Kultur
«Club»-Kritik: Überflüssige Geschichtsstunde
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 05.08.2009 28 Kommentare
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«Ihr müsst der GSoA eigentlich dankbar sein», meint der Historiker François de Capitani und richtet seinen Blick Richtung TV-Direktor Ueli Haldimann. Die Armeeabschaffer forderten schon nach der ersten Folge die Abschaffung der Sendung, da die 55 Millionen Kriegsopfer wegen Nichterwähnung verhöhnt würden. Die GSoA rief damit eine Unmenge weitere Verhöhner auf den Plan, die zum Teil selbst die Aktivdienstgeneration in Verruf geraten sahen und mit ihren empörten Kommentaren das SF-Verkleidungsspielchen zum Schweizer Medienthema Nummer eins machten. Die Neugier vieler Zuschauer wurde dadurch erst geweckt.
Lang hell entsetzt, Kreis nimmts gelassener
Den Standpunkt der GSoA vertrat im «Club» Nationalrat Jo Lang, der in seinen nicht enden wollenden Wortmeldungen unzählige Male wiederholte, was alles in der Sendung «skandalöserweise» ausgespart wird: das Leid der Opfer, das Flüchtlingselend, die Schweizer Waffenlieferungen nach Deutschland. «Helles Entsetzen» habe bei ihm das Zuschauen zuweilen ausgelöst. Historiker Georg Kreis, Mitglied der Bergier-Kommission und Kritiker der Sendung, nimmt das Ganze lockerer: «Die Sendung ist brav, gut gemeint.» Er sieht die Arbeit der Bergier-Kommission nicht explizit verhöhnt, weist aber darauf hin, dass die Sendung ein altes Geschichtsbild transportiere. Ueli Haldimann weist auf das Begleitprogramm hin, das spätabends - «der Videorekorder ist ja erfunden» - die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg kritisch beleuchtet.
François de Capitani, Kurator im Landesmuseum, schafft es, auch jenseits von Moralfragen plausibel zu erklären, warum die Mobilmachung als Living-History-Projekt ungeeignet ist: Ideal für solche Projekte seien Situationen, die nicht in eine Ereignisgeschichte eingebunden sind, wie zum Beispiel die Pfahlbauer. Dort gehe es nämlich in erster Linie um Arbeits- oder Kochtechniken, die man sehr gut nachspielen könne. Die Ängste und Gefühle, die ein ausserordentliches Ereignis wie der Zweite Weltkrieg ausgelöst hat, seien aber unmöglich nachzuspielen.
Big Brother ist keine Geschichtslektion
Stellt sich die Frage, weshalb die Sendung einen solchen Erfolg hat. Da wird das Bedürfnis nach Nostalgie genannt, die Faszination des Réduits, etwas Entscheidendes geht in der engagiert geführten Diskussion jedoch vergessen: Dass es sich bei der «Alpenfestung» - abgesehen vom historischen Setting - um eine «Big Brother»-Anordnung handelt, bei der man drei Wochen lang täglich 30 eingesperrten Fremden bei der Bewältigung des Alltags zuschauen kann.
Auch wenn Jo Lang dies den TV-Zuschauern nicht zutraut: Den meisten dürfte durchaus bewusst sein, dass es sich bei der Sendung in erster Linie um ein Spiel vor einer Réduit-Kulisse handelt und nicht um eine umfassende Geschichtslektion über den Zweiten Weltkrieg. Der folgende kurze Wortwechsel kann in diesem Sinne als Fazit herhalten: «Ist die Sendung überflüssig?», fragt Moderator Röbi Koller. Worauf Georg Kreis lapidar meint: «Vieles im Fernsehen ist überflüssig.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.08.2009, 15:47 Uhr
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28 Kommentare
Ich seh' mir diese "Alpenfestung-"Sendung mangels Interesse nicht an. Aber ich ärgere mich über diese "erhobenen Finger" der Wichtigtuer, die weisgottwas reinpacken wollen, bloss um sich im "Schuldexhibitionismus" suhlen zu können. Dabei geht es offenbar diesmal nur um "Menschen wie Du und ich". Aber das darf wohl nicht sein. Jedenfalls hab' ich das Clubgequassel abgestellt, weil mir übel wurde. Antworten
