Kultur
Hunkeler geht in Pension
Von Martin Ebel. Aktualisiert am 30.08.2010 1 Kommentar
Das Buch
Hansjörg Schneider: Hunkeler und die Augen des Ödipus. Roman. Diogenes, Zürich 2010. 232 S., ca. 36 Fr.
Buchvernissage am 1. September, 19 Uhr, im Kulturzentrum Brasilea, Westquaistr. 39 in Basel. Am 21. Oktober findet im Zürcher Schiffbau ein Hunkeler-Abend mit Mathias Gnädinger und Ueli Jäggi statt.
Kurt Wallander verschwindet in der Demenz, Peter Hunkeler geht in Pension: Kommissarsdämmerung in der Kriminalliteratur? Immerhin lässt Hansjörg Schneiders neue Folge seiner höchst erfolgreichen Serie um den Basler Ermittler (der eigentlich, wie der Autor, aus dem Aargau stammt und stolz darauf ist) Raum für Hoffnung auf mehr. Hunkeler führt seinen jüngsten Fall nämlich auch jenseits der Pensionsgrenze zur Aufklärung.
Nicht sehr aktiv, schon gar nicht aktionistisch: Er gehört zu den Komissaren, die ihren Fällen lieber zusehen, wie sie sich selbst aufklären. Und Hansjörg Schneider gehört zu den Krimiautoren, die an Figuren, Milieu und Atmosphäre viel mehr interessiert sind als an der Mechanik von Rätsel und Lösung.
Die Renitenz des Helden
Deshalb finden die Leser auch bei diesem Hunkeler-Band, was ihnen an den vorigen gefallen hat: eine stille Renitenz des Helden gegenüber den schneidigen Kollegen und Vorgesetzten; liebevolles Auspinseln des Dreiländerecks mit seiner eigentümlichen menschlichen Fauna; melancholische Sätze über das Leben schlechthin und ein paar Seitenhiebe auf Schweizer Verhältnisse. So betont Hunkeler, dass er in Basel auch nach 50 Jahren nicht heimisch geworden sei, wegen der hochnäsigen Bevölkerung dort, aber er könne «in keiner Stadt leben, die von lauter Schweiz umgeben ist»: also doch Basel.
Ansonsten durchzieht den Roman eine gepflegte Nostalgie; Hunkeler kann, da der Fall im Theatermilieu spielt, an die Zeit und Kenntnisse anknüpfen, da er jugendlicher Regieassistent am Basler Theater war (wie Schneider auch). Unter dem Personal befinden sich jede Menge Abgehalfterte, und Hunkeler empfindet sich ja selbst schon lang als Auslaufmodell. Auch das trägt zum melancholischen Grundton bei.
Zieht man ein paar saftige Klischees ab (der Lokalreporter vom Zürcher Boulevardblatt, der Basler Theaterkritiker), so ist diese neue Hunkeler-Folge eine angenehme Lektüre, die mit einem Abendessen bei Scholler in Knoeringue ein stilgerechtes Ende findet. Auch wenn er mit seiner Hedwig eine Bootsfahrt nach Paris plant, im Schritttempo: Hunkeler wird auch als Pensionierter am Rheinknie bestimmt wieder etwas zu ermitteln finden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.08.2010, 19:56 Uhr
WRITE A COMMENT
1 Kommentar
Umfrage
Sind Sie ein Musical-Fan?





Gabriella de'Grandi
Als Hunkeler-Uebersetzerin wuensche ich mir, auch diesen letzten Krimi von H. Schneider fuer die italienischen Leser zu uebersetzen Antworten