Kultur

Reise ins Vaterland

Von Andreas Tobler. Aktualisiert am 18.03.2010

Der Schweizer Bestsellerautor Bruno Ziauddin schildert in seinem unterhaltsamen Buch «Curry-Connection», wie er auf einer abenteuerlichen Expedition erstmals Indien, das Land seines Vaters, bereiste.

Von Indien hatte Bruno Ziauddin etwa so viel Ahnung «wie ein Sextourist von der Literaturszene Bangkoks». Dabei hätte er allen Grund gehabt, sich für den Subkontinent zu interessieren, stammte doch sein Vater aus Indien. Stattdessen erforschte Ziauddin lieber ein Schweizer Nachbarland: 2008 landete er mit «Grüezi Gummihälse», einem flott geschriebenen Buch über das Verhältnis zwischen Deutschen und Schweizern, einen Bestseller.

Späte Selbstfindung

Für sein «Vaterland» begann sich Ziauddin erst zu begeistern, als seine Eltern in kurzer Folge starben. Danach machte er sich mit seiner Lebensgefährtin auf in jenes Dorf, wo sein Vater geboren wurde und noch heute Ziauddins indische Verwandtschaft lebt.

Doch warum hatte der Journalist, der heute der Chefredaktion der «Annabelle» angehört, bis dahin fast nichts von der indischen Kultur mitbekommen? Ziauddin erklärt, dass sein Vater schon früh das europäische Wertesystem übernommen und sich nach seiner Heirat mit Ziauddins Mutter, einer Schweizerin, zu einem Musterbürger gemausert hatte: Er forderte im Tram die Jugendlichen auf, die Füsse von den Sitzen zu nehmen, und gab vor, seine Muttersprache verlernt zu haben.

Erst in Indien erfährt Ziauddin, warum sein Vater in seinen letzten Lebensjahren nicht mehr in die Heimat reisen wollte. Und er erkennt, dass das Selbstbild seines Vaters als europäisierter Inder stets «etwas Prekäres» hatte, da er auf Grund seiner Hautfarbe immer wieder auf seine Herkunft zurückgeworfen wurde und fremdenfeindlichen Vorurteilen ausgesetzt wurde: «Schau mal, ein Neger!», riefen Kinder in der Schweiz, und Erwachsene fragten: «Was, Sie haben einen Doktortitel?»

Höhepunkt Hochzeit

In Indien macht Ziauddin Bekanntschaft mit seinen fünf Tanten, seinen zahlreichen Cousins, und er lernt die überwältigende Gastfreundschaft seiner Verwandtschaft kennen, die in mehrgängigen «Curryepen» wiederholt ihren Ausdruck findet und in ihrer Bedingungslosigkeit oftmals etwas Erdrückendes hat. Doch trotz aller Verschiedenheiten kommt es zu einer Annäherung, die in Ziauddins ebenso unterhaltsamem wie anrührendem Buch in einer Hochzeit mit 1200 Gästen ihren fulminanten Höhepunkt findet.

Bruno Ziauddin: Curry-Connection. Rowohlt, 217 Seiten.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 18.03.2010, 10:27 Uhr

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