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«So ist das also, Motherfucker?»

Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 18.05.2011 9 Kommentare

Tina Fey, die amerikanische Queen of Comedy, hat ihre Memoiren veröffentlicht. Dort klärt sie ein für alle mal die Frage, ob Frauen lustig sein können: Ja, sie können.

1/7 Tina Fey bei den Golden Globe Awards im Januar 2011.

   

Tina Fey: Bossypants. Reagan Arthur, Little Brown, 275 Seiten.

Korrektur-Hinweis

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Das Buch kommt einigermassen harmlos daher, eine schöne Frau auf dem Cover, ein knackiger Titel: «Bossy Pants». Erst auf den zweiten Blick fragt man sich: Warum hat die hübsche Dame so haarige Arme? Noch nie was von Unterarm-Waxing gehört? Und warum grinst sie so süffisant? Oder ist das - wääk - am Ende ein Mann?

Allein unter Männern

Nein, es ist die Schauspielerin Tina Fey, auch Queen of Comedy genannt. 1999 mischte sie als Sketch-Schreiberin die Bubentruppe bei «Saturday Night Live» auf, avancierte zur Chefschreiberin mit dem Ruf, der Kapo des Trupps zu sein. 2006 bekam sie ihre eigene Show «30 Rock», an der 200 Leute mitarbeiten. 2008 landete sie mit ihrer Sarah-Palin-Parodie einen Grosserfolg, fand ein Millionenpublikum und wurde mit zahlreichen Preisen für ihre Arbeit geehrt. Jetzt legt die knapp 42-Jährige mit «Bossy Pants» ihre Memoiren vor. Die aber gar nicht so sehr Memoiren sind, als eine kritische, tiefgründige und vor allem unglaublich lustige Reflexion darüber, wie sie in einer männerdominierten Welt ihren Mann steht.

Feys Geschichte beginnt denn auch nicht damit, wie sie ihre Mitschüler zum Lachen brachte, sondern mit dem Einbruch der Realität in ihre behütete Kindheit: Klein Tina begleitet ihre Mutter zu einem Vorgespräch im Kindergarten, wo sie zum Zeichnen an einen Tisch mit einem Jungen gesetzt wird. Gewohnt, für jedes ihrer kreativen Werke Lob zu ernten, zeigt Tina dem Jungen stolz ihre fertige Zeichnung – der sie sofort zerreisst. «Ich verfügte damals noch nicht über die sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten, aber ich dachte so etwas wie: Oh, so ist das also, Motherfucker? Ich habs begriffen.»

Zieh dein Ding durch

Die Welt ist in ihrer aggressiven Gleichgültigkeit mehr oder weniger dieselbe geblieben. Nur dass Fey inzwischen die entsprechenden Mittel und Worte gefunden hat, um sich durchzusetzen. Sie erzählt von ihrer Sozialisierung als weisses Mädchen aus der Vorstadt mit griechischen und deutschen Vorfahren, von ihrem Heranwachsen in einer Welt, in der Frauen vor allem an ästhetischen Gesichtspunkten gemessen werden – woran die zunehmende Selbstermächtigung der Frau gar nichts geändert hat.

Bereits ihre dreijährige Tochter, so Fey, habe begriffen, dass blondes Haar King sei. «Geben wir es zu, blondes Haar hat magische Kräfte. Man könnte einen elektrischen Wasserkocher mit einer blonden Perücke bestücken und es würde irgendein Kerl versuchen, ihn zu bespringen.» Anstatt sich über so etwas zu grämen oder es zu bekämpfen, sollten Frauen ganz einfach darüber hinwegsehen. Schliesslich biete ihnen die Welt heute ganz andere Möglichkeiten, als einfach nur nett auszusehen. Es liege an ihnen, diese Chancen zu ergreifen.

