Bärfuss polemisiert gegen die Schweiz

In einem bissigen Text holt der international bekannte und mehrfach preisgekrönte Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss zu einem Rundumschlag gegen die Schweiz aus.

Scheut die Polemik nicht: Autor Bärfuss. (4. Juli 2015)

Scheut die Polemik nicht: Autor Bärfuss. (4. Juli 2015) Bild: Keystone

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Schon der Titel «Die Schweiz ist des Wahnsinns» macht klar, dass Lukas Bärfuss keine Nettigkeiten verteilt. Der Artikel ist am Donnerstag im Feuilleton der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» erschienen. Es ist ein Pamphlet, in dem der vor allem mit Bühnenstücken bekannt gewordene Autor fast niemanden verschont.

Bärfuss schrieb es spürbar mit Wut im Bauch. Er attackiert die SVP ebenso wie Linke. Und auch die Journalisten kriegen ihr Fett ab. In Anspielung auf die SVP und deren Vordenker Christoph Blocher schreibt der Schriftsteller zum Beispiel: «Was die Schweiz von Ländern wie Frankreich und Österreich unterscheidet, sind die 3,6 Milliarden Privatvermögen, über die der Extremismus hierzulande verfügt.»

In den vergangenen Jahren hat Bärfuss für seine Werke viele Preise gewonnen. Die flüssig geschriebene Polemik in der FAZ erinnert an die Wurzeln des inzwischen etablierten Dramaturgen: Er hat gerne und nicht zu knapp provoziert. Wie er kürzlich im Interview gegenüber dieser Zeitung sagte, ist er zum Beispiel heute noch stolz auf das Schauspiel zum Nationalfeiertag an der Landesausstellung 2002. Dabei trieben als Affen verkleidete Schauspieler ungehemmt auf der Bühne ihr Unwesen. Die Kritik war flächendeckend.

«Trostlose Lage»

Die Lage sei «trostlos», folgert Bärfuss im FAZ-Artikel. «Das Land ist auf dem falschen, rechten Weg. Mit der Kultur geht es bergab und mit den Medien auch.» Das Gleiche gilt nach seiner Einschätzung für die Wirtschaft. Die Schweiz schlittere unweigerlich in ein niedriges Wirtschaftswachstum mit längeren Arbeitszeiten und tieferen Löhnen.

Das kreidet er auch der Linken sowie den Gewerkschaften an. Diese «verharren in einer über Generationen angelernten Bravheit, glauben immer noch an den Arbeitsfrieden und den Sozialvertrag und haben noch immer nicht verstanden, dass sie vom Melker zur Kuh geworden sind».

Ein Grund für die «trostlose Lage» sieht Bärfuss darin, dass die Schweiz zu wenig in internationale Gebilde eingebunden sei. So müsse sie in Zukunft noch mehr internationale Entscheide passiv nachvollziehen: «Die neuen Bestimmungen in allen wirtschaftlichen Bereichen werden die Schweiz in einer Weise verändern, die die Torturen der letzten Jahre als lockere Dehnungsübungen aussehen lassen werden.»

Wenig übrig hat Bärfuss schliesslich für die Medien. Er beklagt sich über die Geschäftsstrategien von Verlagen und knöpft sich gar einzelne Redaktionen oder Journalisten vor: «Beim ‹Tages-Anzeiger› scheinen sie bisweilen nur noch verwirrt zu sein.» (Berner Zeitung)

(Erstellt: 16.10.2015, 08:03 Uhr)

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