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Duke: Der etwas andere Rapper

Von Fabian Sommer. Aktualisiert am 28.01.2010

Dieser junge Mann im braunen Rollkragenpulli ist irgendwie anders als die anderen Rapper aus Bern. Er versammelt Geigen- und Banjospieler auf seiner CD, steht mit einem Kinderchor und irischen Stepptänzerinnen auf der Bühne.

bernerzeitung.ch

Er nimmt einen Song mit Schlagersängerin Daniela Simmons auf, der Zweitplatzierten am Eurovision Song Contest 1986. Er reist nach Los Angeles, um sein Debütalbum von Dave Aron mischen zu lassen, der an den Konzerten von Überrapper Snoop Dogg am Mischpult steht. Und dieser junge Mann im Rollkragenpulli rappt in englischer Sprache.

Der junge Mann heisst Oliver Doogue, wohnt ihn Schliern und nennt sich als Künstler Duke. Seine Mutter ist Dänin, der Vater Ire. Mit knapp vier Jahren kommt er in die Schweiz, bis heute hat er nur den irischen Pass. Er wächst in Köniz auf, Anfang der Neunziger gerät er eher zufällig in die Hip-Hop-Szene. Breakdance, ein bisschen Rappen, zum Spass. Im Jahr 2000 nimmt sich sein Halbbruder das Leben. Damals, sagt Duke, habe es bei ihm Klick gemacht: «Ich wollte Musik machen, Texte schreiben.» Vielleicht sei das für ihn auch ein Weg gewesen, mit dem Tod seines Halbbruders fertig zu werden, meint er.

Die Musik, das Texteschreiben, das Rappen wird zur Sucht. Duke ist ein krankhafter Perfektionist, das sagt er selber so. Tag für Tag feilt er fortan an Texten, an Beats, an perfekten Songstrukturen. Für sein Debütalbum nimmt er nicht weniger als 57 Songs auf, 19 schaffen es auf die CD. Fünf Jahre vergehen, bis er mit «Diary Scraps» zufrieden ist.

Und jetzt ist es da, das erste Album. Und es tönt irgendwie anders als die anderen Rap-Alben aus Bern. Die Refrains sind gesungen, die Melodien von echten Musikern mit echten Instrumenten eingespielt. Duke ist kein Poet wie Greis, er hat nicht den Flow von Baze. Aber Duke ist immer auf dem Punkt, seine Reime haben Hand und Fuss, er erzählt Geschichten, die man ihm glaubt. Vor allem aber tönt sein Sound nach G-Funk, nach Westcoast, auch nach seiner Heimat («Irish Eyes»). Alles sehr melodiös, sehr eingängig, sehr perfekt, sehr massentauglich eben. «Diary Scraps» ist eine CD geworden, die eine pubertierende Siebtklässlerin ebenso begeistern könnte wie den strengen Musikkritiker der NZZ.

Nun ist es ja so, dass es jeder andere Rapper hassen würde, wenn so über seine Musik geschrieben würde. Duke ist auch in dieser Beziehung anders, Szenen und Schienen sind ihm ganz egal. «Ich weiss, dass ich einen ziemlich kommerziellen Geschmack habe», sagt der 31-Jährige gar.

Alles in allem also spricht nicht viel dagegen, dass Duke und seine Sheltics mit dem Debütalbum den Durchbruch schaffen. Das allerdings interessiert den Meister höchstens aus einem Grund. Wenn er irgendwann von der Musik leben könnte, sagt Duke, hätte er endlich mehr Zeit fürs Arbeiten an seinen Songs. An seinem 70-Prozent-Job im Büro nervt ihn nur eins: «Dass ich so viel Zeit verliere, die ich in die Musik investieren könnte.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 28.01.2010, 10:16 Uhr


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