Wie, das zeigt Fey am Beispiel ihrer Kollegin Amy Poehler. Bei ihrem ersten Tag bei SNL witzelte Poehler herum, war laut, machte schmutzige Witze und benahm sich unladylike. Ein Kollege wandte sich ihr zu und sagte mit weinerlicher Stimme: «Mach das nicht. Das ist nicht hübsch. Ich mag es nicht.» Poehler schnauzte ihn an: «Es ist mir scheissegal, ob du es magst.» Damit habe sich ein «kosmischer Wechsel» angekündigt, so Fey. Amy habe gleich am ersten Tag klar gemacht, dass sie nicht in der Show war, um in den Szenen der Jungs als Hausfrau und Freundin aufzutreten. Das, so Fey, sollten sich Frauen zu Herzen nehmen. «Zieh dein Ding durch und lass es dir egal sein, ob es den andern passt.»

Gender-Fettnäpfchen umschifft

So umschifft Fey elegant alle Gender-Fettnäpfchen. Ihre Geschichte folgt nicht der Ideallinie. Die bösen Männer wollten mich draussen halten aber ich habe es geschafft, obwohl ich eine Frau bin. Ihre Storyline geht so: Ich war ein Mädchen, das T-Shirts und Radlerhosen trug, aber weil ich verdammt gut war, eroberte ich das Comedy Business. Nur um festzustellen, dass die Männer in den Büros von Saturday Night Live die Angewohnheit haben, in Pappbecher zu pissen, weil ihnen der Weg zur Toilette zu weit war.

«Ich hatte definitiv noch nie zuvor gehört, dass irgend jemand in einen Becher pisst, den Becher in seinem Büro stehen lässt, bis die Pisse verdunstet und über die Poren im Gesicht wieder in den Körper aufgenommen wird.» Wenn sie gefragt werde, ob es einen Unterschied gäbe zwischen männlichem und weiblichem Humor, dann sage sie: «Es gibt definitiv einen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Sketch-Schreibern. Männer urinieren in Becher.»

Comedy, so Feys Fazit, ist auch nicht sexistischer als andere Branchen. Männer machten Comedy, um Regeln zu brechen. Frauen, die hier arbeiten, seien hingegen alles freundliche Hochschulabsolventinnen. Vielleicht machen sie Comedy, weil hier die Frauen in den letzten zehn Jahren einiges an Boden gut gemacht haben. Aber das Ziel könne nicht sein, dass man einen Job kriegt, weil man eine Frau ist. Sondern weil man die Beste ist für den Part. Feys Karriere-Tipp für junge Frauen lautet denn auch: «Man wird versuchen, euch zu verarschen, euch das Gefühl zu geben, dass ihr mit anderen Frauen in Konkurrenz steht. Lasst euch nicht verschaukeln. Ihr steht nicht in Konkurrenz mit anderen Frauen, sondern mit jedem.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.05.2011, 14:31 Uhr

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9 Kommentare

Stefan Flüeler

17.05.2011, 16:44 Uhr
Melden 7 Empfehlung

Frau Binswanger schreibt: "Tina Fey ... klärt ein für alle mal die Frage, ob Frauen lustig sein können: Ja, sie können".
Verzeihung, ich kann nichts dafür, aber bei dieser Einführung sind mir sogleich die "Lustigen Frauen von Windsor" (Oper) eingefallen.
Es offenbart sich das alte Problem: Männer verstehen den Frauenhumor nicht und Frauen verstehen den Männerhumor nicht.
Antworten


Franz Melliger

18.07.2011, 13:12 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Ich finde es schon eine berechtigte Frage, ob Frauen komisch sein können. Natürlich können sie, aber aus meiner Erfahrung lachen Frauen mehr über lustige Sprüche, als dass sie selbst welche machen. Die Szene ist nicht nur Klischee: Frau und Mann treffen sich das erste Mal und er bringt sie den ganzen Abend über zum lachen. Umgekehrt scheint mir das nicht so typisch. Antworten



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