Schon komisch. Die Schweiz galt auch Jahrzehnte nach dem Krieg als Vorbild in vielen Bereichen während dem Krieg. Nur die heutigen meist linken Historiker (Tanner, Kreis etc.) müssen wohl auf eine Fülle neuer Infos gestossen sein, dass nun alles als schlecht angesehen wird. Z.B. die angeblich unmenschliche Flüchtlingspolitik. Dass die Schweiz mehr Juden aufnahm, als z.B die USA, ist ja egal Antworten
Ich absolvierte zwei WK in Festungen. Standortverrat hätte scharfen Arrest zu Folge gehabt (dafür warteten am Abend die Taxis vor dem Eingang, um uns in den Ausgang fahren zu können)! Die Geschütze in der Festung Beatenberg z.B. waren gar nicht schiesstauglich, und wären es auch während dem Weltkrieg nicht gewesen. Festungen für Bevorzugte, das Volk im Mittelland hätte man krepieren lassen! Antworten
Die Frage sei an dieser Stelle erlaubt, welches denn nun der wirklich strategische Hintergrund des Rückzugs der Armee in die Felsbunker am Gotthard hätte sein sollen: Von dort aus Guerillaangriffe auf die Besatzer unternehmen oder einfach nur einen Felsen mit der schweizerischen Fahne eingepflanzt bis zum Schluss verteidigen? Die deutsche Armee von 39/45 hätte unser Land überrannt, einfach so. Antworten
SF 1 degeneriert immer mehr zum Altersheim-Sender. Für mich bleibt nur noch das Wegzappen, obschon ich weiterhin Gebühren zahlen muss und die doofe Werbung via Konsum finanzieren muss (wie übrigens auch die Boni aller Bonihassardeure!). Ich komme nicht umhin zu bemerken, dass die Verdummung der Zuschauer durch Massenmedien und Werbung wacker voranschreittet. Antworten
Warum kann man denn nicht sagen, dass beide Seiten ein bisschen Recht haben? Diejenigen, die an die Grenze standen, haben nur das getan, was sie mussten. Aber das Hitlerdeutschland nicht gegen die Schweiz kämpfte, weil die Schweiz eine so grosse Armee gehabt hat, erschliesst sich einem ja schon aus der Tatsache, das Hitler, dieser Wahnsinnige, gleichzeitig gegen die UdSSR und die USA kriegte! Antworten
Oh je!Mit was für einem Thema hat man da gestern Abend "Beste" Sendezeit verschwendet!Man müsste ja nur mal den Titel der TV-Reihe genau lesen-"Alpenfestung, Leben im Reduit"-dann wird jedem halbwegs intelligenten Bürger schnell klar,dass es sich hierbei eben NICHT um die Aufarbeitung der schweizerischen Geschichte während des 2. Weltkriegs handelt.Ein Vertreter der GsoA ist ohnehin fehl am Platz. Antworten
Bestand der Réduit-Gedanke nicht daraus, das ganze Mittelland aufzugeben und die Armee im Gotthard einzubunkern? Also sämtliche Frauen, Kinder resp. alle, die nicht im Aktivdienst waren, sich selbst zu überlassen, dem Feind auszuliefern? Wenn das so ist, würde ich das als Landesverrat bezeichnen. Was also wird hier glorifiziert? Antworten
Wenn ich –selten genug- in eine der Doku-Soaps hineinschaue, dann will ich zuletzt lernen „wie es wirklich war“. Mich interessieren die nachgestellten Trivialitäten, um mit ein wenig sinnlicher Farbe das zu bereichern, was ich mir an Wissen anderswo zu holen pflege. Haldimanns Meldungen fand ich etwas grämlich, aber berechtigt. Auch die anderen gaben ihr Bestes. Antworten
Geschichte lernen und lehren und wissen ist das eine, aber die manchmal komplizierten Hintergründe und Zusammenhänge zu verstehen ist das andere. Jo Lang kann natürlich nicht die Armee abschaffen wollen, aus was für Gründen auch immer, und dann erklären, die Armee habe im 2. Weltkrieg wesentlich dazu beigetragen, dass wir und alle Einwohner hier von einer Deutschen Besetzung verschont wurden! Antworten
Wenn Leute wie Hr Kreis in der Bergier-Kommission waren, erstaunt das Ergebnis nicht. Schockierend Jo Lang, der meinte, dass das 1941 erbaute Reduit schon damals aufgrund der sich anbahnenden dt. Niederlage unnötig war. Der Krieg war aber erst jahre Später beendet, die Alliierten lieferten kein Gold mehr in die Schweiz, weil sie die Einnahme der Schweiz befürchteten. Antworten
