«Im Huli chli löie» – Berndeutsch durch den Sommer

«Gänggele» und ­«plegere»: Früher kümmerte sich die Wissenschaft um den Berner Dialekt. Wer springt heute für die alten Wörter in die ­Bresche?

«Im Huli chli löie» heisst so viel wie «an einem Kuschelort  ausruhen». Cartoon: Max Spring

«Im Huli chli löie» heisst so viel wie «an einem Kuschelort ausruhen». Cartoon: Max Spring

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Still und leise wurde der Bärndütsch-Verein letztes Jahr aufgelöst. Grund: Die 1991 gegründete Vereinigung litt an Überalterung, es liessen sich keine jungen Mitglieder mehr finden. Bereits einige Jahre zuvor wurde die Professur für Dialektologie an der Universität Bern aufgehoben.

«enang heuke»

(einander necken)

Während Berndeutsch auch dank Poetry-Slam in der Literatur angesagt ist, gibt es immer weniger Menschen, die sich vertieft mit dem berndeutschen Dialekt auseinandersetzen.

«mau nid kömerle, nume gänggele»(die Einkäufe für einmal auf der Seite lassen und nur Süssigkeiten erstehen)

Wer mehr über das Berndeutsche wissen will, landet darum beim alten «Berndeutschen Wörterbuch» von Otto von Greyerz und Ruth Bietenhard oder bei der Website Berndeutsch.ch. Sie funktioniert als modernes Wörterbuch.

«Höibeeri habere u Beieliträichi  lüdere»

(Heidelbeeren essen und ein Süssgetränk trinken)

Kreiert wurde die Seite im Jahr 2000 von Stephan Burkard. Der Solothurner Informatiker war damals bei einem Aargauer Unternehmen angestellt, das mit dem «Thuner Tagblatt» zusammenarbeitete. Damit es mit dem gegenseitigen Sprachverständnis klappte, programmierte er augenzwinkernd ein kleines Wörterbuch.

«chosle»

(mit Wasser spielen)

Die Seite verbreitete sich. Heute hat sie über 10'000 Nutzer im Monat. Man kann Begriffe suchen – aber auch nicht erfasste Wörter eingeben. Mittlerweile sind über 7800 Einträge erfasst. Überprüft werden sie von Berndeutsch-Profis, die zuvor dem aufgelösten Bärndütsch-Verein angehörten. Sie haben Berndeutsch-Lernbücher verfasst oder unterrichteten Berndeutsch an Volkshochschulen.

«uf em Ruebett plegere»

(faul auf dem Sofa herumliegen)

Nur wenige Begriffe werden neu aufgenommen, denn oft sind die Begriffe Doubletten oder keine berndeutschen Wörter. Alle arbeiten ehrenamtlich. Und ja, die Website sucht dringend Nachwuchs.

«dürhar umehulanere»(ständig ziellos herumstrolchen)

(Berner Zeitung)

Erstellt: 18.06.2017, 10:51 Uhr

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