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«Die Muslime sollten sich zusammenraufen»

Von Erika Burri. Aktualisiert am 09.01.2010 15 Kommentare

Die Minarett-Debatte geht weiter: In der SF-Sternstunde Philosophie von morgen wird mehr Einigkeit unter den Muslimen gefordert. Dies sei aber keine Staatsaufgabe, sagt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf.

Eveline Widmer Schlumpf diskutiert mit Hisham Maizar (links) und Thomas Wipf (rechts vorne) in der Sternstunde Philosophie.

Eveline Widmer Schlumpf diskutiert mit Hisham Maizar (links) und Thomas Wipf (rechts vorne) in der Sternstunde Philosophie.
Bild: SF

Würde man eine Liste der Themen erstellen, bei denen sich die Leute hierzulande bei Familienfeiern und Apéros zwischen Weihnachten und Neujahr am häufigsten in die Haare geraten sind: Die Minarett-Initiative läge auf einem der ersten Plätze.

Doch hat es sich noch längst nicht ausdiskutiert. Die Debatte kommt erst richtig in Gang. So fatal die Folgen der Annahme scheinen, Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf kann dem Resultat etwas Positives abgewinnen: «Wir diskutieren endlich», sagt sie in der Sternstunde Philosophie von morgen auf SF1, 11 Uhr. Über das Unbehagen gegenüber dem Islam, dem die Stimmbürger am 29. November Ausdruck verliehen haben; darüber, welches die zentralen Werte unseres christlich orientierten Staates sind; was Menschenrechte überhaupt sind.

Die Sternstunde ist eine gesittete Diskussionsrunde. Keine Polterer wie in der Arena. Die drei Diskussionsteilnehmer und der Gesprächsleiter lassen einander ausreden – wohltuend angesichts der vielen aufgeheizten Gemüter. Mit der Bundesrätin diskutieren Hisham Maizar, Präsident der Föderation Islamischer Dachorganisation, und Thomas Wipf vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund.

Rat an die Muslime: Nehmt euch zurück.

Auch wenn die Dissonanz der Gesprächspartner nicht zum Eklat führt: Die Meinungen unterscheiden sich stark. Vor allem Hisham Maizar, ein in Jerusalem geborener Palästinenser und Arzt mit Schweizer Pass, muss sich und seine Religion mehrmals erklären. Für ihn sollten die Muslime endlich die Chance erhalten, aus ihren «Hinterhöfen» heraus in die Öffentlichkeit zu treten.

Eine öffentlich-rechtliche Anerkennung des Islam – so wie auch die katholische und die reformierte Kirchen in der Schweiz öffentlich-rechtlich anerkannt sind, ist für ihn der Weg dazu.

Für den reformierten Pfarrer Wipf aber ist es noch länger nicht Zeit für solche Schritte. «Muslime haben nicht die Sensibilität der Minderheit gegenüber der Mehrheit», sagt er, im Gegensatz zu anderen Migranten wie etwa Tamilen. Dies habe, glaubt Wipf, auch mit dem globalen Auftreten des Islam zu tun.

Wipf rät den Muslimen, sich etwas zurückzunehmen und nicht gleich gegen ein abgelehntes Baugesuch für ein Minarett zu rekurrieren. Maizar, in einer muslimischen Gemeinde in Wil (SG) aktiv, hält dagegen: «Die Muslime haben keine Alternative.» Seine Gemeinde plant einen Neubau. Ein Minarett wäre vorgesehen.

Alle sind gefordert – hauptsächlich aber die Muslime

Alle müssen sich beteiligen, damit die Integration glückt. Der Satz zersetzt sich langsam, so oft ging er schon durch den Fleischwolf. Einmal mehr in der Sternstunde Philosophie. Wenn auch zurückhaltend, die Forderungen der Bundesrätin und des Präsidenten des Kirchenbunds an die Adresse der Muslime werden dann etwas deutlicher.

Die Muslime in der Schweiz sollten sich zu unseren Grundwerten bekennen, sagt Wipf. Dazu gehört auch die Gleichbehandlung von Mann und Frau. Widmer Schlumpf wünscht sich mehr Einigkeit unter den Muslimen. Es sei fast unmöglich, alle verschiedenen Strömungen – von den Liberalen bis zu den extrem Konservativen – gemeinsam an einen Tisch zu bringen.

Selbst Maizar vom Dachverband der Muslime fehlt da der Durchblick bei den Muslimen in der Schweiz. Die Leute, die Hassprediger Pierre Vogel Mitte Dezember an eine Demonstration in Bern eingeladen haben, sind ihm nicht bekannt. «Ins Islamische Haus gehört Ordnung. Muslime sollten sich zusammenraufen», sagt Maizar. Er wünscht sich aber, dass die Schweiz mehr für die Einigkeit der Muslime unternimmt, was die Bundesrätin klar zurückweist. «Das ist keine Staatsaufgabe.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.01.2010, 13:48 Uhr

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15 Kommentare

Lucien Michel

12.01.2010, 06:26 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Ist es den an uns, den Islam zu reformieren, in Ordnung zu bringen oder auch nur zu kommentieren - 'der Islam' ist ein derart komplexes. vielfältiges, in sich so unterschiedliches Gebilde - und wir haben ja schon genug an einer autokratischen, undemokratischen, extrem hierarchischen und frauenfeindlichen Landeskirche mit einer haarsträubenden Gesschichte (siehe Chur Bistum etc.). Antworten


Kurt Aegeri

11.01.2010, 12:05 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Wenn Muslime wollen, dass wir sie so wahrnehmen, wie sie zum Teil wenigstens, wahrgenommen werden wollen, dann gehört dazu auch, Stellung gegen den Terror zu beziehen. Und zwar klar und unmissverständlich. Wenn selbst die gemässigten Muslime davor Angst haben, dann ist wohl die Zurückhaltung der Schweizer nachvollziehbar. Bei uns geht Rechtsstaat vor Religion. Und das hat sich bewährt. Antworten



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