Aus Schweizer Optik mag es ja in Ordnung sein, sich an jene für das Volk sicher nicht leichten Zeiten zu erinnern. Das dazu gewählte Vorabend-Soap-Format ist allerdings eher ungeeignet und peinlich. Ein mehrteiliges Dokudrama im Stil von "Jokehnen" (Schicksal eines ostpreussischen Dorfes) hätte sicher viel mehr Spielraum für eine differenzierte und stärkere Geschichte gelassen. Kann das SF nicht? Antworten
Ich sah das Réduit noch nie. Den Club habe ich aber mitverfolgt, weil die Diskussionen in der Oeffentlichkeit in vollem Gange sind. Ein Dankeschön an Georg Kreis und Francois de Capitani. Ueberall wird die Vergangenheit aufgearbeitet. Lernen wir aber daraus für die Zukunft? Ich bezweifle es. Schon wieder zählt die Einschaltquote. Antworten
Die Geisteshaltung hinter der Forderung nach Absetzung der Sendung bereitet Unbehagen. Im Mantel der Besorgnis lauert vorbeugende Entmündigung, die den Zuschauer/innen ihr Urteilsvermögen abspricht. Dieses umfassende Misstrauen wider unsere Gedanken erschrickt und macht Angst. "Zensur ist die jüngere zweier schändlicher Schwestern - die ältere heisst Inquisition" (Nestroy) Antworten
Ob der Réduit-Beitrag hochklassig sei oder nicht, soll jeder für sich entscheiden. Immerhin steht fest, dass die Verhaltensweise der Schweiz zur Zeit des 2. Weltkrieges zweifellos richtig war. Sie blieb als einziges Land von Zerstörung verschont. Wenn das einer gewissen linken Klasse nicht passt, so besteht noch lange kein Grund, dieses schweizerische Erfolgsgut unter den Teppich zu kehren. Antworten
Die GSOA und Herr Lang nutzten die vom Staatsfernsehen bereitgestellte Gratis-Medienplattform, um optimal in eigener Sache zu missionieren. Als Nationalrat suchte Lang maximale Sprech- und Fernsehpräsenzzeit, die er mit leerer Empörungsbewirtschaftung füllte, und inhaltlich nur linke Politpropaganda betrieb. Zum Verständnis des Zweiten Weltkrieges trug dieser Club-Beitrag nichts bei. Schade! Antworten
Eine Schande, wie sich diese selbstherrlichen "Historiker" aufführen. Von diesem GSOA-Vertreter gar nicht zu sprechen. Seien wir froh, dass diese aufgeblasenen Möchtegerne im 2. Weltkrieg nichts zu sagen hatten. Mein Vater leistete jahrelang Aktivdienst an der Grenze. Er, und alle, die Aktivdienst leisteten, haben es nicht verdient, als "Dummchen" hingestellt zu werden. Sie alle hätten gekämpft. Antworten
Das Reduit zeigt viel interessantes. Es zeigt, dass die Schweiz im 2. WK eine Armee hatte und deshalb der Kolaborations-Mythos der Bergier-Komission, so unwahrscheinlich ist wie Wilhelm Tell. Es zeigt auch, dass die Leute nicht mehr in der Lage sich militärisch zu verhalten, wenn auch nur für 5 Minuten vor der Kamera. Dafür sieht man den sinnlos blabernder Hauptmann und eine Bande von Softies Antworten
es ist immer einfacher in der retrospektive das handeln zu beurteilen oder gar zu verurteilen, kreis und lang machen sich die sache ein bisschen einfach, das ganze dünkt mich ein wenig aufgeblasen, zweifel kommt mir vorallem auf ob die beiden irgendetwas besser gemacht hätten! Antworten
Ich habe gelesen, dass diese Sendung 1 Million kosten solle.-- Das wurde nicht erwähnt.!! Es wurde eine Umfrage gestartet. Resultat 51% für Verzicht der Sendung. Ich kann nicht abschätzen, wie glaubwürdig die Umfrage ist. Es gilt doch: Die Mehrheit bestimmt. ( Es gibt Geschichtsbücher, es gibt Museen ect. die über den zweiten Weltkrieg!)Das Ganze ist doch eine Quotenhascherei! Egal was es kostet. Antworten







andi matata
Bitte, bitte, lieber Wander Sendungen mit Nik Hartmann und seinen Hund Shaba Antworten