Kultur
Eine Hommage ans Meerschweinchen
Ob das gelbe Pferd bei Franz Marc, die anschmiegsame Katze bei Pierre-Auguste Renoir oder der starke Löwe bei Henri Rousseau – fast alle Tiere haben als Sinnbilder für soziale, moralische oder religiöse Inhalte in der Kunstgeschichte ihren Platz gefunden. Ausser einem: dem Meerschweinchen.
Darum hat sich der 45-jährige deutsche Künstler Cornelius Völker dem gemächlichen Haustier angenommen und gleich eine ganze Werkgruppe mit Bildern geschaffen, auf denen das Tier isoliert von Käfig und Heuhaufen dargestellt ist. Frei von einer tieferen Bedeutung will er mit seinen naturalistischen Darstellungen den Blick auf die Vielfalt des von Südamerika importierten Haustiers lenken. Gleichgültig ob mit langen Haaren, gekraust oder mit kurzen Stoppeln, Völkers dick aufgetragene Farbe hebt die verschienenen Fellstrukturen optimal hervor.
Wenn sie bisher auch auf Leinwänden wenig Spuren hinterlassen haben, so bleiben die Tiere dafür in den Herzen ihrer Herrchen unvergessen. Dies zeigen auch die zahlreichen Anekdoten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieser Zeitung. stcCornelius Völker: «Meerschweinchen». Schirmer/Mosel, 144 Seiten.Miriam Lenz, People-Redaktion: «Unser Meerschweinchen hiess Lori, benannt nach dem Hausarzt meiner Schwester – sie war so verliebt in ihn! Mein Bruder hat das arme Tier noch 2 Tage über den Tod hinweg gefüttert, weil er dachte, es schlafe.»
Anekdoten von Mitarbeitern der Berner Zeitung
Andreas Seiler, BZ-Forum: «Beim Gewürzbeet rupfte ich Schnittlauch aus und frass mit dem Meerschweinchen am gleichen Stängel um die Wette. Ich auf der einen Seite, das Strubeli auf der anderen. Das Tier kaute schneller. Ich verlor jedes Mal.»
Hannes Hofstetter, Redaktion Burgdorf: «Ich habe mir als Kind immer ein Meerschweinchen gewünscht. Als ich dann endlich eines erhielt, stellte sich heraus, dass ich auf diese Tiere allergisch bin. Das wars. Wir gaben das Vieh unter Tränen zurück.»
Tina Uhlmann, Freie Mitarbeiterin Kultur: «Ich kannte das Geschlecht meines Meerschweinchens nicht. Erst als wir es einschläfern mussten, sagte uns der Tierarzt, dass unser Gretli eigentlich in Männchen war.»
Mirjam Messerli, Stadt-Redaktion: «Meine Schwester und ich haben aus leeren Musikkassetten-Hüllen einen Irrgarten samt Hindernisparcours erstellt, und unser Meerschweinchen hat diesen mit Begeisterung absolviert.»
Mirjam Comtesse, Wirtschaftsredaktion: «Vor zwei Jahren war ich in Peru. Natürlich wusste ich, dass dort Meerschweinchen als Delikatesse gelten. Aber als so ein Tierchen dann auf meinem Teller lag – mit Kopf, Zähnen, Pfoten und allem dran –, wurde mir flau im Magen. Ich musste an unseren Schnuffi denken, wie er mit genau solchen Pfötchen im Heu gescharrt und genau solchen Zähnchen Rüebli geknabbert hatte. Das Menü ging unberührt zurück.»
Franziska Zaugg, BZ-Forum: «Mein schwarz-weisses Meerschweinchen hiess Fritz. Meine ältere Schwester bestimmte den Namen. Sie wollte etwas bodenständiges. Pipsi oder so kam gar nicht erst in Frage.»
(Berner Zeitung)
Erstellt: 18.03.2010, 10:22 Uhr






