Berner «Tatort»-Regisseur ist offen für Kritik
Von Miriam Lenz. Aktualisiert am 15.02.2011
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Markus Imboden ist noch immer ratlos. Seit der Berner Regisseur via Sonntagspresse erfahren hatte, dass das Schweizer Radio und Fernsehen SRF seinen «Tatort» zur Überarbeitung zurückzieht, hat ihm niemand genaue Gründe für die grosse Unzufriedenheit nennen können. «Im Moment kann ich wirklich nicht viel zu diesem Thema sagen», so Imboden. «Ich weiss schlicht nicht, was das Schweizer Fernsehen auf einmal an meiner Arbeit stört.» Habe doch die alte SF-Führung den «Tatort»-Krimi mit dem Titel «Wunschdenken» letztes Jahr noch für gut befunden.
Auch sein gestriges Gespräch mit der neuen SRF-Kulturchefin Nathalie Wappler habe kein Licht ins Dunkel gebracht. «Dabei ist lediglich herausgekommen, dass wir in Kontakt bleiben und schauen, welche Passagen zu überarbeiten sind. »
Kritik an der Kritik
Nicht minder bedeckt gibt sich Nathalie Wappler gegenüber dieser Zeitung. Sie sagt einzig, dass «bereits am Sonntag erste Gespräche zwischen den Verantwortlichen stattgefunden haben». Und jetzt gehe es darum, «zu analysieren, was wir am Film verbessern können». Erst dann werde über das weitere Vorgehen betreffend der Überarbeitung entschieden. So kann Markus Imboden auch weiterhin nur zu den Kritikpunkten aus der Sonntagspresse Stellung nehmen.
Da war von fehlendem Witz und mangelnder Spannung die Rede. Eine «viel zu vage» Bemängelung, findet der Regisseur, weist den Tadel jedoch nicht von sich: «Dass das SRF diesbezüglich andere Vorstellungen hat als ich, ist durchaus legitim», sagt er.
Weniger Verständnis hat der Berner, der für sein filmisches Schaffen schon mehrfach ausgezeichnet wurde, für den Vorwurf, seinem «Tatort» mangle es an Lokalkolorit. «Die Stadt Luzern ist sogar sehr präsent», sagt er. Immerhin sei die Folge vollumfänglich in Luzern und der Umgebung gedreht worden.
Einig sind sich Regisseur und Schweizer Fernsehen bisher nur in einem Punkt: Hauptdarstellerin Sofia Milos, bekannt aus der US-Serie «CSI: Miami», hat sich als Fehlbesetzung entpuppt. «Niemand konnte ahnen, dass sie ein völlig anderes Verständnis von Krimi hat», so Markus Imboden. «Doch der Tatort ist nun mal nicht CSI.» Der US-Schauspielerin mit Schweizer Wurzeln sei es am Set in erster Linie darum gegangen, gut auszusehen. «Das ist ja an sich nicht schlimm», sagt Imboden. «Alles in allem hat sie aber einen Stil mitgebracht, der nicht in diese Sendung passt.»
Trotzdem verständnisvoll
Das Schweizer Fernsehen, das während zehn Jahren keinen «Tatort» mehr produzierte, will laut Markus Imboden «mit einem Krimi-Look zurückkehren, der Zukunft hat». Insofern habe er Verständnis für die Überarbeitungsforderung — wenn diese auch aus heiterem Himmel gekommen sei. «Ich bin grundsätzlich offen für Kritik», sagt er. «Es kann gut sein, dass meine Arbeit in gewissen Punkten mangelhaft war.» Wütend mache ihn höchstens die Tatsache, dass er nur dank der Presse von dem Debakel erfahren habe. (Berner Zeitung)
Erstellt: 15.02.2011, 08:45 Uhr
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