Gundi: «Poppourri» der Funker

Von Patrick Sigrist. Aktualisiert am 22.06.2009

Vom austauschbaren Funk-Act zur gereiften Band mit Pop-Appeal: Die Berner Band Gundi präsentiert ihr neues Album «Walking on the line».

bernerzeitung.ch

Die eigene Linie gefunden: Gundi, die Berner Band präsentiert sich mit neuem Selbstbewusstsein.

Die eigene Linie gefunden: Gundi, die Berner Band präsentiert sich mit neuem Selbstbewusstsein. (Bild: zvg)

Für viele Szenekenner galt Gundi lange als Inbegriff einer belanglosen und damit austauschbaren Funk-Band. Songwriting und Arrangements liessen – wie bei einer Vielzahl von stilistisch ähnlich gelagerten Bands – zu wünschen übrig. Eine eigene musikalische Identität war aus dem Schaffen der Berner kaum herauszuhören. Nun scheint es, als ob dies der Gruppe selbst im Laufe des über zehnjährigen Bestehens bewusst geworden ist. Mit dem Album «Walking on the line» kehren die Musiker, wie sie selbst unterstreichen, dem Zappelfunk den Rücken und beschreiten den Weg zu neuen musikalischen Zielen.

«Walking on the line» wirkt tatsächlich massiv reifer und gefestigter als seine Vorgänger. Die Lead-Sängerin Nina Gutknecht und ihre fünf männlichen Bandkollegen haben definitiv eine eigene musikalische Linie gefunden. Das neue Gundi-Album bietet elf erfrischende Songs im Dunstkreis von Funk, Soul und Pop. Gewürzt wird das musikalische Potpourri mit einem Schuss Blues und Rock.

Gefühlvolle Orgel

Spannend und pointiert arrangierte Bläsersätze treffen auf groovende Bassläufe. Mal rockig rohe, mal melodiös singende Südstaaten-Gitarren liefern die Basis für den eingängigen Gesang. Eine besondere Note bringt die auf dem Song «I know» eingesetzte Bluesharp. Die besonders zarten Töne kommen auf dem von einer höchst gefühlvollen Orgel getragenen «Smooth» zum Zug.

Spass an der Musik

Nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich manifestiert sich der Neuanfang. Der beschwingte Titelsong «Walking on the line», geschrieben von Daniel Flückiger, hat den ebenfalls von der Band selbst realisierten Aufbruch zu neuen Zielen zum Thema. Auch in den anderen zehn, vornehmlich vom Bassisten Flückiger und dem Gitarristen David Joss komponierten und getexteten Songs machen Freiheit, Experimentierfreudigkeit und allem voran der Spass an der Musik den Inhalt aus. Besonders betont wird dieser Themenkreis auf den musikalisch besonders spannenden Songs «Free» und «On the run». Dass auch Nina Gutknecht eine talentierte Texterin ist, zeigt sich in den von der Sängerin geschriebenen Stücken «Heavenly» und «Loser».

Plattentaufe am Freitag

Für die Taufe von «Walking on the line» kehren Gundi morgen Freitagabend zurück an den Ort, an dem 2007 ihre letzte Live-CD entstanden ist: in die altehrwürdige Mühle Hunziken in Rubigen. Ansprechendes neues Material und die Erfahrung aus über 150 gemeinsam gespielten Konzerten versprechen einen gelungenen Abend.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 22.06.2009, 15:21 Uhr

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