Tonio: Das Spiel mit der Melancholie
«Musik drückt Gefühle aus, für die Worte alleine nicht mehr reichen würden.» Für den Murtner Tonio Walter alias Tonio ist Musik eine Art nonverbale Kommunikation, die jeder Mensch verstehe. In den Songs auf seinem neuen Album «Casablanca-Retour» singt er über Erfahrungen, Erlebnisse und Themen, die ihn beschäftigen. Im Eröffnungssong «Vier Dimensione» beispielsweise schildert der Murtner seine eigene Vision von Liebe und Zweisamkeit.
Einige der Songs sind auf einer Reise durch Marokko, mit Halt in der Hauptstadt Casablanca, entstanden. Meist textet er seine poetischen Phrasen aus dem Bauch heraus: «Das Konstruieren von Songs liegt mir nicht. Ich kann es nicht verhindern, dass meine Emotionen hörbar sind. Sie führen mich zu einer Melodie», erklärt der 36-Jährige. Durch die Musik könne er sich von traurigen oder belastenden Einflüssen befreien.
So einfach, wie es scheint, sei das Schreiben von Songs aber nicht. «Ich lerne immer wieder dazu. Es ist ein Prozess, an dem man hart arbeiten muss», erklärt der Musiker. Bereits im Alter von 11 Jahren erlernte er das Gitarrenspielen, anschliessend machte sich Tonio mit dem Klavier vertraut, als 14-Jähriger schrieb er seine ersten Lieder. Später versuchte er sein Glück in verschiedenen Bands. Da jeweils die musikalische Harmonie fehlte, startete er vor vier Jahren seine Solokarriere. Sein musikalisches Schaffen unterstützt er mit dem eigenen Label Auenland Records und seiner Künstleragentur.
«Modernität ist nicht immer nur gut»
Die Musik von Tonio könnte man als schlicht, poppig und melancholisch beschreiben, wäre da nicht sein Hang, alles zum Positiven zu wenden und kritisch zu hinterfragen. Im Song «Mir si modern» macht er sein Publikum auf den Modernitätswahn aufmerksam: «Modernität ist nicht immer nur gut», lautet sein Fazit.
Der Songwriter interessiert sich zudem für die Geschichte, «weil sie uns sagt, wer wir sind und woher wir kommen», sagt er. Auf «Casablanca-Retour» treffen sich die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft: «das erkennt me ersch, wenn scho z spät isch, wenn nüm z mache isch», singt er. Dass seine poetischen Texte nicht beim ersten Hören erkennbar sind, macht nichts: Seine Stimme und die Musik sprechen für ihn. (mau/pd)
Erstellt: 26.05.2010, 09:25 Uhr
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