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Hinter den Masken der Moderatoren

Von Interview: Sarah Pfäffli. Aktualisiert am 22.10.2008

TV-Moderatoren suchen das Rampenlicht – mögen es aber nicht, auf der Strasse erkannt zu werden. Diese und weitere Eigenheiten ihrer Kollegen fördert Monika Schärer im Buch «Wir Süchtigen von Leutschenbach» zu Tage.

Info-Box

Monika Schärer (40) moderiert das Wissensmagazin «Einstein» auf SF1. Im April 2007 wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert, sie wurde operiert und musste sich einer Chemotherapie unterziehen. In dieser Zeit entstand das Buch «Wir Süchtigen von Leutschenbach»: Darin interviewt Monika Schärer elf Moderatorinnen und Moderatoren, darunter Patrick Rohr, Monika Fasnacht und Katja Stauber. Bilder Andri Pol. 160 S., Echtzeit-Verlag, 34 Franken

Frau Schärer, wonach sind Moderatoren süchtig? Nach Anerkennung? Nach Öffentlichkeit?

Monika Schärer:?Wir haben einen privilegierten Job, können in viele Welten hineinschauen. Dieses Privileg wird man nicht gerne wieder los. Zudem erhalten wir sehr direkt sehr viel Feedback – auch das gibts nicht in jedem Beruf. Beides kann süchtig machen.

Steckt hinter diesem Bedürfnis nach Anerkennung Eitelkeit? Sind Moderatoren Narzissten?

Ein gewisser Narzissmus gehört dazu. Man muss bereit sein, sich zu exponieren, sonst kann man den Job nicht machen.

Die Moderatoren, die Sie interviewt haben, jammern viel. Auf der Strasse erkannt zu werden, ist ihnen ein Gräuel. Dabei haben sie die Öffentlichkeit gesucht.

Darin steckt tatsächlich ein Widerspruch. Moderatoren sehen es als unerwünschte Nebenwirkung an, dass sie angesprochen werden. Aber es ist ein Jammern auf hohem Niveau. Zudem muss ich sagen: Die Interviewten haben nicht von sich aus geklagt, ich habe gezielt in diese Richtung gefragt, weil ich wissen wollte, was es heisst, wenn einem alle ins Einkaufskörbli schauen oder einen in der Beiz beim Essen anstarren. Beni Thurnheer etwa setzt sich aus diesem Grund in Restaurants nur noch mit dem Gesicht Richtung Wand hin.

Mehrere Moderatoren betonen, kaum Kontakt zu Berufskollegen zu pflegen. Trotzdem sprechen im Buch alle übereinander, Monika Fasnacht etwa schnödet über Reto Brennwalds Aussehen. Tratschen Moderatoren so gern?

Die Äusserungen über Drittpersonen, die im Buch vorkommen, sind fast alle sehr positiv. Beni zum Beispiel halten alle für den Grössten, Charles Clerc lobt Katja Stauber für «das gewisse Etwas». Natürlich kennen sich alle, auch wenn man selten direkt zusammen arbeitet. Es ist eine Art Familie –?da spricht man auch übereinander. Aber mit Respekt.

Einer, der immer wieder erwähnt wird, ist Sven Epiney. Warum haben Sie ihn nicht interviewt?

Am liebsten hätte ich alle drin gehabt, aber es ging nicht. Sven habe ich auch angefragt, aber es hat terminlich nicht geklappt.

Was sagen Sie zu dieser Aussage? Moderatoren transportieren zwar Inhalt, erschaffen aber selber keinen.

Natürlich ist der Aspekt der Präsentation zentral. Aber Moderatoren produzieren – wie andere Journalisten auch – sehr wohl Inhalt! Wenn Kurt Aeschbacher ein Gespräch führt, generiert er Inhalt, und wenn Katja Stauber die Tagesschau moderiert, erschafft sie etwas.

Ist die Idee zum Buch in der Zeit Ihrer Krankheit entstanden?

Ja. Etwa vor einem Jahr. Da hatte ich noch eine Glatze, sass zu Hause und hatte viel Zeit zum Nachdenken. Ich fragte mich: Brauche ich das Fernsehen? Hätte ich Entzugserscheinungen? Bin ich abhängig? Aber ich wollte diese Fragen nicht selbst beantworten, sondern sie im Gespräch mit meinen Kollegen ergründen.

Wer soll sich für Ihr Buch interessieren? Fernsehschaffende? Oder das Publikum?

Sagen Sie es mir! Am schönsten wäre es, wenn sich die treuen TV-Zuschauer das Buch auf den Nachttisch legen und ab und zu nach einer Sendung nachschlagen würden, wie sich die Person, die sie gerade am TV gesehen haben, eigentlich fühlt. Was denkt Sandra Studer, bevor sie die Swiss Awards moderiert? Ich möchte hinter die Maske jener Leute blicken, die täglich in Hunderttausenden Stuben zu Besuch sind, die auf der Strasse von Wildfremden geduzt werden – und die man doch nicht wirklich kennt.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 22.10.2008, 10:14 Uhr

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