Kultur
«The Big Bang Theory»
Von Jean-Martin Büttner. Aktualisiert am 09.02.2010 2 Kommentare
Die Nerds und die Kellnerin aus Big Bang Theory.
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«The Big Bang Theory» (2 Staffeln à 3 bzw. 4 DVDs, nur englisch; ab Mitte April auch deutsch erhältlich).
Sheldon Cooper, Mitte zwanzig, arbeitet als theoretischer Physiker an der kalifornischen Eliteuniversität Caltech, hat einen Intelligenzquotienten von 187, zwei Doktortitel und drei Probleme. Erstens kann er nicht verstehen, warum er noch immer keinen Nobelpreis bekommen hat. Zweitens fragt er sich, warum die «Superman»-Filme so viele physikalische Gesetze ignorieren. Und drittens hat er mit allem Mühe, was er nicht programmieren kann. Zum Beispiel Menschen. Wie sie reden, was sie sagen, wie sie sind. Nämlich nicht wie Sheldon. Denn Sheldon hat es gerne absehbar. Er wählt seine Menüs nach Wochen- tagen aus, sitzt beim Fernsehen immer am selben Platz und bekommt Zustände, wenn etwas nicht so abläuft wie von ihm geplant. Sheldon wohnt mit Leonard Hofstadter zusammen.
Der ist Doktor der angewandten Physik und entschieden besser geerdet als der Kollege. Dabei hat auch Leonard Probleme. Erstens hat er sich in Penny verliebt, die hübsche und schlagfertige Kellnerin aus der Wohnung gegenüber. Er weiss aber nicht, wie er sich ihr nähern soll und was er ihr zu bieten hat ausser Physik, Computerspielen und Comicbüchern. Weit grösser ist Leonards zweites Problem: Sheldon. Sein Mitbewohner treibt ihn mit seinen Zwängen und Belehrungen die Wände hoch.
«The Big Bang Theory», die Fernsehserie der Drehbuchautoren Chuck Lorre und Bill Prady mit Beihilfe des Physikprofessors David Saltzberg, setzt auf ungewöhnliche Helden. Nämlich auf jene Sorte junger Männer, die in den USA «Nerds» genannt werden und bei denen hohe Intelligenz mit der Unfähigkeit zusammenfällt, die einfachsten Aufgaben des Alltags zu meistern. Sie beherrschen alle Computerspiele, können aber kein Ikea-Möbel zusammenschrauben, weil die Einfachheit sie überfordert. Sie schreiben komplexe Formeln und lesen Comic-Hefte. Sie wissen alles über den Ursprung der Welt, sind aber ausserstande, auf Menschen und vor allem Frauen zuzugehen. Das fällt nicht nur Leonard schwer, sondern auch den beiden Kollegen, mit denen er und Sheldon durch die Welt taumeln. Der eine ist Jude, wohnt noch bei der Mutter, macht alle Frauen an und kommt bei keiner an. Der andere stammt aus Delhi und ist so scheu, dass er in Anwesenheit von Frauen kein Wort hervorbringt.
Vier hochgebildete Irre, eine frische Kellnerin und dazu assortiertes Personal: Das klingt nicht besonders verheissungsvoll, vor allem nicht für eine Sitcom, bei denen die Dialoge flach gehalten werden und die Physik höchstens als Schwerkraft vorkommt. Wie ist dann zu erklären, dass «The Big Bang Theory» mittlerweile in fünfzig Ländern ausgestrahlt wird, im Internet auf allen möglichen Sites diskutiert wird und die Schauspieler zu Helden stemmte?
Weil die Serie brillant mit der Fallhöhe von Abstraktion und Alltag spielt, mit Intelligenz und Sehnsucht, Bildung und Banalität, Galaxien und Hormonen. Weil sie die Figuren gern hat, die sie ironisch vorführt. Weil die hochgestochenen Dialoge auf hinreissend komische Art mit den Banalitäten des Lebens kollidieren. Und weil die jungen Wissenschaftler immer wieder realisieren müssen, dass sie zwar alles wissen, aber nichts verstehen. Für die Hochbegabten erweist sich das als ernüchternde Erkenntnis. Für uns bleibt es ein ziemlicher Trost. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.02.2010, 15:56 Uhr
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2 KOMMENTARE
Alles wissen und nichts verstehen? Hier geht es nicht darum Nerds blosszustellen, sondern im Gegenteil, die Dummheit der Menschheit. Diese Nerds erlauben uns, von aussen aus ihrer Sicht gesehen, einen ungeschminkten Blick auf die Menschheit mit ihrem primitiven Bedürfnis für Soziale Oberflächlichkeiten, Sport am TV, Habgier und Mobbing. Die Beste Serie die ich je gesehen habe.
Man sollte vielleicht erwähnen, das die deutsche Synchronisation dieser Serie eine echte Beleidigung ist. Es ist zwar schwer geeignete Stimmen zu finden, aber hier merkt man einfach das sich die Verantwortlichen absolut keine Mühe gegeben haben, sondern die erstbesten Sprecher besetzt haben (Rajesh's Sprecher ist nichtmal Sprecher, sondern Autor).
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