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«Die sind alle gehirngewaschen und haben einen an der Waffel»

Von Adrian Zurbriggen, Peter Meier. Aktualisiert am 31.12.2012 10 Kommentare

Der Kabarettist und Kolumnist Andreas Thiel gibt in seinem neuen Programm den Cüpli-Punk. Im Interview spricht er über Anarchismus und Wiedergeburt, humorlose Muslime und satirische Inspiration – und er enthüllt, dass ihn Alexander Tschäppät nicht mehr duzt.

Bern, 16.57 Uhr – die Frisur steht: Der Satiriker Andreas Thiel lässt sich und seine Haare von Andrea Heinrich aufstellen, der Coiffeuse seines Vertrauens.

Bern, 16.57 Uhr – die Frisur steht: Der Satiriker Andreas Thiel lässt sich und seine Haare von Andrea Heinrich aufstellen, der Coiffeuse seines Vertrauens.
Bild: Urs Baumann

Thiel im Gespräch

Andreas Thiel kommt eine halbe Stunde zu spät – aber immerhin im Jaguar. Für das Interview hat der Satiriker einen ungewöhnlichen Ort gewählt: den Coiffeursalon seines Vertrauens im Berner Lorrainequartier. Kein Wunder: Die neue Irokesenfrisur hat deutlich an Stehvermögen und Farbe verloren, muss dringend nachgebessert werden. Denn ja: Das Ding ist tatsächlich echt, nicht aufgeklebt. Der 41-Jährige macht für sein Programm «Politsatire 4» einen auf edel-anarchistischen Cüpli-Rebellen. Drei Pinktöne stehen für die Frisur zur Wahl. Der «einzige Punk, der Steuern zahlt» (Eigenwerbung) entscheidet sich für die knallige Version – wenn schon, denn schon. Während die Coiffeuse färbt, föhnt und sprayt, sitzt der Ex-Bauzeichner und ausgebildete Schauspieler entspannt im Stuhl.

Er parliert mal locker, mal nachdenklich, teilt scharfzüngig aus, redet sich in Rage, wenn es um Politik und staatliche Regulierung geht, um gleich darauf wieder herzhaft über die Welt und sich selbst zu lachen. Freimütig gibt der Subventionsverweigerer, der einst von der Schule flog, Auskunft über sich und seine Sicht auf das Zeitgeschehen. Werden die Fragen allzu privat, blockt der Solothurner mit Basler Wurzeln aber ab: Frau und Familie sind tabu.

Nächste Auftritte

Capella, Bern: 8., 15., 22. und 29. Januar 2013.

Herr Thiel, wenn Sie auf 2012 zurückblicken – wars ein ergiebiges Jahr für einen Humoristen?
Andreas Thiel: Ich habe den grössten Teil dieses Jahres im Himalaja verbracht und darum das Weltgeschehen nur am Rande mitgekriegt.

Dort haben Sie genügend Ideen gefunden für Ihre zahlreichen Kolumnen in unserer Zeitung, der «Weltwoche», der «SonntagsZeitung» und dem «Nebelspalter»?
Ich habe einen ganzen Monat bei Muslimen in Kashmir gelebt, wo Frauen nur mit der Burka das Haus verlassen und die Söhne nach Pakistan in die paramilitärischen Ausbildungscamps der Taliban geschickt werden.

Daraus lässt sich komisches Material generieren?
Der islamische Extremismus ist geopolitisch eines der wichtigsten Themen der Gegenwart. Als Kommentator des Zeitgeschehens kann ich doch nichts Besseres machen, als mal ein bisschen mit Muslimen zusammenzuleben.

Dann spielt es auch gar keine Rolle, wenn das erst einmal überhaupt nicht lustig ist?
Ich hielt das nur aus, weil ich es kommentieren konnte und damit ein Ventil hatte. Ich hätte noch länger bleiben können. Meine Frau hingegen hat nach einem Monat gesagt: Nichts wie weg, sofort! Wir waren zum Beispiel an einer Hochzeit, wo 200 Schafe und 500 Hühner vor dem Haus geschlachtet wurden.

Sie haben also vor Ort Meinungsbildung in Sachen Islam betrieben, weil der Satire eine Meinung zugrunde liegen muss?
Ja. Aber noch bevor man sich eine Meinung bildet, braucht es eine moralische Grundhaltung. Hat man einen neutestamentarischen Ansatz und hält nach der linken Wange auch noch die rechte hin? Oder ist man eher für Auge um Auge, Zahn um Zahn? Je nachdem bildet man sich eine andere Meinung.

