Kultur
Vom Kloster zur Kehrichtanlage
Von Stefanie Christ. Aktualisiert am 09.09.2010
Schulhäuser, Kirchen, Friedhöfe – oder eine Kehrichtverbrennungsanlage: An diese Orte führt uns das Leben heran. Wie man mit Kranken umgeht oder welcher Stellenwert Bildung zugesprochen wird, lässt sich an den Räumen ablesen, die für diese Zwecke gebaut sind. Und wie die mittelalterliche Kirche spricht auch die Kehrichtverbrennungsanlage aus dem 20. Jahrhundert über ihre Zeit. Der Denkmaltag lädt dazu ein, sich mit dem Lauf des Lebens im Wandel der Zeit auseinanderzusetzen.
Psychiatriezentrum Münsingen
Der Casinosaal auf dem Gelände des Psychiatriezentrums Münsingen wurde in Friedrich Glausers Roman «Matto regiert» zum Schauplatz düsteren Geschehens. Der prächtige Bau wurde vom Architekten Adolphe Tièche zwischen 1892 und 1895 erstellt. Prägend sind der offene Dachstuhl, ein hoher Bühnenraum und die einzigartigen Quadermalereien des Backsteinbaues. 2007 hat das Architekturbüro Atelier 5 den Saal restauriert.
Friedhof Bümpliz
In der Kunst spielt der Kreislauf des Lebens eine zentrale Rolle. Darum wurde in den Neunzigerjahren der Huttwiler Künstler Schang Hutter eingeladen, den Friedhof Bümpliz zu bespielen – ein einzigartiges Zusammenwirken im öffentlichen Raum ist entstanden. Neben seinen Skulpturen, einem Wasserlauf und einem Teich können die Besucher über den Fluss des Lebens von der Kindheit bis zum Tod nachdenken.
Kloster Visitation Solothurn
679 wurde das Kloster der Visitandinnen in Solothurn errichtet, der Friedhof der Schwesterngemeinschaft befindet sich im Klostergarten. Eine offene Kapelle überrascht dort mit einer herrlichen Wandmalerei über einem kleinen Altar: Überragt von einer Madonna wurden alle Namen der hier verstorbenen Schwestern in runde Medaillons geschrieben, die wie Blätter einen mächtigen Baum schmücken.
Kehrichtanlage Thun
Kehrichtverbrennungsanlage – bei diesem Wort denkt man eigentlich nicht an herausragende Architektur. Der Berner Architekt Andrea Roost hat in Thun bewiesen, dass ein funktionaler Gebäudekomplex ansprechend sein kann: Für die Kehrichtverbrennungsanlage an der Allmendstrasse hat er sich für Sichtbeton und Glas entschieden; die beiden Materialien lässt er in kubenförmigen Gebäudeteilen ineinander übergreifen.
Basilique Notre-Dame Fribourg
Ende des 12.Jahrhunderts wurde die älteste Kirche Freiburgs errichtet, derzeit wird sie renoviert – Führungen zeigen die Baugeschichte der romanischen Basilika. Im 18. und 19.Jahrhundert fand die letzte grosse Renovation statt. Die mittelalterlichen Malereien blieben erhalten, unter anderem eine Kreuzigungsszene über dem Altar. Das Chorgestühl aus Eichenholz wurde um 1300 erschaffen. Es gilt als das älteste in der Schweiz.
Europäische Tage des Denkmals: am 11. und 12. September, alle beteiligten Institutionen: www.hereinspaziert.ch. Podium: heute Abend, 18.30 Uhr, Kornhausforum: «Denkmale und Energie». (Berner Zeitung)
Erstellt: 09.09.2010, 10:19 Uhr





