Kultur

Wie man einen US-Präsidenten grillt

Mit «Frost/Nixon» kommt das legendärste Interview aller Zeiten in die Kinos. Stärker noch als der Film ist die Realität: Wir zeigen Video-Ausschnitte von Nixons Demontage durch den Entertainer David Frost.

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Präsident Richard M. Nixon erklärt am 9 August 1974 wegen des Watergate-Skandals seinen Rücktritt.

   

Watergate-Skandal

Im Juni 1972, fünf Monate vor den Präsidentschaftswahlen, waren fünf Männer in das Hauptquartier der Demokratischen Partei eingebrochen, das im Watergate-Gebäudekomplex in Washington untergebracht war. Die Ermittlungen führten direkt ins Zentrum der Macht: Der republikanische Präsident Nixon und seine Mitarbeiter hatten nicht nur den Einbruch, sondern eine Reihe weiterer Straftaten initiiert, um dem politischen Gegner zu schaden. Ein Mitarbeiter des Weissen Hauses enthüllte vor einem Kongressausschuss, dass Nixon in seinem Amtszimmer eine Abhöranlage eingebaut hatte. Auf richterlichen Befehl musste der Präsident die Tonbänder herausrücken; es stellte sich heraus, dass Nixon die Untersuchungen des FBI behindert und vorgeschlagen hatte, den Einbrechern Schweigegeld zu zahlen. Nach der Weigerung des Präsidenten, an der Aufklärung mitzuwirken, und massiven Versuchen, die Untersuchungen zu behindern, leitete das Repräsentantenhaus ein Verfahren zur Amtsenthebung ein, der Nixon durch seinen Rücktritt am 9. August 1974 zuvorkam.

Film «Frost/Nixon»
Der US-Regisseur Ron Howard hat das Duell zwischen Frost und Nixon auf die Leinwand gebracht. Frank Langella spielt Richard Nixon, Michael Sheen ist David Frost. Das fünffach oscarnominierte Polit-Drama kommt am 12. Februar in die Schweizer Kinos.

45 Millionen Zuschauer wurden 1977 Zeugen einer Redeschlacht zwischen dem britischen Entertainer David Frost und dem ehemaligen US-Präsidenten Richard Nixon. Zum Zeitpunkt des Interviews hatte sich Nixon drei Jahre der Öffentlichkeit verweigert, nachdem er in Folge des Watergate-Skandals als bisher einziger US-Präsident 1974 zurücktreten musste (siehe Box).

Nixon witterte in dem Interview die Chance, sich in der Öffentlichkeit zu rehabilitieren, vielleicht sogar wieder ein Amt anzustreben. In Frost sah der rhetorisch brillante Republikaner den idealen Interviewer für seine Zwecke: Der Engländer hatte bisher kaum Politiker befragt und war, nachdem seine Promi-Talkshow abgesetzt wurde, auf dem absteigenden Ast. Nixon knüpfte Frost für das Interview gar 600'000 Dollar ab – zum Entsetzen der gestandenen US-Journalisten, die Frost «Checkbook-Journalism» vorwarfen.

Unterschätzter Interviewer

Doch es sollte ganz anders kommen. Frost studierte seinen Gegner akribisch und entwickelte mit seinen Beratern, dem erfahrenen Reporter Bob Zelnick und dem Autor James Reston, eine ausgeklügelte Gesprächsstrategie. Bereits mit der Eröffnungsfrage «Warum haben Sie die Watergate-Tapes nicht verbrannt?» trat Frost äusserst selbstbewusst auf. Nixon, zu diesem Zeitpunkt noch Herr der Lage, gab sich schuldfrei. Auf die Frage «Warum haben Sie die Schweigegeldzahlung nicht gestoppt?» geriet er allerdings ins Wanken:

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Das Gespräch wurde an zwölf Tagen aufgezeichnet. Es dauerte insgesamt 28 Stunden und war eine Schlacht der Argumente bei der Frost sowie Nixon um ihr professionelles Überleben kämpften und bei der es nur einen Sieger geben konnte. Da war Nixon mit seinem grossen Können zum Ausweichen. Und da war Frost mit seinem Talent, Menschen zum Reden zu bringen. Zum Beispiel, als er seinen Gegner im Laufe des Gesprächs zur Legalität seiner Handlungen befragte und Nixon zur Empörung der halben Welt antwortete: «Wenn der US-Präsident etwas tut, kann es nicht illegal sein.»

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Im Finale zog Frost dann alle Register seines unterschätzten Könnens: «Das würde ich gerne von Ihnen hören: Ich lähmte das amerikanische Volk mit zwei Jahren sinnloser Agonie - und bitte es um Verzeihung.»

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Und tatsächlich antwortete der in die Enge getriebene Ex-Präsident: «Ja. Ich täuschte das amerikanische Volk. Und daran werde ich bis ans Ende meines Lebens tragen.»

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Richard Nixon ist 1994 im Alter von 81 Jahren gestorben. Eine Umfrage ein paar Monate vor seinem Tod ermittelte, dass die Mehrheit der Amerikaner ihm nicht vergeben hat. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.02.2009, 11:03 Uhr

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2 Kommentare

Thomas Vonarb

12.02.2009, 11:52 Uhr
Melden

Nixon zeigt Grösse mit seinem Schuldeingeständnis. Von Bush wird man solche Sätze niemals hören . Antworten


albert muri

10.02.2009, 22:39 Uhr
Melden

Verglichen mit dem letzen Exemplar war Nixon nur ein niedlicher Hamster. Antworten



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