Wir nehmen an, dass Ihre moralische Grundhaltung und jene Ihrer Gastgeber in Kashmir kaum deckungsgleich waren.
Das sind Freunde von mir. Aber wir hatten grausame Diskussionen, weil wir durch unsere unterschiedlichen Haltungen stets auch grundverschiedene Meinungen hatten. Wir waren uns nie einig. Dazu etwa, dass sie die jungen Männer zu den Taliban schicken, sagte ich: Ihr schickt sie in den Tod. Sie entgegneten mir, die müssten die Ehre des Propheten retten oder die müssten den Islam vor dem Westen schützen oder einfach nur: Die gehen freiwillig. Da muss man ein dickes Fell haben, um mit diesen Leuten zusammenleben zu können. Ohne klare Haltung sagt man: Das ist halt eine andere Kultur. Ich sage: Die sind alle gehirngewaschen und haben einen an der Waffel.

Sind Sie mit der festen Absicht nach Kashmir gereist, um den Islam zu studieren?
Es ergab sich so. Um den Islam zu verstehen, las ich den Koran noch während unserer Zeit in Island. Doch meiner Frau wars dort auf Dauer zu kalt. Sie wollte an die Sonne, wollte wieder einmal Bäume sehen. Darum gingen wir im Winter nach Südindien. Dort habe ich mich mit den einzigen netten Kashmiri, die ich in ganz Indien getroffen habe, angefreundet. Die haben uns gesagt: Ihr müsst nach Kashmir kommen, das ist die Schweiz von Indien.

Und Sie sind gegangen.
Ich dachte mir, das sei eine gute Gelegenheit, Vorurteile gegenüber dem Islam abzubauen. Aber es war leider wie bei der Lektüre des Koran: Meine Meinung zum Islam hat sich noch verschärft. Das Resultat meiner Studienreise war verheerend.

Trotzdem können Sie sich darüber lustig machen?
Man muss. Unbedingt. Humor ist entwaffnend und dadurch friedensfördernd.

Die Muslime sind nicht gerade bekannt dafür, unseren Humor zu verstehen.
Weil sie im Grund genommen gar keinen haben. Wenn du ihre Witze hörst, denkst du dir: Aha, das geht hier unter Humor. Die sind, böse gesagt, irgendwo im Übergang zwischen Neandertaler und Homo sapiens stecken geblieben.

Dann erzählen sich Muslime in gemütlichen Runden den einen oder anderen derben Witz?
So Witze wie: Weisst du, was das ist, ein Loch mit viel Fett drumherum? Ich erspare Ihnen jetzt die Antwort.

Damit lachen sich die Muslime unter den Tisch?
Ja. Zuerst denkst du: Das ist jetzt halt der Dümmste der Familie, der das erzählt. Aber dann erzählen alle solche Witze. Ich bin mir punkto Humor von den Isländern ja einiges gewohnt. Die sind ja auch sehr derb. Wenn dort in einem Witz keine Vergewaltigung vorkommt, versteht keiner, was daran lustig sein soll. Aber immerhin kommt zuverlässig eine überraschende Pointe.

Von gewissen Schweizer Figuren kommen Sie auch in der Ferne nicht los. Über Doris Leuthard und Alexander Tschäppät mokieren Sie sich immer noch oft.
Die sind halt am Drücker. Moritz Leuenberger regt mich heute noch auf. Aber er ist nicht mehr im Amt. Darum muss ich auch nicht mehr über ihn schreiben. Tschäppät kommt übrigens nicht mehr so oft vor, seit ich weiter weg bin von ihm.

Findet Tschäppät Sie eigentlich witzig?
Ich glaube, nicht mehr so. Seit etwa einem Jahr duzt er mich nicht mehr.

Ist es unlustig, wenn das Satireopfer mitlacht?
Im Gegenteil. Humor zeigt, ob sich jemand zu ernst nimmt. Moritz Leuenberger zum Beispiel nimmt sich selber viel zu ernst. Noch heute, wenn er als Redner an einem Anlass teilnimmt, wo auch ich einen Auftritt habe, verlässt er den Raum, wenn ich die Bühne betrete. Das Gegenteil ist Eveline Widmer-Schlumpf. Sie muss mich regelmässig an Anlässen ertragen, lacht aber trotzdem. Und ich haue sie ja grausam in die Pfanne und lasse kein gutes Haar an ihr. Sie kommt sogar freiwillig in meine Vorstellung.

