«Kleine Filme haben es schwerer»

Von Michael Gurtner. Aktualisiert am 26.05.2009

Luki Friedens Film «Tausend Ozeane» wurde in Cannes gezeigt und ist jetzt auf DVD erschienen. Der Thuner Regisseur über die Reaktionen auf seinen Zweitling, kommerziellen (Miss-)Erfolg – und seine neuen Kinoprojekte.

Luki Frieden zeigt die Richtung an: Der Thuner Regisseur bei den Dreharbeiten zu «Tausend Ozeane» in einem Wald bei Bern.

Luki Frieden zeigt die Richtung an: Der Thuner Regisseur bei den Dreharbeiten zu «Tausend Ozeane» in einem Wald bei Bern. (Bild: Patric Spahni)

Frieden signiert bei Thalia

Der Thuner Regisseur Luki Frieden ist am Donnerstag, 28. Mai, von 19.30 bis 21 Uhr bei Thalia im Thuner Bälliz zu Gast. Dort spricht er mit Besuchern über seinen zweiten Spielfilm, das Drama «Tausend Ozeane», und signiert die brandneue DVD, die ab Donnerstag im Handel ist. Die DVD bietet neben einem «Making of» und einem Musikvideo auch einen Audiokommentar, bei dem Frieden während 90 Minuten in die Geheimnisse hinter dem Film einführt. Auch Friedens in Thun gedrehtes Spielfilmdebüt «November» liegt als DVD auf.

Luki Frieden, Ihr zweiter Kinofilm «Tausend Ozeane» handelt von einem jungen Mann, dessen Leben von einer Sekunde auf die andere völlig auf den Kopf gestellt wird. Was war für Sie das berührendste Erlebnis im Zusammenhang mit dem Film?
Bei Filmvorführungen traf ich auf Menschen, die dasselbe in ihrer Familie erlebt haben. Sie waren tief berührt und sagten mir, dass mein Film ihnen eine Tür geöffnet habe. Offenbar wirkt er trotz aller Härte tröstend und befreiend, weil das Thema das Filmes uns alle einholen wird. Wir müssen alle einmal alles loslassen und in eine neue Welt eintreten.

Die Kinogänger gaben dem Film in einer Umfrage auf cineman.ch sehr gute Noten. Ein kommerzieller Erfolg war die 2,8-Millionen-Produktion aber nicht...
Mein Film kam bei ganz vielen Leuten sehr gut an. Er lief jetzt grad in Cannes und eröffnet auf der Insel Norderney im Nordmeer den Galaabend. Aber es stimmt: Der kommerzielle Erfolg hält sich in Grenzen.

Warum?
Es gibt verschiedene Gründe. Wir hatten nur drei Filmkopien im Umlauf und keine Werbegelder. Kleine Filme, die an die Substanz gehen, haben es im Markt meist schwerer. Je tiefer man taucht, umso dunkler wirds. Wer das nicht mag, bleibt an der Oberfläche und schaut sich am Sonntagabend Rosamunde Pilcher an.

Wieviele Leute sahen den Film?
In der Schweiz waren es etwa 7000. In Luxemburg 2000, was sehr viel ist für ein solch kleines Land. Er war also in Luxemburg prozentual viel erfolgreicher als in der Schweiz. Vielleicht sollte ich auswandern...

Für kleinere Filme sind Festivals sehr wichtig. Konnten Sie da Erfolge verbuchen?
Ja, die Festivals meinten es gut mit meinem Film. Er lief am renommierten deutschen Max Ophüls Preis und an Festivals in Kalifornien, Russland, Deutschland sowie im Wettbewerb des Zürich Filmfestival. Und dass er den Berner Filmpreis gewann, freut mich besonders!

Arbeiten Sie bereits an Ihrem dritten Spielfilm?

Ja, ich arbeite an zwei Kinoprojekten. Das eine ist ein sehr dunkles Familiendrama um eine Giftschlange, das andere ein kommerzielles Projekt, das ich mit der Produktionsfirma entwickle, die «Grounding» produziert hat. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 26.05.2009, 07:58 Uhr

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