Das Ende der Sofort-Magie

Aktualisiert am 20.11.2008

Sofortbild-Fotographie war nicht nur eine technische Sensation – sie faszinierte Laien wie Künstler. Nun wird die Produktion von Polaroid-Kameras eingestellt, die Technik ist überholt.

1/17 Chuck Close, «9-Part Self Portrait», veranschlagt auf 40'000 bis 60' 000 Dollar.

   

Die Ära des Polaroid-Sofortbilds endet bald endgültig. Fotoapparate werden schon nicht mehr angeboten, Filme sind nur noch bis nächstes Jahr zu haben. Vor 60 Jahren revolutionierte Polaroid die Fotografie. Auslöser war vier Jahre vorher ein quengelndes Mädchen gewesen: Die Tochter des Physikers Edwin Land wollte nicht mehr abwarten, bis die Schnappschüsse aus den Ferien im Fotolabor entwickelt waren.

Die Idee, Aufnahmen kurz nach dem Fotografieren anschauen zu können, liess Land, der Polaroid sieben Jahre zuvor als Firma der optischen Industrie gegründet hatte, nicht mehr los. Er tüftelte an einer Sofortbild-Kamera bis das Modell 95 am 26. November 1948 zum Preis von 89,75 Dollar erstmals über die Ladentheke ging.

Es folgte ein Siegeszug des Sofortbilds. Spätestens seit dem Verkaufsstart der SX-70 im Jahr 1972 galt Polaroid als extrem angesagt. Wer auf der Höhe der Zeit sein wollte, legte sich die zusammenklappbare Kamera im Taschenbuchformat zu. Mitte der 70er Jahre hatte Polaroid mehr als sechs Millionen Fotoapparate verkauft.

Von Polizisten gehasst

Polizisten geraten heute weniger ins Schwärmen, wenn sie an ihre Arbeit mit Polaroid-Kameras zurückdenken. Mangelnde Bildqualität und die fehlende Detailtreue seien die grössten Schwächen von Polaroid für den Erkennungsdienst gewesen, heisst es bei der Polizei. Ein weiterer Nachteil: Polaroid-Fotos lassen sich nicht vervielfältigen.

Bei der «Kamera mit eingebautem Labor» werden die Fotos durch zwei Walzen geschoben. Dabei verteilt sich eine Entwicklungspaste zwischen Ober- und Unterseite der Polaroid-Fotos, also zwischen Positiv und Negativ. Nicht die Fotoapparate, sondern die Filme waren daher die eigentliche Neuerung.

Von Künstlern geliebt

Um sichtbar zu werden, brauchen die «Polas» bis zu 90 Sekunden. Während dieser Zeit lassen sie sich durch den Einfluss von Wärme und Kälte oder durch Druck verändern. Auch deshalb entdeckten Künstler Polaroids als ihr neues Medium.

Bereits mit der Markteinführung der ersten Sofortbild-Kamera stellte Firmengründer Land den mit Landschaftsfotos berühmt gewordenen Künstler Ansel Adams als Berater ein.

«Die Schwächen von Polaroid sind mein Ansatzpunkt», sagt der in Frankfurt lebende Foto-Künstler Markus Elsner. Bei diffusem Licht entstehe eine bizarre Stimmung, weil die Kamera mit den Farben nichts anzufangen wisse. Das mache sich dann mit einem vorher schwer kalkulierbaren Blau-, Grün- oder Gelb-Stich bemerkbar. «Die Bilder sind absolute Unikate», schwärmt Elsner.

Labor im Hosensack

Die Manager von Polaroid sprechen lieber von der Zukunft als von der Vergangenheit, wozu die Firmenpleite im Jahr 2001 gehört. Die Sofortbild-Technologie werde für das digitale Zeitalter weiterentwickelt, heisst es vom Deutschland-Chef Horst Nikolaus.

Seit Juli 2008 ist ein Drucker namens «PoGo» erhältlich, der in jede Hosentasche passt. Die Idee dahinter lautet, Schnappschüsse von Handys und Digitalkameras ausdrucken zu können - überall und sofort. (mcb/sda)

Erstellt: 20.11.2008, 14:04 Uhr

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