Eigentlich schien allen alles klar, doch dann kam alles anders

UetendorfKurz vor Ende des Finales von «Deutschland sucht den Superstar» (DSDS) schien alles klar. Als dann Luca Hänni als Sieger ausgerufen wurde, war die Überraschung gross hinter den Kulissen der grössten Castingshow Europas.

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Kurz nach halb elf war die Entscheidung gefallen, in der Presselounge der Finalshow von «Deutschland sucht den Superstar» in Köln wurde es langsam ruhig. Während Moderator Marco Schreyl die Spannung schier unerträglich zu werden lassen versuchte, schien den deutschen Medienleuten klar: Der Schweizer Luca Hänni hat gut mitgehalten und die Show aufgefrischt – am Ende würde aber mit Daniele Negroni der «Terrorbolzen» mit dem Image eines kleinen Rüpelrockers das Rennen machen.

Rolf Vogl hat die ganze neunte DSDS-Staffel für Big FM, den grössten privaten Jugendradiosender Deutschlands, mitverfolgt. «Zu Beginn der Liveshows hätte ich nie auf diese Finalpaarung gewettet», sagte er. Dass sich ausgerechnet die beiden Youngsters um den Sieg duellieren sollten, hätten sie in erster Linie ihrer grossen jugendlichen und weiblichen Fanschar zu verdanken.

Daniel L.Cremer, Chefreporter bei der deutschen «Bild»-Zeitung, hat Luca Hänni stets als «sehr netten und sympathischen» Kandidaten erlebt. «Schon auf den Malediven fiel mir sein Äusseres auf. In dieser Hinsicht war er von Anfang an ein potenzieller Finalist.» Doch den Sieg traute der Mann aus Berlin dem Maurerstift aus Uetendorf nicht zu. «Ihm geht die Wandelbarkeit ab – und wer sich langfristig im Gespräch und damit im Geschäft halten will, der braucht auch ab und zu einen kleinen Skandal.»

Misstöne im Siegersong

Als Luca Hänni nach Daniele Negroni den Siegersong «Don’t Think About Me» intonierte, schauten die Presseleute ungläubig auf die Bildschirme: Zweimal haute der Uetendorfer Publikumsliebling beim Übergang von der Strophe zum Refrain böse daneben. Man war sich stillschweigend einig: Luca Hänni hatte das Rennen kurz vor der vermeintlichen Ziellinie verloren. Die Nachricht, die auf verschiedenen Internetseiten auftauchte, Danieles Version von «Don’t Think About Me» stehe in den Download-Charts deutlich vor jener von Luca, sollte den letzten Zweifler bekehren: Alles würde gut, der Schweizer hat gut mitgespielt – aber am Ende gewinnt doch der Richtige.

Als Marco Schreyl um 22.51 Uhr Luca Hänni als Sieger von DSDS 2012 ausrief, herrschte augenblicklich beklemmende Stille in der Presselounge – bis auf den überschwänglichen Jubel der Fotografin einer Schweizer Lokalzeitung.

Begeisterte Mitstreiter

Ganz anders das Bild an der anschliessenden After-Show-Party: Moderator Marco Schreyl lobte Luca Hänni als «einen von nebenan, der weiss, was es heisst, einen Stein auf den anderen zu setzen, um Erfolg zu haben». Das sei bestimmt ein Grund, warum der Uetendorfer am Ende die Nase in der Zuschauergunst vorne hatte.

Jesse Ritch aus Urtenen-Schönbühl – eine Woche zuvor im Halbfinale gescheitert, sagte, er habe gespürt, dass Luca Hänni die Show gewinnen werde. «Auch wenn Daniele heute Abend besser gesungen hat, war Luca über die ganze Dauer der Staffel der komplettere der beiden.»

Lucas schriller ehemaliger Mitstreiter Herr Schöne war es, der das Zitat des Abends lieferte: «Für mich war von Anfang an klarer als der klarste Schweizer Bergsee, dass Luca hier gewinnt. Sein Umfeld war immer überzeugt von ihm, und trotzdem hat er stets hart weitergearbeitet.»

Pietro Lombardi, auf den Luca Hänni als DSDS-Sieger folgt, antwortete auf die Frage, was ihm an seinem Jahr als Superstar am besten gefallen habe: «Dass ich in der ganzen Welt rumreisen konnte und extrem viel erleben durfte.» Luca soll am Boden bleiben, rät der DSDS-Sieger von 2011 – und fügt im Wissen um Lucas Potenzial als Mitbewerber im Popmarkt an: «Jetzt kommt viel harte Arbeit auf mich zu!»

Erleichterter Vater

Auf der anderen Seite weiss Lucas Familie, dass auch auf ihren Schützling harte Arbeit wartet. Vater Andreas Hänni sagte: «Wir sind erleichtert – aber wir haben auch Respekt vor dem, was jetzt kommt.» Denn: Eigentlich sei es keine Ziellinie, die Luca mit dem Sieg bei DSDS überschritten habe, sondern «erst die Startlinie nach einem wahnsinnig schweren Vorlauf». Andreas Hänni ist sich bewusst, dass er seinen Sohn in der nächsten Zeit kaum sehen wird. Umso mehr sei es jetzt an der Familie, ihm wo immer möglich Rückhalt zu geben. «Das eine oder andere Loch wird kommen.» Doch davon mochte am Samstagabend niemand sprechen. (Thuner Tagblatt)

(Erstellt: 30.04.2012, 11:15 Uhr)

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