Die Seite, die den Hass der Feuilletonisten auf sich zieht
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 16.03.2010 2 Kommentare
Erfolg schafft Feinde: Perlentaucher.de.
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«Ich beginne den Perlentaucher zu hassen», schrieb Hilal Sezgin Anfang Jahr in der Wochenzeitung «Die Zeit». Und meinte das keineswegs ironisch: «Als ein Kollege Ende 2009 zum Brainstorming aufforderte, was man sich im nächsten Jahr ‹wegwünschen› könnte, war die erste Antwort, die mit der Inbrunst eines Herzenswunsches die Stille durchbrach: ‹den Perlentaucher›.»
Sezgin ist längst nicht die einzige Vertreterin klassischer Zeitungen, die beim Wort «Perlentaucher» Hautausschläge bekommen. Zwischen den klassischen Zeitungen und Perlentaucher.de hat sich eine Rivalität entwickelt, die zum Teil gehässige Züge angenommen hat. Da Perlentaucher.de einen Teil seiner Einkünfte über den Verkauf zusammengefasster Buchkritiken verdient, verklagten die grossen Zeitungen, die «Frankfurter Allgemeine» (FAZ) und die «Süddeutsche» den Internetdienst 2006 wegen Verletzung des Urheberrechts – bislang ohne Erfolg, das letztinstantliche Urteil steht allerdings noch aus. Seither prozessierten die FAZ und Perlentaucher mehrmals gegeneinander, wegen Urheberrechtsstreitigkeiten, angeblich falschen Zitaten oder falschen Darstellungen.
«Wer nicht ‹islamkritisch› genug berichtet, wird abgewatscht»
Was haben grosse Zeitungen und renommierte Journalisten dagegen, dass man ihre Artikel kurz zusammenfasst und jeden Morgen um 9 Uhr in einer «Presseschau» veröffentlicht? Zumal insbesondere auch viele Journalisten den Dienst gerne nutzen? Perlentaucher-Mitbegründer Thierry Chervel spricht von einem Kontrollverlust. «Die Revolution frisst ihre Kinder, ihre Väter und ihre Verächter», so Chervel im hauseigenen Blog. Er glaubt, die Journalisten würden sich vor allem daran stören, dass sie wegen des Internets die Deutungshoheit verloren hätten.
In der täglichen Presseschau kommentieren die Perlentaucher-Mitarbeiter die von ihnen zusammengefassten Artikel zuweilen süffisant. Zum Teil veröffentlichen sie sogar eigene Texte auf der Plattform. «Der ‹Perlentaucher› hat erkennbare Vorlieben und Antipathien, er bedient die Eitelkeit der Autoren und Rezensenten», so die FAZ. Hilal Sezgin von der «Zeit» bereitet zudem die politischen Einstellung der anonymen Perlentaucher-Mitarbeiter Mühe: «Jeder, der nicht ‹islamkritisch› genug berichtet, wird abgewatscht, von deftiger ‹Islamkritik› dagegen bekommt der Perlentaucher niemals genug.» Auf der anderen Seite kritisierte Chervel kürzlich in einem umfassenden Rundumschlag das selbstherrliche und selbstreferenzielle Gebaren der Feuilletonisten.
Gestern vor 10 Jahren erschien die erste Perlentaucher-Presseschau. Dass die Seite mittlerweile dermassen angefeindet wird, dürfen die Betreiber durchaus als Kompliment auffassen: Perlentaucher ist zu einer wichtigen und nicht mehr wegzudenkenden Stimme geworden. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.03.2010, 14:39 Uhr
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2 Kommentare
Ich habe mich auch schon auf diese Seite verirrt - wirklich hängengeblieben bin ich aber nicht. Zusammenfassungen von kunst- und geisteswissenschaftlichen Texten bringen rein gar nichts - Subtilitäten und Differenzierungen bleiben auf der Strecke... Antworten
Gäbe es den Perlentaucher nicht, müsste man ihn erfinden. Frischer als viele der politisch korrekt weichgespülten Qualitätsmedien ist er allemal. Dass sich da eine Hilal Szegin betupft fühlt, ist nur symptomatisch. Die Deutungshoheit der Feuilletonisten (bei der TAZ nennen sie sich auf gruslige Art Meinungsmacher) wird durch die witzig-frechen Kommentare im Perlentaucher arg ins Wanken gebracht Antworten
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