Sie war die Gefährtin Adolf Hitlers
Von Volker Ullrich. Aktualisiert am 25.02.2010 1 Kommentar
Artikel zum Thema
Stichworte
Das Buch
Heike B. Görtemaker: Eva Braun. Leben mit Hitler. C.-H.-Beck-Verlag, München 2010. 366 S., mit 40 Abb., ca. 42 Fr.
In der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945, als das Regierungsviertel in der Berliner Wilhelmstrasse bereits im Dauerhagel russischer Granaten lag, fand im Führerbunker unter dem Garten der Alten Reichskanzlei eine gespenstische Zeremonie statt. Adolf Hitler heiratete seine 23 Jahre jüngere Geliebte Eva Braun. 40 Stunden später, am Nachmittag des 30. April, nahm sich das frisch getraute Paar das Leben. Ihre Leichen wurden in den Garten der Reichskanzlei geschafft, mit Benzin übergossen und angezündet. Die verkohlten Überreste wurden am Abend in einem Bombentrichter vergraben.
In der wissenschaftlichen Literatur über Hitler hat die Frau, die durch den gemeinsamen Selbstmord ihren Namen untrennbar mit dem seinen verband, nur wenig Aufmerksamkeit gefunden. Das überrascht nicht, denn alle grossen Biografen, von Alan Bullock über Joachim Fest bis Ian Kershaw, gingen im Grunde davon aus, dass der Diktator entweder zu persönlichen Bindungen unfähig gewesen sei oder dass er, ganz mit seiner Führerrolle identisch, überhaupt kein Privatleben besessen habe. Vor diesem Hintergrund konnte seiner langjährigen Gefährtin nur eine schattenhafte Existenz, bestenfalls die Rolle einer historisch bedeutungslosen Randfigur zugebilligt werden.
Begegnung im Fotoatelier
Die Berliner Historikerin Heike Görtemaker hat sich nun vorgenommen, dieses Bild zu korrigieren. Ihr soeben erschienenes Buch über Eva Braun hat sofort ein ungewöhnlich grosses Medieninteresse auf sich gezogen. Und dies zu Recht. Denn es handelt sich um die erste seriöse Biografie der Frau an Hitlers Seite. Dabei geht es der Autorin nicht nur darum, zu klären, wer Eva Braun war, sondern über die Beschäftigung mit ihr auch neue Perspektiven auf Hitler zu gewinnen.
Freilich stand Heike Görtemaker vor einem schwer zu überwindenden Hindernis. Noch vor seinem Selbstmord liess Hitler alle privaten Dokumente in den Tresoren seiner Domizile in München und auf dem Obersalzberg vernichten, darunter vermutlich auch seine Korrespondenz mit Eva Braun. Um Aufschluss über die Beziehung zwischen Hitler und seiner Lebensgefährtin zu erlangen, war Heike Görtemaker also auf andere Quellen angewiesen, auf gelegentliche Briefe Eva Brauns an Freundinnen und Bekannte, vor allem aber auf die Aussagen und Erinnerungen von Mitgliedern der engeren Umgebung Hitlers. Es ist ein besonderer Vorzug dieser Biografie, dass kein Zeugnis ungeprüft übernommen, vielmehr jedes sorgfältig auf seinen Wahrheitsgehalt abgeklopft wird. Und dennoch: Auch Görtemakers akribische Recherche kann nicht alle Fragen beantworten.
Eva, die 17-jährige Fotolaborantin
Das gilt schon für den Anfang der Beziehung. Vermutlich – sicher ist das nicht – begegnete Hitler Eva Braun, Tochter eines Münchner Berufsschullehrers, zum ersten Mal im Oktober 1929 im Atelier seines «Leibfotografen» Heinrich Hoffmann – also zu einem Zeitpunkt, als die NSDAP kurz vor ihrem Durchbruch zur entscheidenden politischen Kraft am Ende der Weimarer Republik stand. Der bereits 40-jährige Junggeselle fand offenbar Gefallen an der erst 17-jährigen hübschen Fotolaborantin und lud sie zum Essen und zu gemeinsamen Opern- und Kinobesuchen ein.
Wann wurde aus dem Flirt eine intime Beziehung? Heike Görtemaker vertraut hier den Beobachtungen von Hitlers Haushälterin in dessen Münchner Wohnung in der Prinzregentenstrasse, die nach dem Krieg ausgesagt hat, dass Eva Braun zu Beginn des Jahres 1932 die Geliebte Hitlers geworden sei. Allerdings musste sie sich den Platz an der Seite des NS-Führers, der auch nach der Machtübernahme 1933 zunächst seinen bohèmehaften Lebensstil beibehielt, hart erkämpfen. Zweimal (1932 und 1935) unternahm die junge Münchnerin wohl nicht ganz ernst gemeinte Selbstmordversuche, um Hitler auf sich aufmerksam zu machen und ihn fester an sich zu binden.
