Kultur
Deutsche Moderatoren kassieren ab – Schweizer auch
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 22.06.2009 27 Kommentare
«So kassieren TV-Moderatoren ab!», titelte am Freitag die «Bild»-Zeitung. Zuvor hatte eine TV-Sendung enthüllt, dass «Tagesthemen»-Moderator Tom Buhrow mehr als 10'000 Euro für einen Auftritt am «49. Henkell & Söhnlein Forum» kassierte. Bei anderen Privat-Engagements war von Gagen bis zu 20'000 Euro die Rede. Die Meldung sorgte in Deutschland für Aufregung. Leitende Redaktoren der ARD verlangen härtere Richtlinien für die Nebenverdienste ihrer Moderatoren und fordern volle Transparenz.
Auf dem Spiel steht das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Nachrichtensendungen. Ein Moderator, der von einer Privatfirma bezahlt wurde, kann kaum mehr glaubwürdig über diese Privatfirma berichten. Diese Problematik stellt sich für Schweizer Nachrichtensendungen genauso wie für deutsche. Dennoch können auch SF-Nachrichtenmoderatoren für die Moderation von Privatanlässen gebucht werden. Auf den Internetseiten der führenden Agenturen sind unter anderen Stephan Klapproth, Katja Stauber, Reto Brennwald, Urs Gredig und Susanne Wille aufgeführt. 5000 bis 10'000 Franken kostet eine Moderation, so die Angaben der Agentur «Menschen mit Meinungen». Der Schweizer Markt ist klein, deshalb sind die Gagen im Vergleich zum Ausland moderat. «Die Ansätze sind nur halb so hoch wie in Deutschland», sagt Ellinor von Kauffungen von der Agentur Speakers.ch.
Strenge Richtlinien
Die Moderatoren dürfen nicht jedes Angebot annehmen. «Letztes Jahr haben wir die Richtlinien für öffentliche Auftritte überarbeitet», sagt SF-Pressesprecher David Affentranger gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnet. Es gilt die Weisung gemäss den publizistischen Leitlinien: «Aufträge zur Leitung von Podiumsdiskussionen und Ähnliches können angenommen werden, solange die Themen kontrovers debattiert werden und klar ist, dass der SF-Mitarbeitende vom Veranstalter unabhängig ist. Derartige Einsätze sind vor einer Zusage mit den Vorgesetzten abzusprechen (...). Die Honorierung soll sich in einem vernünftigen Rahmen bewegen, damit nicht der Eindruck der Käuflichkeit entsteht.»
Dass das Schweizer Fernsehen ziemlich restriktiv vorgeht, bestätigt auch Jan Marlier von «Menschen mit Meinungen». Reine Werbeveranstaltungen sind untersagt. Der bei Nebenverdiensten besonders aktive «10vor10»-Moderator Stephan Klapproth kann trotzdem Veranstaltungen moderieren, die von Grossbanken gesponsort sind, zum Beispiel dieses Jahr das Forum für Aussenwirtschaft, bei dem die Credit Suisse als «Premium-Partner» aufgeführt ist.
Klar ist, dass die Moderatoren von ihrer durch die TV-Präsenz erlangten Berühmtheit enorm profitieren. «Wenn jemand eine neue, spannende Sendung übernimmt, ist er sogleich viel gefragter als vorher», so Marlier. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.06.2009, 11:53 Uhr
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27 Kommentare
Staatsangestellte sind der Gier ausgesetzt und sehr empfänglich wie jeder andere. Es ist aber verwerflich vom Staat zu profitieren und privat zu kassieren. Sie sind offenbar nicht besser als die Banker oder Ospellas, nicht wahr? Wenn schon, dann bitte die Einnahmen dem Arbeitgeber abliefern, dann könnten die Gebühren endlich reduziert werden. Aber beim Staat ist alles möglich; Gier, Kasse, Profit! Antworten
ich habe das problem nicht erfasst. und wenn etwas missbrauch damit betrieben würde (was ich bezweifle), so denke ich, dass der machtmissbrauch unserer lobbyisten-politiker 1000fach grösser ist, die zuwendungen ebenfalls. die oben genannten machen einen guten job, also verdienen sie anerkennung damit. wir haben genügend faulenzer, selbstbemitleider und stänkerer in diesem land. labor omnia vincit! Antworten