Sie haben sich 2012 eine radikal neue Frisur machen lassen. War das ein einschneidendes Erlebnis?
Nein. Einmal ratsch! – und weg.

Tragen Sie diese Frisur auch zu Hause?
Ja. Warum nicht?

Weil wir dachten, dass das die Frisur Ihrer Bühnenfigur ist.
Auf der Bühne kann man ja tragen, was man will. Da überrascht kaum etwas. Richtig lustig ist es erst, mit so einer Frisur privat durch die Welt zu gehen. Die Reaktionen und Blicke der Leute auf der Strasse sind grossartig. Alle Fragen zwei Dinge: Machst du dir die Haare selbst? Und: Wie schläft man damit?

Dafür haben Sie sich den Kamm sicher nicht schneiden lassen.
Ich tat es nicht für die Bühne. Es war eine private Entscheidung. Ich trug bereits als 17-Jähriger einen Irokesen. Jetzt sagen meine alten Schulkollegen: Endlich bist du wieder so, wie du bist.

Eine dauerhafte Lösung dürfte die Frisur aber kaum sein.
Das aktuelle Programm spiele ich sicher noch zwei, drei Jahre. So lange wird die Frisur bleiben, weil ich so auf dem Plakat bin. Und so lange werde ich alle zwei Wochen hier, in diesem Salon, meine Frisur nachbessern lassen.

Sie lebten länger in Island, 2012 verbrachten Sie grösstenteils in Indien und auf Bali. In Bern und Zürich haben Sie eine Wohnung. Wo sind Sie zu Hause?
Dort, wo sich gerade meine Zahnbürste befindet. Grundsätzlich fühle ich mich überall dort wohl, wo es Berge hat. Im Himalaja etwa fühlte ich mich sehr zu Hause.

Einen festen Wohnsitz haben Sie also nicht?
Nein. Das wäre eigentlich Bern. Aber die Stadt ist unter Tschäppät zu einer Ansammlung von Verbotsschildern geworden. Darum bin ich gegangen.

In Zürich ist auch eine linke Stadtregierung am Ruder. Ist es dort besser?
Zürich hat mir noch nie gefallen. Wir haben bloss zwei WG-Zimmer dort, weil meine Frau aus Zürich ist. Aber eigentlich kann ich mir das Leben in der Schweiz nicht mehr leisten. Mit den vielen Bussen ist das Parkieren unheimlich teuer geworden.

Was ist denn die Antwort auf diese, wie Sie es nennen, Regulierungswut hierzulande?
Deregulierungswut. Ich bin näher am Anarchismus als an der Sozialdemokratie. So viel Freiheit und Selbstverantwortung wie möglich. Die Zehn Gebote reichen als Gesetzeswerk völlig aus.

Das heisst, aufs Profane heruntergebrochen, jeder parkiert, wo er grad will.
Der Mensch ist vernünftig genug, das Auto nicht mitten auf der Kreuzung zu parkieren. Wobei: In Indien parkieren sie auf der Autobahn – und trotzdem fliesst der Verkehr besser, weil es keine Verbotstafeln drumherum hat.

Der Staat masst sich zu viel an.
Der Staat ist im Grunde ein Abwart, er muss die Infrastruktur bereitstellen. Wenn der Abwart meint, der Chef des Hauses zu sein, kommts nicht gut.

Das führt letztlich auch die Politik ad absurdum.
Politiker führen die Menschen ohnehin nur ins Verderben – besonders wenn sie die Politik zum Beruf machen. Das dürfte es gar nicht geben. Ein Berufspolitiker hat keine Haltung. Er richtet sich nach Umfragewerten und der Mehrheitsmeinung. Denn nur so kann er seinen Job sichern, den der Steuerzahler finanziert. Das ist höchst unanständig.