Eheähnliches Liebesleben
1936 war sie endlich am Ziel: Sie bezog eine von Hoffmann im Auftrag Hitlers gekaufte kleine Villa im noblen Münchner Stadtteil Bogenhausen, und sie gehörte nun zur ständigen Begleitung des Diktators in seinem zum Berghof ausgebauten Refugium auf dem Obersalzberg. Ihre Position im inneren Zirkel war damit, wie die Autorin hervorhebt, «praktisch unangreifbar» geworden. Wer die Nähe und Gunst Hitlers suchte, musste sich fortan mit seiner Geliebten gut stellen. Wer es, wie Hitlers Halbschwester Angela Raubal, wagte, Eva Braun zu kritisieren, der wurde mit der Verbannung vom Berghof bestraft.
Bewusst hat Heike Görtemaker darauf verzichtet, Schlüssellochfantasien zu reizen. Was sich womöglich im Schlafzimmer Hitlers, das neben den Gemächern Eva Brauns im zweiten Stock des Berghofs lag, zugetragen hat, darüber verliert sie kein Wort. Aber sie geht davon aus, dass die beiden ein normales, eheähnliches Liebesleben führten. Nach aussen freilich musste die Beziehung geheim gehalten werden. Denn Hitler fürchtete, dass ein Bekanntwerden seinem Nimbus als «Führer», der sein Privatleben dem Dienst an der Nation opferte, abträglich sein könne.
Sie rauchte, schminkte sich und trug teure Kleider
Deshalb durfte Eva Braun öffentlich nicht in Erscheinung treten. Beim Eintreffen offizieller Besucher oder ausländischer Gäste auf dem Berghof blieb sie unsichtbar. Und wenn sie Hitler auf Staatsbesuchen begleitete, reiste sie stets abseits des offiziellen Gefolges. Die deutsche Öffentlichkeit erfuhr erst nach Kriegsende von der Existenz der Hitler-Geliebten.
Aus vielen Bruchstücken setzt Heike Görtemaker das Porträt der Eva Braun zusammen, die so gar nicht dem nationalsozialistischen Idealbild einer deutschen Frau entsprach. Sie rauchte, schminkte sich, trug teure Kleider, fotografierte und filmte gern, trieb exzessiv Sport und feierte, sobald Hitler den Berghof verlassen hatte, Champagner-Partys. Vor allem aber war sie nicht das politisch unbedarfte Blondchen, als das sie immer wieder dargestellt worden ist.
Ruhig, klug, sachlich
Heike Görtemaker korrigiert das von Albert Speer in seinen «Erinnerungen» gezeichnete Bild der Berghof-Gesellschaft, in der angeblich in Anwesenheit von Frauen über Politik nicht gesprochen werden durfte. Nicht nur die Männer, auch die Frauen im inneren Zirkel, allen voran Eva Braun, identifizierten sich vorbehaltlos mit dem rassenantisemitischen Programm Hitlers und seiner aggressiven Eroberungs- und «Lebensraum»-Politik.
Allerdings: Über die Ermordung der Juden durfte auch im engsten Kreis niemals offen gesprochen werden. Wieweit Eva Braun davon wusste, bleibt ungeklärt. Niemals aber lässt die Autorin vergessen, vor welchem mörderischen Hintergrund sich die vermeintliche Idylle auf dem Obersalzberg abspielte.
Im Zweiten Weltkrieg nahm, wie die Autorin nachweist, Eva Brauns Bedeutung für Hitler noch zu. Während sich nach der Niederlage von Stalingrad auch auf dem Berghof Untergangsstimmungen breitmachten und die ersten Gefolgsleute sich von Hitler abzuwenden begannen, blieb sie scheinbar unbeeindruckt. Propagandaminister Joseph Goebbels notierte im August 1943: «Der Führer hebt demgegenüber auf das Lobendste die ruhige, kluge und sachliche Art von Eva Braun hervor.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.02.2010, 07:05 Uhr
Kommentar schreiben
1 Kommentar
Was beim Thema Eva Braun immer wieder schokiert, ist, dass in den Ländern des ehemaligen Ostblocks (ich kann namentlich für Ungarn und die Slowakei sprechen) kolportiert wird, Eva Braun sei Jüdin gewesen. Dies mit einer gedankenlosen Selbstverständlichkeit und stets verbundenmit einem verschwörerischen Augenbrauenhochziehen, welches andeutet, dass damit die Geschichte des 2. Weltkriegs erklärt sei Antworten
Das Foto zeigt eindeutig nicht Eva Braun. Die viel zu lange Nase, der markante Gesichtsausdruck und die Körperhaltung passen nicht zu den vielen Fotos, die wir vom Obersalzberg oder von München her kennen. Wer hat dieses Foto geliefert und welche Frau ist auf dem Foto wirklich abgebildet? Vielen Dank für eine Antwort!!!!! Eckhard Linnenkohl, E-Mail:terlinn@aol.com Antworten

















