«Battlestar Galactica»

Die fatalste Versuchung, seit es SciFi gibt.

Tricia Helfer als geklonter Mensch in Battlestar Galactica.

Info

«Battlestar Galactica» auf DVD: Die vierteilige Pilot-Serie sowie die 1. bis 3. Staffel sind auch auf Deutsch erhältlich, die 4. nur auf Englisch (alle Ländercode 2), ca. 50 bis 70 Fr.

Billige Kostüme, wacklige Kulissen und zweitklassige Spezialeffekte, gepaart mit mittelmässigen Schauspielern, die sich als zweidimensionale Figuren durch dünne Geschichten mogeln - mit alledem verbindet man Sciencefiction am Fernsehen. Nicht ganz zu Unrecht, das Genre erreichte spätestens mit dem vorzeitigen Ende der x-ten Star-Trek-Serie «Enterprise» Anfang 2005 einen inhaltlichen wie kommerziellen Tiefpunkt.

Doch dann erschien, fast zeitgleich, «Battlestar Galactica» (BSG) am Bildschirm und trat den Beweis an, dass es auch anders geht. «Best TV SciFi ever» titelte das «Rolling Stone Magazine», und für einmal waren sich Fans und Kritiker einig. Bezeichnend für das aktuelle Jahrzehnt, das Imitation und Nachahmung zur Kunstform erhoben hat, handelt es sich bei BSG um eine Neuauflage einer Serie aus den späten 70ern. Während man sich das Original nur noch mit sehr viel gutem Willen anschauen kann - es erfüllt sämtliche eingangs erwähnten Schwächen des Genres geradezu exemplarisch -, besticht die ab 2004 produzierte Version mit Spannung, komplexen Charakteren und bombastischer Action.

Die Rahmenhandlung ist dieselbe geblieben. In einer fernen Zukunft ist die Menschheit durch eine von ihr selbst erschaffene Rasse von Robotern, den Zylonen, nahezu ausgelöscht worden. Ein zufällig zusammengewürfelter Trupp von Überlebenden bricht zu einer Suche mit ungewissem Ausgang auf. Ihr Ziel ist jener Planet, den ihre Vorfahren vor langer Zeit verlassen haben und von dem nur noch Legenden übrig sind, die Erde. Die Flucht der auf wenige Tausend dezimierten Rumpfmenschheit findet unter dem Schutz des einzig übrig gebliebenen Schlachtschiffs statt, das der Serie ihren Namen gibt.

Guter Start, schwaches Finale

Ansonsten ist fast alles anders. Die Spezialeffekte haben Kinoniveau und glänzen mit «realistischen» Details wie dem Verzicht auf Lasergefechte im Weltraum - hier wird mit guten alten Projektilen gefeuert. Die Charaktere sind alles andere als aalglatt, zeichnen sich beispielsweise durch Trink- oder Sexsucht aus, sind oft weder mit sich selbst noch miteinander im Reinen. Sie sind von Zweifeln gequält und regelmässig von ihren Aufgaben überfordert. Dargestellt werden sie von einem brillanten Ensemble, zu dem sowohl gestandene Schauspieler wie Edward James Olmos («Miami Vice») oder Mary McDonnel («Dances with Wolves») zählen als auch unverbrauchte Talente wie Katee Sackhoff oder das ehemalige Fashionmodel Tricia Helfer.

Letztere verkörpert das Zylonen-Modell «Number Six», die fatalste Versuchung, seit es Sciencefiction gibt. Denn die Roboter-Rasse kommt in der Neufassung nicht mehr als ungestüme Blechkästen daher, sondern hat mithilfe der Gentechnologie menschliche Züge angenommen. Ein Grossteil der Spannung ergibt sich denn auch aus der Frage: Wer ist wirklich ein Mensch und wer vielleicht doch ein als Schläfer unter den Manschen lebender Zylone? Ein Erfolgsfaktor der Serie ist zudem, dass sie die von Misstrauen, Verzweiflung und Orientierungslosigkeit geprägte gesellschaftliche Stimmung Amerikas nach dem 11. September wiedergibt.

BSG startet fulminant, leider erreicht die Serie aber mit der zweiten Staffel (von insgesamt vier) ihren Höhepunkt. Die letzten beiden Staffeln wären besser ausgefallen, hätte man den Inhalt auf eine gekürzt. Und im Finale, das 2009 lief, in dem alle angestauten Fragen unbefriedigend und im Schnellverfahren aufgelöst werden, schrammt BSG inhaltlich haarscharf am Totalschaden vorbei. Schade und ärgerlich, denn zum Schluss scheinen sich doch wieder einige der Vorurteile gegenüber TV-Sciencefiction zu bewahrheiten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.04.2010, 16:44 Uhr

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