Die Lausbübin
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 17.01.2011 26 Kommentare
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Sie denke dauernd an den Tod, sagte Stephanie Glaser vor einem Jahr, das Leben könne von einer Sekunde auf die andere zu Ende sein. Auf die kürzliche Frage, ob ein nächster Film mit ihr folge, hat sie denn auch mit einem «Nein» geantwortet. Falls Sie Angst vor dem Tod gehabt hatte, merkte man es Stephanie Glaser nicht an. Bis zuletzt verzauberte sie die Menschen mit ihrem lausbubenhaften Charme, sogar in Japan oder Amerika, wohin sie der späte Erfolg mit knapp 90 trug.
Der volksnahe, sympathische Charakterzug war ihr Markenzeichen, dafür liebten sie die Fans. Gleichzeitig war es wohl der Grund, weshalb Stephanie Glaser trotz einer Ausbildung am renommierten Reinhardt-Seminar in Wien kaum Rollen in Dramen ergatterte. Sie wurde stattdessen Mitglied des Cabarets Fédéral und auf den Bühnen des Volkstheaters entwickelte sie sich zur gefeierten Komödiantin. In den 70ern festigte die Kurt-Felix-Sendung «Teleboy», wo Stephanie Glaser in Sketcheinlagen «Tante Elise» gab, ihr Image als Ulknudel wohnstubenweit.
Grande Dame des Schweizer Films
Dass sie jetzt als «Grande Dame des Schweizer Films» gewürdigt wird, ist richtig, aber nicht selbstverständlich. In den Fünfzigerjahren debütierte Glaser zwar in Franz Schnyders Gotthelf-Verfilmungen «Uli, der Knecht» und «Uli, der Pächter». Doch bis ihr Potenzial als Filmschauspielerin richtig erkannt wurde, musste zuerst ein halbes Jahrhundert vergehen. Im Jahr 2006, nachdem sie immer wieder in Nebenrollen zu sehen gewesen war, erhielt sie ihre erste Hauptrolle. «Die Herbstzeitlosen» hiess der Film, der sich als einer der erfolgreichsten Schweizer Produktionen herausstellen sollte.
«Mein Weg ging so», sagte die Bernerin einmal über ihre Karriere, «und das war gut so.» Vielleicht spürte Stephanie Glaser, dass mehr in ihr steckte. Dass sie mit ihrem ausgezeichneten Gefühl für Timing und Rhythmus schon früher hätte gross im Film herauskommen können. Falls ja, dann äusserte sich diese Erkenntnis nie in Bitterkeit, im Gegenteil. Stephanie Glaser, die die meisten ihrer alten Kollegen wie Paul Bühlmann, Ruedi Walter und Anne Marie Blanc überlebt hatte, suchte und genoss bis zuletzt den Kontakt und die Arbeit mit jüngeren Menschen, sei es an Festivals oder zuletzt im gesellschaftskritischen Videoclip der «Schule der Unruhe».
Strahlende Unverblümtheit
Leute, die sie kannten, sprechen von ihrem Strahlen, das ansteckend gewesen sei. Andere betonen ihre Unverblümtheit, die im hohen Alter leicht mit Schrulligkeit zu verwechseln war. So setzte sie sich gegen die Sperrung des Zürcher Limmatquais ein, weil sie die Strecke gerne mit ihrem Mini abfuhr. Und einem «Glanz &Gloria»-Moderator verweigerte sie ein Interview, weil dieser schiefe Zähne habe.
Vor allem aber hörte man immer wieder, wie jung sie gewirkt habe. Stephanie Glaser war zuletzt nicht nur die Grande Dame des Schweizer Films, sondern auch die jugendlichste Greisin der Schweiz. In der Nacht auf gestern ist sie kurz vor ihrem 92. Geburtstag gestorben. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.01.2011, 22:24 Uhr
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26 Kommentare
Wiederum ist unser Land um eine unvergessliche Künstlerin und unvergessliche Schauspielerin ärmer. Stephanie Glaser wird uns immer in bester Erinnerung bleiben. Carli Cariget, Margrit Rainer, Inigo Gallo und viele andere sind die unvergesslichen Volksschauspieler denen wir alle sehr viel verdanken. Danke für Euer grosses Wirken. Antworten
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