True Blood» läuft ab Morgen Donnerstag wöchentlich um 23.20 auf SF2.
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Freude herrscht! Morgen startet die zweite Staffel von «True Blood» am Schweizer Fernsehen. Natürlich hätte man sich die süchtig machende Serie, die in den USA bereits in der dritten Runde ist, auch im Internet anschauen können. Doch die einschlägigen Downloads sind illegal und vor allem nicht untertitelt oder synchronisiert. Das aber ist bei einer Produktion, in der ein ebenso unverständliches wie anzügliches Englisch gesprochen wird, ein Muss.
Rekapitulieren wir: In der Serie von «Six Feet Under»-Macher Alan Ball sorgt die Erfindung von synthetischem Blut für eine gesellschaftliche Revolution: Vampire müssen den Menschen nicht länger an die Gurgel. Also treten die Blutsauger aus Särgen und Kellern und drängen mit einer eigenen Lobby in den Alltag. Dennoch begegnet ein Grossteil der Menschen ihnen weiterhin mit Abscheu und Vorurteilen. Eine Situation, die nicht zufällig an jene von Homosexuellen erinnert.
Homophobe Rednecks
Im Mittelpunkte von «True Blood» steht die 25-jährige Sookie Stackhouse. Auch die Kellnerin weiss, wie es sich anfühlt, ein Aussenseiter zu sein. Sookie kann nämlich Gedanken lesen, was ihren Mitmenschen überhaupt nicht geheuer ist. Aber auch Sookie leidet – unter permanentem Informationsoverkill. Vampir-Gedanken bleiben ihr indes verborgen und so verliebt sie sich in einen Kaltblüter: Bill Compton, jung, charismatisch, 173 Jahre alt.
Bill und Sookie sind nicht die einzigen Figuren mit interessanten Persönlichkeitsstrukturen und Lebensentwürfen. Sookies Bruder Jason ist ein Frauenheld und Vampirhasser, der sich zum Vampirjäger ausbilden lässt. Barbesitzer und Formwandler Sam streift nachts als Hund durch die Gegend und ist heimlich in Sookie verliebt. Und der schwule Lebemann Lafayette, der sein Geld als Vampirblut-Dealer (eine Art Super-Viagra) verdient, muss sich mit homophoben Rednecks herumschlagen.
Schwüles Sündenbabel
Ja, die innovative Geschichte um die auf die Ersatzdroge umgestiegenen Vampire in einer Welt voller sündiger Menschen ist spannend, sexy und wunderbar satirisch. Dass sie trotzdem nicht in einem Atemzug mit den «Sopranos» oder «Mad Men» genannt wird, dürfte am fehlenden Realismus liegen. Stattdessen liefert die Serie etwas viel Besseres: Einen kühnen Gegenentwurf zu «Twilight», jener anderen Vampirsaga, die derzeit Erfolge feiert. Wo «Twilight» Keuschheit und Romantik propagiert, ergötzt sich «True Blood» an Homoerotik und dem offenbar grossartigen Sex, den Menschen mit Vampiren haben können. «True Love waits» gegen «True Love sucks», sozusagen.
Überhaupt entpuppt sich die Ortschaft Bon Temps, wo sich Vampire und Menschen in schwüler Hitze gute Nacht sagen, als ein Sündenbabel, in dem neben der Ekstase stets der Tod lauert. Die zweite Staffel, so viel sei verraten, legt in dieser Hinsicht gar einen Gang zu. Ausserdem treffen wir auf einen 2000 Jahre alten Vampir, der an Lebensmüdigkeit krankt. Ihm gegenüber gestellt ist die launische Jugendliche Jessica, die am Ende der letzten Staffel zum Vampir wurde – und nun erst das komplizierte Leben als Untote erlernen muss. Highlight der Staffel dürfte jedoch Sookies naiver, schwanzgesteuerter Bruder Jason werden, der auf seiner Suche nach Transzendenz vom samstäglichen Alkoholabsturz zu einer christlichen Sekte wechselt, die es auf Vampire abgesehen hat. Dass Jason Stackhouse dem jungen George W. Bush ähnelt, ist natürlich auch kein Zufall – sondern das einmalige, unwiderstehliche «True Blood»-Ding. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.08.2010, 12:37 Uhr
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14 Kommentare
Ich kann dieses Loblied auf True Blood überhaupt nicht verstehen. Einmal vom absolut hässlichen Südstaaten-Akzent abgesehen, sind die Storylines einfach nur schräg und oft unfreiwillig komisch. Geschätze 90% der Handlung bringen die Geschichte nicht weiter und sind "eifach öppis" (und daher langweilig). War von der 1. Staffel enttäuscht und werde daher die 2. nicht mehr schauen. Antworten
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