Junge schreiben besser als Alte
Aktualisiert am 16.03.2010 25 Kommentare
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Was trägt zur Schreibfähigkeit bei: Die Schule? Das Elternhaus? Angeborenes Talent? Sicher. Laut einer Studie der Stanford Universität spielen aber auch die neuen Medien eine wichtige Rolle. Ausgerechnet!, möchte man sagen: SMS, Facebook und Powerpoint-Präsentationen tragen mit ihrer dümmlichen Diktion zur Verkümmerung der Sprache bei, so ein viel gehörter Vorwurf.
Andrea Lunsford, Projektleiterin der «Stanford Study of Writing», ist anderer Meinung. Die Rhetorik-Professorin hat während fünf Jahren knapp 15'000 Textproben von Studenten untersucht. Darunter waren etwa Aufsätze, E-Mails, Text-Nachrichten und Chatprotokolle. «Wir befinden uns in einer regelrechten Revolutionsphase, was die die Lese- und Schreibfähigkeit angeht», so Lunsford gegenüber dem US-Magazin «Wired»: «So etwas hat es seit den alten Griechen nicht mehr gegeben.»
Aufsatzkultur im Niedergang
Denn: Junge Menschen würden heute bedeutend mehr schreiben, als ältere Generationen. Der Grund dafür liege in der Online-Sozialisation, die meistens über Text abläuft. Dies sei nicht zu unterschätzen: 38 Prozent der studentischen Schreibtätigkeit passiere ihretwegen ausserhalb der Uni. Lunsford weiter: «Vor dem Internet schrieben Leute, deren Job keine Schreibarbeiten erforderte, nichts - ausser obligatorische Schulaufsätze.»
Fragt sich bloss, ob die neue Schreibwut auch stilistische Ansprüche erfüllt. Doch auch hier gibt die Studie Entwarnung. Vor allem das rhetorische Prinzip des «Kairos» – die Fähigkeit, seinen Text so zu formulieren, dass man die Aufmerksamkeit des Lesers gewinnt – hätten die Studenten verinnerlicht. «Die öffentliche und lockere Art und Weise, wie man sich mit modernen Kommunikationsmitteln unterhält, erinnert an die klassische Argumentation der alten Griechen», so Lunsford. Mit der Aufsatzkultur der letzten Jahrzehnte hat dies freilich wenig zu tun – was die vielen negativen Berichte über die Schreibfähigkeit junger Menschen erklärt.
Was ist mit den Smileys?
Man könnte auch sagen: Wer heute schreibt, tut dies häufig für ein Publikum. Was wiederum einen Einfluss auf die Wahrnehmung hat, was einen guten Text ausmacht: Lunsfords Studenten jedenfalls gaben zu Protokoll, dass ein solcher nicht schön formuliert sein soll. Sondern den Adressaten im Idealfall in eine Debatte verwickle oder ihn von einem Argument überzeuge.
Und was ist mit den Emoticons, die angeblich in der Schriftsprache Einzug halten? Laut der Stanford Studie ein Mythos: Obwohl die meisten Studenten privat Emoticons benutzen, fand Lunsford keinen einzigen Smiley in den untersuchten Semesterarbeiten.
Was halten Sie von Facebook-Sprache, Schulaufsätzen und Emoticons? Ihre Meinung interessiert uns. (phz)
Erstellt: 16.03.2010, 15:42 Uhr
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25 Kommentare
diese Analyse mag für Studenten zutreffen. Wie steht es aber mit der Sprachfähigkeit von Schulabgängern der 1. Sekundarschulstufe? Vielleicht sollten auch diese schon vermehrt lernen Artikel statt Aufsätze zu schreiben. Das bedingt recherchiere und beihaltet zugleich sprachliche Auseinandersetzung. Antworten
So, so, statthaft also. Wann erschliesst es sich ihnen, dass die heutige Generation ihre Regeln selbst definiert. Alterstümliches Pochen auf strikte und machmal 100 Jahre alte Schreibweisen und Konventionen, werden grosszügig übersehen. Völlig zu Recht. Antworten
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