Nach längerem Überlegen fallen mir nur drei Motive für diese Nebentätigkeiten ein: Diese Herrschaften sind entweder - unterbezahlt und brauchen diesen Nebenverdienst oder - unterbeschäftigt und tun damit etwas gegen ihre Langeweile bzw. - geldgierig und können den Hals nicht voll genug bekommen. Andere Gründe für dieses Verhalten fallen mir nicht ein !! Antworten
Heute wird gerne den Topmanager Geldgier vorgeworfen und gesagt, sie seien an der Wirtschaftskrise schuld. Ich denke aber, dass die Gesellschaft geldgierig geworden sind. Ein SF-Mann wie Sven Epiney verdient 600000.-, die Gewerkschaften fordern gleich 6% Lohnerhöhung, Motzen über Krankenkassenprämien aber gleichzeitig immer weiter Ausbauen. Alles ein Ausdruck unserer Gier, ein Gesellschaschproblem Antworten
Das geht auch nur im Medienzirkus. Wir finanzieren mit den Steuergeldern und Gebühren deren stattliche Gehälter und mangels Auslastung können sie sich noch nebenamtlich eine goldene Nase verdienen. Also müssen bei SF die Arbeitspensen gekürzt werden. Ein Normalarbeiter hat schliesslich auch nicht die Zeit, nebenbei noch lukrative Jobs anzunehmen. SF überarbeite bitte die Arbeitsverträge!! Antworten
Was soll dieser Blödsinn? Wer von den Schreibern hier würde ein paar Tausender zurückweisen? Wir Diskutieren hier über Geldverdienen, so wie es der Staat auch immer wieder neu erfindet. Jedes Papierchen, jede Anfrage und jeder Mistsack kostet heute separat. Dies trotz den Steuern. Soll privat verboten werden was der Staat seit Jahren gesäht hat? Sicher nicht. Ist es in der Politik anders? Nein!! Antworten
"[...] Auf dem Spiel steht das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Nachrichtensendungen." Um Gottes Willen, was für ein Ansehen denn? Was für eine Glaubwürdigkeit? Die Qualität der so genannten Nachrichtensendungen im Allgemeinen und die Kompetenz eines Stephan Klapproth & Co. im Besonderen genügen doch bestenfalls Lokalfernsehen-Standards... Wer bitte nimmt ein "10vor 10" denn schon ernst? Antworten
Jeder Moderator ist käuflich. So lange er sich vom SFDRS gleich Staatsfernsehen kaufen lässt, ist Moderation dort seine Aufgabe. Wenn er sich aber zeitgleich von Drittfirmen kaufen lässt - und das ist er, sobald er dafür ein Honorar bezieht -, ist er nicht mehr unabhängig. Das ist eine Sauerei, dieser Zweitjob geht voll auf Kosten der Gebührenzahler. Wenn schon, soll Fernsehen privatisiert werden. Antworten
Liebe Kommentar-Schreiber: Es nähme mich sehr wunder, wenn jemand von Ihnen für die Moderation eines Anlasses 5' bis 10'000 Franken erhalten würde - ob sie da nein sagen oder deswegen ihr Arbeitspensum reduzieren würden... Tun sie doch nicht so als ob sie oberste moralische Instanz wären... Antworten
Sehe das gleich wie D.A. Eggenberger: Von den 'kreativen' Vorschlägen der anderen Kommentare leite ich ab, dass es die meisten einfach sticht, dass jemand mit einem gewissen Bekanntheitsgrad 'nebenbei' durch andere Tätigkeiten noch ein Einkommen erzielt. Sobald hier die Rede von Geld ist, (die Bonusgeschichten lassen grüssen), ist Neid allgegenwärtig... armselig. Antworten
Die Moderator/Innen sind durch ihren Job offensichtlich zu wenig ausgelastet... Vorschlag: 50% Pensum (dh die aktuelle Arbeitszeit zum halben Lohn) + selbständige Auftritte oder 100% Pensum und SFDRS vermittelt die Auftritte (und kassiert das Honorar) Antworten
Wenn SF-Mitarbeitende solche Veranstaltungen moderieren und dafür entschädigt werden, sollte das Honorar vom SF entsprechend gekürzt werden. Somit könnten die Empfangsgebühren gesenkt werden und die Forderung nach immer höheren Gebühren wäre vom Tisch. Antworten
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Franziska Bolliger
@Reding: Sie haben wohl nie beim Staat gearbeitet, sonst wüssten Sie, dass der Staat es mit dem Gesetz, den Vereinbarungen und vor allem mit dem Datenschutz sehr genau nimmt. Im Gegensatz zur Privatwirtschaft, wo sich Firmen über Vereinbarungen und geltendes Gesetzt hinweg setzen. Krititsieren Sie nicht ihre eigenen Schwächen an anderen Menschen! Antworten