Peter Beck schlägt verblüffende Haken

Der Berner Autor Peter Beck legt seinen zweiten Thriller um die Kultfigur Tom Winter vor. «Korrosion» ist so gekonnt gemacht wie sein Vorgänger, geht aber durch grössere Alltagsnähe noch mehr unter die Haut.

Grosser Erzähler: Peter Beck (50).

Grosser Erzähler: Peter Beck (50). Bild: zvg

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«Ich will Bilder schaffen, die haften bleiben», sagt der Organisationsentwickler Peter Beck, der zu seinem Vergnügen harte Thriller schreibt. Das gelingt ihm schon auf den ersten Seiten seines neuen Thrillers besser, als es einer vorstellungskräftigen Leserin lieb ist: Da wird ein im Backofen caramelisierter Bäcker gefunden, gefolgt von einer alten Frau mit einer Stricknadel im ­Auge.

Und das sind noch nicht die letzten Horrorszenen. Darin gleicht der Berner erfolgreichen skandinavischen Autoren. «Je friedlicher das Land, desto brutaler seine Krimis», sagt er dazu.

Sympathischer Held

Trotzdem kann man Becks neues Buch nicht aus der Hand legen. Schlag auf Schlag geschieht darin Atemraubendes – buchstäblich. Gleich am Anfang droht der Held unter einer Lawine zu ersticken. Und Autor Beck weiss, wovon er schreibt: Bei seiner Rettungsausbildung als Skilehrer musste er sich verbuddeln lassen.

So wie er auch als Judoka die Kniffe kennt, mit denen sich seine Hauptfigur Tom Winter trotz gebrochenem Arm die Verfolger vom Leib hält. Der Sicherheitschef einer Bank ist eine perfekte Identifikationsfigur: unerschrocken und zäh, aber auch einfühlsam und selbstkritisch. Und sympathisch in seinem aufgezwungenen Entscheidungsnotstand, dem Profit zu dienen oder der Gerechtigkeit.

Diesmal jagt Winter nicht weltweit Bösewichte des internationalen Kapitals, sondern kümmert sich um das Testament einer ermordeten reichen Kundin der Schweizer Bank, für die er arbeitet. So gerät er in einen Sumpf aus Missbrauch und Rache, Geiz und Gier; denn die Nachkommen können das Erbe erst antreten, wenn geklärt ist, wer von den dreien den Vater umgebracht hat.

Auf der Suche nach ihnen reist Tom Winter auf die Azoren (wo er sich nebenbei ein wenig verliebt), nach Manchester und Nürnberg. Es sind atmosphärische Schauplätze, die der Autor aus eigener Erfahrung präzise beschreibt.

Raffiniertes Handwerk

Mit «Korrosion» (sogar der Buchumschlag scheint stilecht verrostet) spreche er die Verrohung der Sitten an, die Entwertung von Respekt und Hilfsbereitschaft, sagt Peter Beck, der in Psychologie doktoriert hat.

Das betrifft vor allem den zweiten Handlungsstrang um einen Sudanesen, der nach dem Verlust seiner Familie nach Europa flüchtet. Diese immer wieder eingeschobenen kurzen Kapitel habe er am liebsten geschrieben, sagt der Autor; seine Anteilnahme überträgt sich beim Lesen.

Doch dank geschickt gesetzter Cliffhanger bleibt man vor allem gefesselt von der rasanten Verfolgungsgeschichte, die immer wieder verblüffende Haken schlägt. Das ist Schreibhandwerk vom Feinsten. Die Verlagswerbung «Europas Antwort auf John ­Grisham» erscheint nicht gar so vollmundig.

Peter Beck: «Korrosion», Emons-Verlag, 351 Seiten. Buchvernissage: 22. März, 19.30 Uhr, Orell Füssli im Loeb, Bern. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.02.2017, 14:00 Uhr

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