Gibt es keinen Politiker, von dem Sie sagen: «Doch, der macht einen guten Job.»?
Politik und Macht korrumpieren jeden. Nur ein Beispiel: Jon Gnarr war ein gut verdienender Komiker in Island. Dann stellte er sich zur Wahl als Bürgermeister von Reykjavik. Im Wahlkampf wetterte er gegen hohe Steuern und Überregulierung. Und was tut Gnarr, kaum ist er gewählt? Er erhöht die Steuern, führt neue Gebühren und Regeln ein.

Woher kommt Ihre tiefe Abneigung gegen Politik, Staat und Regeln?
Das ist wohl eine Charakterfrage – und hat weder meinen Eltern noch meinen Lehrern das Leben einfacher gemacht. Menschen, die andern Vorschriften machen wollen, sind mir einfach grundsätzlich zutiefst suspekt.

Haben Sie darum keine Kinder? Die müssten Sie ja erziehen und ihnen Vorschriften machen.
Sagen wir es so: Das Horrorszenario wäre, solche Kinder zu haben, wie ich eines war. Jedenfalls würde ich alle Energie darauf verwenden, ihnen beizubringen, vor der eigenen Tür zu wischen. Und ich würde ihnen beibringen, wie vernünftig es ist, unvernünftige Regeln zu brechen.

Gehen wir zu den schönen Seiten des Lebens: Was bedeuten Ihnen Geld und Luxus?
Als Künstler habe ich natürlich ein Auge für schöne Formen, Farben und Dinge. Meinen alten Jaguar habe ich zum Beispiel nur, weil er ein schönes Auto ist.

Nur deshalb – oder auch, weil sie sich damit abgrenzen und provozieren können?
Nein, das tue ich nur für mich. Was andere darüber denken, ist mir eigentlich egal.

Wie viel Eitelkeit steckt dahinter?
Eine gewisse Eitelkeit gehört zur Grundausstattung jedes Künstlers. Ohne Eitelkeit, behaupte ich, geht keiner auf eine Bühne.

Dann müssen Sie sehr eitel sein. Sie stehen derzeit fast nonstop auf der Bühne.
In den nächsten fünf Monaten sind es im Schnitt rund acht Vorstellungen pro Woche. Daneben schreibe ich noch die diversen Kolumnen.

Das klingt nach einem Vollzeitjob.
Meine Arbeitstage sind tatsächlich länger geworden. Dabei habe ich nicht mal viel davon: Ich verdiene zu wenig, um es vor den Steuerbehörden zu verstecken, und zu viel, um Sozialhilfe zu erhalten. Ich bin genau in dem Segment, das eigentlich nur für den Staat arbeitet.

Sie könnten mehr verdienen, wenn Sie auch im Ausland auf Tournee gingen – Deutschland würde sich anbieten.
Das trügt. Für einen Schweizer Komiker ist Deutschland ökonomisch völlig uninteressant. Hier in der Schweiz zahlen die Leute zwischen 20 und 50 Franken für einen Eintritt – in Deutschland sind es zwischen 5 und 10 Euro. Mit andern Worten: Wenn ich in deutschen Theatern auftrete, zahle ich sogar noch drauf. Also lass ich es. So eitel bin ich dann doch nicht, dass ich dafür zahlen würde, nur damit ich auftreten kann.

Heisst das umgekehrt: Sie machen alles, solange das Geld stimmt?
Ich sage bloss: Mein Beruf ist Komiker. So verdiene ich mein Geld – aber kein Mensch zahlt dafür, seinen Beruf ausüben zu können. Zugleich trete ich aber nach wie vor in all den Kleintheatern auf, in denen ich angefangen habe. Die bezahlen mir heute noch gleich viel wie vor zehn Jahren. Wäre die Höhe der Gage entscheidend, würde ich heute nur noch in grossen Hallen spielen.

Welche Ihrer Branchenkollegen bringen Sie zum Lachen?
Da gibt es einige. Das Duo Nicole Knuth und Olga Tucek zum Beispiel – das Beste, was die Schweiz an Satire derzeit zu bieten hat. Dann Georg Schramm, Massimo Rocchi, Gerhart Polt oder das Duo Duel. Aber viel häufiger als über Kollegen muss ich über das Leben und mich selbst lachen.

