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Prominenter Schweizer Schriftsteller starb im Streit um Polanski

Aktualisiert am 22.10.2009

Vor zwei Wochen starb der Westschweizer Schriftsteller Jacques Chessex während einer Podiumsdiskussion. Jetzt meldet sich jener Mann aus dem Publikum, der Chessex vor seinem Zusammenbruch scharf angegriffen hatte.

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Sein Tod bewegt die Westschweiz: Schriftsteller Jacqes Chessex.
Bild: Keystone

   

Wäre dieser Todesfall Teil eines Romans, würde man ihn wohl als unglaubwürdig abtun. Am 9. Oktober starb der Schriftsteller Jacques Chessex bei einem öffentlichen Gespräch in der Stadtbibliothek von Yverdon; er brach mitten in einem Satz zusammen.

Bei der Diskussion ging es eigentlich um die Theaterfassung seines Romans «Bekenntnisse des Pfarrers Burg», das im Théâtre de l'Echandole aufgeführt wird. Doch schon bald kam man vom Thema ab. Ein Zuschauer meldete sich zu Wort und stellte sich als Arzt und Vater zweier Mädchen vor. In einer langen Rede verurteilte er Chessex' Stellungnahme für den verhafteten Regisseur Roman Polanski und warf dem Schriftsteller vor, sich zu einem Komplizen eines Kinderschänders gemacht zu haben.

Der 75 Jahre alte Schriftsteller verteidigte sich und stellte klar, er habe bei seiner Kritik an der Verhaftung Polanskis auf keine Weise den Kindsmissbrauch verharmlosen wollen. Kaum kehrte er wieder zum ursprünglichen Thema zurück, brach Chessex tot zusammen.

Arzt: «Ich habe mir nichts vorzuwerfen»

Diese unglaubliche Geschichte machte das Magazin «L'illustré» in seiner letzten Ausgabe bekannt. Die ganze Westschweiz fragte sich seither: Wer war dieser Mann im Publikum? Das Boulevardblatt «Le Matin» machte ihn ausfindig, in der gestrigen Ausgabe erklärte er, wie er den Tod des Schriftstellers erlebt hatte – allerdings ohne seinen Namen preiszugeben.

Er zeigt sich niedergeschlagen, heute bereut er seine Intervention. «Bin ich verantwortlich für seinen Tod? Meine Antwort ist nein. Trotzdem belastet mich das sehr, das Ganze ist sehr schmerzhaft», sagt er. Der Familie des Verstorbenen spricht er sein tiefes Beileid aus. Als Arzt sei er immer wieder mit den Folgen von Kindsmissbrauch konfrontiert, über die Stellungnahme Chessex' zu Polanski sei er schockiert gewesen. «Meine Intervention kam aus meinem tiefen Innern.» (rb)

Erstellt: 22.10.2009, 10:58 Uhr

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