Haben Sie ein Beispiel?
Ja, und das hat sogar mit Ihrer Zeitung zu tun. Ich muss jeweils am Freitag meine Kolumne für die Samstagsausgabe abliefern. Vor einer Woche hatte ich am Freitagvormittag eine Vorstellung in Schaffhausen und musste danach gleich nach Arosa fahren, weil ich dort abends am Humorfestival auftrat. Kaum in Arosa angekommen, hatte ich während der Gondelfahrt zum Festivalzelt ein Interview mit dem Lokal-TV. Dann rein ins Zelt zum Soundcheck, raus zum Dreh mit dem Schweizer Fernsehen und wieder rein zum Umziehen in die Garderobe. Inzwischen ist es 17.30 Uhr. Als ich hinter der Bühne höre, wie mein Auftritt angekündigt wird, kommt mein Manager angerannt und fuchtelt mit dem Handy: Die Berner Zeitung frage, wann die Kolumne komme. Ich hatte völlig vergessen, dass Freitag war.

Und dann?
Dann bin ich erst mal auf die Bühne. Während des ersten Auftritts meiner Musiker nach 20 Minuten sagte mein Manager hinter der Bühne, ich müsse die Kolumne bis spätestens 21.30 Uhr abliefern. Er musste mir dann sofort irgendwoher ein Notebook organisieren – und ich habe während jeder Musikunterbrechung geschrieben: immer acht Minuten, dann wieder raus auf die Bühne – 15 Minuten später zurück ans Notebook. Plötzlich sagt dessen Besitzerin, sie müsse jetzt gehen – mit dem Computer. Also schicke ich die Kolumnenfragmente an meine eigene Mailadresse, renne nach der Vorstellung raus, springe auf einen Motorschlitten und rase runter ins Hotel, um an meinem eigenen Notebook weiterzuschreiben

...und – hats gereicht?
Ja, kurz vor 21.30 Uhr habe ich den Text schliesslich abgeliefert. Und dann habe ich nur noch gelacht. Solche Situationen bringen mich echt zum Lachen.

Andere wären gestresst. Sie aber können dann auf Knopfdruck schreiben.
Das geht nur, weil ich mir laufend Notizen mache, wenn mir etwas auffällt. Das heisst: Die wichtigsten Rohstoffe habe ich – Idee und Pointe. Das Schreiben ist dann bloss noch Fleissarbeit.

Zum Schluss: Das neue Jahr steht vor der Tür. Als Punk müssten Sie sagen: «No Future».
Schon als 17-jähriger Punk war «No Future» nie mein Slogan

...sondern?
Den wichtigsten Satz hat mein Schauspiellehrer zu mir gesagt: Stell dir vor, sagte er, du kommst morgens um halb vier nach Hause, es ist bitterkalt, und du bist müde. Wenn du dann in die Jackentasche greifst und dort deinen Hausschlüssel findest – dann ist dein Leben langweilig.

Und das wollen Sie um jeden Preis verhindern.
Ja, denn alles Unerwartete macht das Leben interessanter.

Ihr Leben als Künstler ist allerdings von A bis Z verplant.
Das stimmt. Ich weiss jetzt schon, was ich im Dezember 2014 mache. Das ist tatsächlich ein Aspekt des Berufes, der mir vorher nicht bewusst war. Aber er gibt immerhin Sicherheit.

Die brauchen Sie dann doch?
Ich habe diese Sicherheit nicht gesucht. Sie hat sich ergeben. Man hat mir früher immer gesagt, Künstler sei brotlos und kein Beruf. Heute schaue ich in meine Agenda und merke: Ich bin bis 2014 ausgebucht.

Also gar kein Platz für neue Pläne im neuen Jahr?
Ich habe ganz viele Pläne und Ideen. Für mehr als ein Leben. Aber zum Glück glaube ich an die Wiedergeburt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 31.12.2012, 14:37 Uhr

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10 Kommentare

Matthias Oesch

01.01.2013, 10:56 Uhr
Melden 36 Empfehlung 4

Ich finde es toll, dass auch in der Schweiz sich jemand Satire über humorlose Muslime erlaubt. Mal schauen, ob die Situation deswegen wie in Dänemark zum Brandherd wird. Antworten


Sandra Krummenacher

01.01.2013, 14:11 Uhr
Melden 15 Empfehlung 1

Andreas Thiel hat mich vor einigen Wochen bei einer Vorstellung in Thun sehr überzeugt. Mit viel Witz und Sarkasmus bringt er tiefgründige Themen rüber und regt zum nachdenken an... Es sollte mehr von diesen ehrlichen, kritischen Menschen geben! Antworten



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